Markgräfler Bürgerblatt

Weihnachtsgeschichte nach einer fast wahren Begebenheit

Titel_Weihnachtsgruss_2014

Heilig Abend auf der Autobahn

Wie allen hinlänglich bekannt, war und ist die Vorweihnachtszeit nicht immer geruhsam und schon gar nicht besinnlich. Zumindest bei vielen Berufstätigen, die aufgrund ihrer Beschäftigung bis zum letzten Tag vor bzw. sogar bis am 24. Dezember arbeiten müssen. Mir erging es ähnlich. Und noch schnell die letzten Geschenke verteilen, denn es war geplant, zu der etwa 400 km entfernt wohnenden Verwandtschaft zu fahren, um dort das Weihnachtsfest zu verbringen. So machte ich mich am 24. gegen 17 Uhr auf den Weg. Das bedeutete, wenn alles gut lief, würde ich gegen 21 Uhr bei meinen Verwandten ankommen, um gerade noch rechtzeitig die Bescherung mitzuerleben. Im Übrigen lag das Reiseziel in der Nähe von München. Ich begab mich also auf die Autobahn Richtung Karlsruhe, um dann auf die berühmte A8 Richtung München zu fahren. Es war sicher dem Tag und der Uhrzeit geschuldet, dass kaum noch andere Verkehrsteilnehmer unterwegs waren. Die saßen sicher schon alle am warmen Kachelofen bei weihnachtlicher Musik und schön geschmücktem Tannenbaum. Bei mir sah es da etwas anders aus. Passend zur Jahreszeit begann es zu schneien. Die Schneekristalle im Leuchtkegel des Scheinwerferlichtes waren wie Lichtpunkte einer Discokugel, die wie kleine Nadelstiche im Auge schmerzten. So verringerte sich natürlich auch die Reisegeschwindigkeit bis hin zur Schrittgeschwindigkeit, das Erreichen des Ziels rückte in weite Ferne. Auf einmal wurde es dunkel, es schien, als ob ich ganz allein unterwegs war. Plötzlich sah ich noch im rechten Augenwinkel ein schwaches Licht etwa 20 Meter vom Straßenrand entfernt. Ich hielt sofort an. Das anfänglich leichte Schneien hatte sich zu einem mittleren Schneesturm herausgemausert. Mit dicker Jacke, Schal und Handschuhen machte ich mich auf den Weg zur Lichtquelle. Es war ein Auto, welches wohl von der Fahrbahn abgekommen war und es brannte nur noch die Innenbeleuchtung. Ich klopfte an die Tür und es drehte ein verstörter Mann die Scheibe herunter. Er konnte mir nicht sagen, wann, warum und wie er von der Straße abgekommen sei. Auf einmal hörte ich von hinten ein kleines Mädchen weinen. „Papa, ich möchte nach Hause, es ist doch Weihnachten!“ Auf dem Beifahrersitz saß wohl die Mutter, die aber vor Kälte kaum noch sprechen konnte. Ich werde helfen. Zuerst zog ich Schneeketten auf, um dann von der Autobahn runter zu fahren, um das Fahrzeug aus dem Acker zu ziehen. Das war nicht ganz einfach, aber nach langem Hin und Her standen beide Fahrzeuge wieder auf dem Standstreifen der Autobahn. Gefühlt kamen in dieser Zeit vielleicht fünf bis zehn Fahrzeuge vorbei, aber Keines hielt an. Wir machten uns dann gemeinsam auf den Weg zur nächsten Raststätte bzw. zur nächsten Tankstelle. Der Vater, die Mutter, das kleine Mädchen und ich gingen rein. Dort stand ein kitschiger Kunststoffchristbaum mit bunter Lichterkette, ein alter Schwedenofen bollerte und aus den blechern klingenden Lautsprechern ertönte Weihnachtsmusik. Der Tankwart bot uns ein warmes Getränk an, was wir alle gerne annahmen. Ich holte aus meinem Auto noch schnell einen Teller mit Weihnachtsplätzchen, den ich dem kleinen Mädchen schenkte. Bei der ganzen Familie begannen die Augen zu leuchteten und es kam eine unglaubliche weihnachtlich warme und wohlige Stimmung in dieser doch eher tristen Tankstelle auf. Ich wartete noch, bis der Abschleppwagen kam, um mich dann auf den Weg zu meiner Familie zu machen. Zu dieser Zeit gab es zwar noch keine Mobiltelefone, aber ich hatte sie von der Tankstelle aus informiert, dass ich später kommen würde. Gegen Mitternacht kam ich dann glücklich an. Auf die Frage, wer denn die Leute waren, denen ich da geholfen habe, konnte ich nur erwidern, dass ich die Namen der Familie nicht kenne, aber das kleine Mädchen hat mich gefragt: “Bist Du der Weihnachtsmann?!“

Teilen Sie jetzt diesen Beitrag! Unsere Sharing-Buttons stehen im Einklang mit dem deutschen Datenschutzrecht.

Das könnte Dich auch interessieren …