Markgräfler Bürgerblatt

Weihnachtstannenzweige

Eine Weihnachtsgeschichte

erzählt von Ernesta Rawe

„Vor vielen, vielen Jahren – unsere Tochter war damals erst zwölf Jahre alt – haben wir, wie immer, rechtzeitig einen Weihnachtsbaum gekauft, aber leider vergessen, einige Tannenzweige mitzunehmen, um das Zimmer damit auszuschmücken. Da wir nicht weit vom Rheinwald entfernt wohnten und in einigen Kilometern Entfernung durch frühere Spaziergänge von sehr großen und hohe Tannen wussten, nahm mein Mann mein kleines Auto, verfrachtete meine Tochter hinein und ist mit einem großen Messer „bewaffnet“ losgefahren, um Tannenzweige aus dem Rheinwald zu holen.

Ich habe in dieser Zeit, es war nachmittags, einige „Weihnachtsbrötle“ gebacken, wie es sich gehört in dieser dunklen Winter- und Adventszeit. Danach habe ich auf die beiden gewartet und schon mal das Teewasser aufgesetzt. Aber sie kamen und kamen nicht, es wurde schon dämmrig und bald würde es dunkel sein.

Handys gab es damals noch nicht, also konnte man sich auch nicht über den Grund einer eventuellen Verspätung informieren.

Da klingelte das Telefon. Ich nahm den Hörer ab und nannte unseren Namen. „Hier spricht die Polizei“, sagte eine freundliche Männerstimme. Klar erschrak ich ein wenig. Ob den beiden etwas passiert ist? „Ist Ihr Mann zuhause?“ wollte der Polizist wissen. „Nein“, antwortete ich wahrheitsgemäß und wunderte mich etwas. „Fahren Sie ein Auto mit der Autonummer…….“, der Polizist nannte unsere Autonummer und das Fabrikat unseres kleinen Autos. Jetzt war ich aber doch sehr aufgeregt, da musste doch was passiert sein! „Gab es einen Unfall“, fragte ich. Darauf ging der Polizist aber nicht ein. „Im Rheinwald ist ein Mann gesehen worden mit einem jungen Mädchen und einem großen Messer und Tannenzweigen…“ sagte der Polizist.

Er nannte allerdings eine Stelle sehr weit weg von „unseren“ Riesentannen, schon in Richtung auf unser Heimatstädtchen, sodass ich mir fast nicht vorstellen konnte, dass es meine beiden Lieben sein sollten.

Aber, wenn sie es nicht waren, wo bleiben sie nur so lange? Inzwischen war es ganz dunkel geworden. Ich erzählte dem Polizisten nun, wieso mein Mann mit unserer Tochter und einem Messer in den Rheinwald gefahren war. Dem Polizisten schien ein Stein vom Herzen zu fallen. „Bitte rufen Sie mich sofort an, wenn Ihr Mann mit Ihrer Tochter wieder daheim ist“, meinte er erleichtert. Ja, aber trotzdem machte ich mir jetzt ernsthaft Sorgen, warum die beiden so lange brauchten. Inzwischen war es stockdunkel.

Aber – endlich! – kamen sie! „Wo seid Ihr nur so lange gewesen?“ fragte ich vorwurfsvoll. Es stellte sich heraus, dass sie – nachdem die beiden einige Tannenzweige abgeschnitten hatten – merkten, dass der Autoschlüssel weg war!! Verloren, im Rheinwald, irgendwo zwischen den Tannen. Es war unmöglich, ihn wiederzufinden, zumal es fast schon dunkel war. Also gab es nur eines: zu Fuß nach Hause gehen. Und das dauerte natürlich länger, als mit dem Auto.

Am nächsten Tag sind wir dann alle mit unserem anderen Auto zu den großen Tannen gefahren und haben den Autoschlüssel gesucht – und auch bald gefunden. Wir hatten trotz dieses Abenteuers ein wunderschönes Weihnachtsfest mit vielen im Zimmer verteilten Tannenzweigen.


„Was ist Ihre netteste Weihnachtsanekdote?“,

fragten wir unsere Leser und versprachen, die Geschichte, die dem Team von Markgräfler Bürgerblatt und Breisach aktuell am besten gefiele, nicht nur mit einem Tannenbaum zu belohnen, sondern auch als Titelgeschichte in der letzten Ausgabe des Jahres 2017 abzudrucken.

Am besten gefallen hat allen die Geschichte von Ernesta Rawe aus Breisach, die deshalb auch hier auf dem Titel zu finden ist.

Vielen Dank für diese nette Story, Frau Rawe – Ihnen und Ihrer Familie ein gesegnetes Christfest wünscht Ihnen das Team des Markgräfler Bürgerblattes und von Breisach aktuell.

 

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