Markgräfler Bürgerblatt

Was will das Elsass?

Gebietsreform in Frankreich

Das Logo des Elsass. Viele fragen sich, ob nach dem Willen der Gebietsreformer nun bald die Elsässer Brezel in Champagner getunkt werden muss…

Das Logo des Elsass. Viele fragen sich, ob nach dem Willen der Gebietsreformer nun bald die Elsässer Brezel in Champagner getunkt werden muss…

Straßburg/Freiburg. Das Elsass soll ab 2016 zu einer neuen Großregion mit Lothringen und Champagne-Ardenne fusionieren – zum großen Leidwesen einiger Elsässer.
Eine Entschlackung des französischen Systems ist schon lange erforderlich, da die Unterteilung des Landes in 27 Regionen einen redundanten und kostspieligen Verwaltungsapparat birgt. Dennoch hat sich bisher keine Regierung getraut, die Büchse der Pandora zu öffnen. Kann man also aufatmen? Leider ist die Vorgehensweise der Sozialisten hölzern und die Kommunikation über die neu gezeichnete Frankreich-Karte unbeholfen.
Während der Planung der Reform wurde zum Beispiel die bereits zähneknirschend aufgenommene Mischehe Elsass-Lothringen kurzfristig in einen Dreierpack mit der Champagne-Ardenne umgewandelt. Das flächenmäßig kleine Elsass scheute auf, manche sahen hier ein gefährliches Ungleichgewicht – zumal Misstrauen gegenüber Paris diesseits der Vogesen von jeher an der Tagesordnung ist.
Die (sehr) konservativen Politiker, die vehement gegen die Fusion von Süd- und Nordelsass 2013 gestimmt hatten, argumentieren jetzt mit der Einzigartigkeit der Kultur am Rhein und sprechen sich für ein geeintes Elsass aus, das sich selbst genüge. „Rettet das Elsass!“ rief man Anfang Oktober bei einer Demonstration in Strasbourg. Das vorgeschobene Argument der elsässischen Identität konnte jedoch nicht übertönen, dass die wohlhabende Region „nicht für die wirtschaftlich schwächeren Gebiete zahlen will“. 
Mit dieser Kundgebung sollte bewiesen werden, dass die gesamte Region gegen die Reform ist. Laut Polizei kamen 7.000 Menschen; der Président de la région und Gegner der Reform, Philippe Richert, sprach seinerseits von bis zu 20.000 Teilnehmern. Jedenfalls eine geringe Prozentzahl der 1,86 Mio. Elsässer. Doch sind die Gegner bis nach Paris zu hören, so beim Schlagabtausch zwischen einem elsässischen Abgeordneten, seinem angeführten „elsässischen Volk“, und dem Premier Minister Manuel Valls, der daraufhin klarstellte: „Es gibt kein elsässisches Volk. In Frankreich gibt es nur ein französisches Volk.“
So wird die Thematik mit Lokalpatriotismus angeheizt. Jedoch bietet die Reform die Gelegenheit, sich mit dem Elsass und seiner Vorreiterrolle als europäische Region am Oberrhein zu beschäftigen. Paris könnte dadurch spürbar Richtung Strasbourg und Europa-Parlament rücken, und manche Elsässer ihren Argwohn gegenüber der Hauptstadt ablegen. Da die Reform erst 2016 in Kraft tritt, ist eigentlich noch genügend Zeit, um die Diskussion auf eine sachliche Ebene zu führen. (Florence Baader)

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