Markgräfler Bürgerblatt

Wollte ihr Peiniger sich in den Iran absetzen?

Mord an Maria L.:

Freiburg. Ein Jahr nach dem brutalen Sexualverbrechen an der 19 Jahre alten Studentin Maria L. in Freiburg ist der Prozess gegen ihren mutmaßlichen Mörder Hussein K. in vollem Gang. Im Mittelpunkt stand zuletzt die Aussage des 61 Jahre alten Kinderarztes aus Freiburg-Ebnet, bei dessen Familie der Angeklagte zur Tatzeit in einer Einliegerwohnung lebte und der vor Gericht auf Nachfrage sagte, dass K. sich in den Wochen nach dem Mord offenbar in den Iran absetzen wollt, was aber an fehlenden Papieren gescheitert sei.

Viel mehr Erhellendes zu dem Verbrechen und zur Person des Angeklagten konnte der Mann allerdings nicht beitragen: In erster Linie habe seine Frau, die bereits am 10. Oktober vernommen wurde, sich um das Thema Flüchtlingshilfe und um die Aufnahme des jungen Mannes gekümmert, den er als „gestandenen jungen Erwachsenen mit einer eigenen Meinung“ erlebt habe. Er selbst habe den Angeklagten im Schnitt zwei oder drei Mal in der Woche zu Gesicht bekommen. Freundlich, aber distanziert sei Hussein K. ihm vorgekommen, so der Mann. Von einem möglichen Alkohol- und Drogenkonsum habe er nie etwas mitbekommen. Über seine Vergangenheit habe Hussein K., der manchmal mehrere Tage bei Freunden gewesen sei, nicht mit ihm gesprochen.

Vernommen wurde zuletzt auch eine 39 Jahre alte Frau, die kurz vor dem Mord an Maria L. in einer Straßenahn eine unangenehme Begegnung mit dem Angeklagten hatte: Hussein K. setzte sich nach dem Einsteigen direkt neben sie und musterte die Zeugin „aggressiv und obszön“. Sie habe sich durch die Blicke „bedrängt und gestört“ gefühlt, so die Frau, die sich in der Tram schnell einen anderen Sitzplatz sichte, weil es ihr „ein schlechtes Gefühl“ gemacht habe, neben dem jungen Mann zu sitzen, der offensichtlich „auf der Suche nach einer Frau“ gewesen sei.

Auch eine aus Südkorea stammende Frau war in der Tram im Blickfeld des Angeklagten: Die Zeugin stieg zusammen mit Hussein K. an der Endhaltestelle in Freiburg-Littenweiler aus und wurde dort von ihm angesprochen. Er habe sie vergewaltigen wollen, so K. später angeblich gegenüber einem Zeugen in der U-Haft. Die Frau konnte entkommen, indem sie sich ein Taxi nahm. Die Videoaufzeichnungen aus der Straßenbahn in der Tatnacht wurden ebenfalls zuletzt im Prozess im Gericht abgespielt: Sie zeigen Hussein K. unter anderem beim Ein- und Austeigen und beim Versuch, mit der 39-jährigen Zeugin anzubandeln. Einen wackligen, betrunkenen oder gar berauschten Eindruck kann man aus den Bildern nicht ableiten. Hussein K. hat zu Beginn des Verfahrens behauptet, die Tat an Maria L. spontan im Vollrausch begangen zu haben. Dass Staatsanwalt Eckart Berger ihm die Spontanität nicht glaubt, machte der Ankläger auch den Videos fest: Sie würden eindeutig belegen, dass Hussein K. in der Zeit vor dem Mord intensiv Kontakt zu Frauen gesucht habe, so Berger. (MBB)

Teilen Sie jetzt diesen Beitrag! Unsere Sharing-Buttons stehen im Einklang mit dem deutschen Datenschutzrecht.

Das könnte Dich auch interessieren …