Markgräfler Bürgerblatt

Was erwarten Sie vom neuen Jahr 2017?

Müllheim. 2016 war für viele Menschen ein Jahr, das sie aufgeschreckt hat – Brexit, die Wahl Donald Trumps, die Übergriffe an Silvester in Köln, die Terroranschläge in Nizza, Berlin, Würzburg und anderen Orten, der Krieg im Nahen Osten. Wie geht es weiter? Während wir bei den globalen Ereignissen staunend, erschreckt und hilflos zusehen müssen, kann man, können wir vor Ort, lokal, etwas tun. Das „Markgräfler Bürgerblatt“ hat Bürgermeister Südbadens gefragt, was sie von 2017 für Ihre gemeinde erwarten.

 

Martin Löffler, Heitersheim:

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„Am 13. März 2016 wurde das größte Konfliktthema der Stadt Heitersheim einem Bürgerentscheid unterworfen. Die Frage lautete: „Soll die Stadt Heitersheim den für den Bau der Nordumgehung erforderlichen Grunderwerb … durchführen?“ Die Bürgerinnen und Bürger haben diese Frage eindeutig mit Ja beantwortet und haben nun die Erwartung, dass die Straße auch in den nächsten Jahren gebaut werden kann. Ich erwarte, dass wir dieses Vorhaben in 2017 entscheidend voran bringen und die erforderlichen Beschlüsse im Gemeinderat auch gefasst werden. Die rechtlichen und tatsächlichen Hindernisse sollen im Jahr 2017 möglichst bewältigt werden, so dass 2018 bereits mit dem Bau begonnen werden kann.
Ein weiteres ganz wichtiges Thema bleibt das Schaffen von Wohnraum. Es fehlen 850.000 Wohnungen in Deutschland und in unserer Region ist dieser Mangel besonders spürbar. In Freiburg ist der Anteil der Wohnkostenanteil gemessen an der Kaufkraft je Haushalt bundesweit am höchsten und lag 2014 bei 29,3 Prozent. Selbst in München liegt der Anteil mit 27,1 Prozent deutlich darunter. Heitersheim liegt nur 14 Bahnminuten vom Freiburger Hauptbahnhof entfernt und ist eine der 64 Gemeinden (von 1.101) in Baden-Württemberg, die in die Gebietskulisse für die Mietpreisbremse aufgenommen wurde. Die starke Zuwanderung von Flüchtlingen in den Jahren 2015 und 2016 hat diese Aufgabe vergrößert. Wenn wir bezahlbaren Wohnraum möchten, führt kein Weg an Innenverdichtung, aber auch an neuer Wohnbebauung mit mehr Flächenausweisung vorbei. Daran werden wir weiter arbeiten.
Bei allen Aufgaben wollen wir solide und sparsam wirtschaften, die Stadt Heitersheim weiter schuldenfrei halten und dafür Sorge tragen, dass in unserer Stadt die Gebühren und Steuern so niedrig bleiben.“

 

Jörg Czybulka, Schallstadt:

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„Die Gemeinde Schallstadt ist im Wandel begriffen. Der Gemeinderat hat einige Großprojekte auf den Weg gebracht, die das Gesicht der Gemeinde nachhaltig verändern werden. Bereits sichtbar ist dies in Wolfenweiler, wo der Neubau des Bauhofs bereits kurz vor dem Abschluss steht. Im Frühjahr wird mit der dringend notwendigen Erweiterung der Kita in Mengen begonnen, dann starten auch die Arbeiten für die neue Mensa an der JPG Schule. Parallel dazu laufen weitere Großprojekte, die „Neue Ortsmitte Schallstadt“, der Neubau des Rathauses und das neue Baugebiet Weiermatten. Nach Jahren der Meinungsbildung mit breiter Öffentlichkeitsbeteiligung ist es jetzt der Wunsch, dass obige Projekte auch auf Grund zeitlich vorgegebener Zeitfenster in den kommenden ein bis drei Jahren ihre Umsetzung und Realisierung finden. Schallstadt braucht diese Entwicklung, um nachhaltig für die Zukunft infrastrukturell vor den Toren Freiburgs als attraktiver Standort mit direktem ÖPNV-Anschluss durch Bus und Bahn als Wohn- und Arbeitsplatz wie bisher mit dem Flair des ländlichen Raumes so begehrt zu bleiben. Jetzt ist der Weg frei für die Schaffung von neuem Wohnraum für generationenübergreifendes Wohnen in der „Neuen Ortsmitte Schallstadt“, einer Senioren-Tagespflegeeinrichtung und einem Bürgertreff. Eine attraktive öffentliche Freifläche als Dorfplatz soll die Bedeutung der „Neuen Ortsmitte“ unterstreichen. Es entsteht so ein Wohnquartier für Mehrgenerationenwohnen mit vielen Freiräumen. Die gesellschaftspolitische Herausforderung der Flüchtlingsunterbringung darf und wird kein Hindernis für die Umsetzung obiger baulicher Herkulesaufgaben sein. Es ist unser aller Anliegen und Ziel, dies in Einklang zu bringen mit der Landes-, Bundes- sowie der globalen Politik schlechthin.“

 

Michael Benitz, Staufen:

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„Im zehnten Jahr der Hebungsrissekatastrophe haben wir die Hoffnung, dass das Schlimmste hinter uns liegt. Bei der letzten Messrunde im Oktober wurde nur noch an zwei Punkten eine Hebungsgeschwindigkeit von 2 mm pro Monat festgestellt Inzwischen haben wir rund zwölf Mio. Euro für Schadensabwehr und Reparaturen ausgegeben. Unsere Stadt hat davon rund 3,8 Mio. Euro selbst getragen, was an anderer Stelle fehlt.
Durch die Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm 2016 ff. des Landes haben wir die Chance, einen Teil des Schladerer- und des Kapuzinerhofareals städtebaulich neu zu ordnen und zu entwickeln. Mit einem städtebaulichen Wettbewerb für das Schladererareal werden wir im 1. Quartal beginnen. Umbau und Sanierung des Spitals machen größere Fortschritte. Durch archäologische Untersuchungen und die nicht eingeplante zusätzliche Fundamentierung von Außenwänden hat sich der Baufortschritt verzögert. Dennoch soll diese derzeit größte Baumaßnahme unserer Stadt 2017 fertiggestellt werden und als Tagespflegeeinrichtung für Seniorinnen und Senioren in Betrieb gehen. Die Gesamtbaukosten werden bei rund 2,4 Mio. Euro liegen.
Die neue Flüchtlings- und Obdachlosenunterkunft in der Heubachstraße ist bezugsfertig. Der Umzug der Bewohner der Container neben dem EDEKA-Markt ist für Januar vorgesehen. Rund 145 Flüchtlinge sind darüber hinaus in zwei Behelfsunterkünften des Landkreises neben dem ALDI-Parkplatz vorläufig untergebracht.
Unsere nächste Einwohnerversammlung findet am 23. März um 19 Uhr im Foyer der Belchenhalle statt.“

 

Volker Kieber, Bad Krozingen:

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„Für mich persönlich und für meine Familie sind Gesundheit und Zufriedenheit das höchste Gut. Nur wenn Körper und Geist im Einklang sind, kann man Ziele, die man sich im privaten und auch im beruflichen Bereich gesetzt hat, erreichen.
Die Stadt Bad Krozingen ist für 2017 bestens aufgestellt. Mit einer Einwohnerzahl von über zwanzigtausend Einwohnern ist sie auf dem Weg zur großen Kreisstadt. Der Haushalt für 2017 ist mit einem Investitionsvolumen von über 14 Mio. Euro Grundlage für den weiteren Ausbau der Infrastruktur. Die Innenstadt rund um das Rathaus wird mit dem Neubau von Gebäuden für Einzelhandel, Gastronomie, Büros und Wohnen sowie der Anlage neuer Plätze noch attraktiver und lebenswerter. Mit der Entscheidung, zwei neue Kitas und eine neue Schulturnhalle bei der Johann- Heinrich von Landeck-Schule zu bauen, wird die Bildungsinfrastruktur ausgebaut. Ergänzt wird dies durch den Neubau eines beruflichen Gymnasiums, der durch den Beschluss des Kreistags in greifbare Nähe gerückt ist. Die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur steht 2017 ebenso auf der Agenda wie die Fassadensanierung der Realschule und die energetische Sanierung des Josefs-Hauses. Auch die Erschließung des Neubaugebietes „Kurgarten II“ sowie die Erschließung des neuen Gewerbegebietes „Krozinger Weg“ soll 2017 fertiggestellt werden.
Besonders stolz bin ich darauf, dass die Stadtverwaltung gemeinsam mit vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern die Aufnahme von 411 Flüchtlingen in der Stadt ohne größere Probleme gemeistert hat. Betroffen machen mich die verheerenden Attentate in Europa und zuletzt auf dem Berliner Weihnachtsmarkt. Die Attentate zeigen, dass der Terror in Deutschland angekommen ist, obwohl die Sicherheitsbehörden durch hervorragende Arbeit bereits mehrere Anschläge verhindern konnten. Die Verbrechen Einzelner, die in letzter Zeit auch in unserer Raumschaft begangen wurden, sind schrecklich. Dennoch sollten Sie nicht zu einer grundsätzlichen Vorverurteilung von Menschen führen, die aus humanitären Gründen bei uns Schutz suchen. Bei all den Herausforderungen vor denen wir stehen, können wir stolz auf unsere freiheitliche Gesellschaft sein und positiv in die Zukunft blicken.“

 

Dr. Christoph Hoffmann, Bad Bellingen:

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„In Bad Bellingen wird 2017 die Grundversorgung ausgebaut, die Eröffnung eines neuen Drogeriemarktes steht an. Zwei Baugebiete werden erschlossen und bieten eine neue Heimat für junge Familien. Wichtig war uns dabei, dass auch günstiger Wohnraum in Mietswohnungen entstehen wird.
Der weitere Zugang von Flüchtlingen wird alle Kommunen wegen Integration und Bedarf an Wohnraum fordern. Unsere Schule wird erweitert, bei den Kindergärten gibt es Bedarf nach weiteren Gruppen, hier fehlt uns leider auf absehbare Zeit das Personal. Die Politik hat den Rechtsanspruch für Betreuungsplätze eingeführt, aber nicht für Fachkräfte gesorgt.
Für unser Thermalbad wird die Quelle 5 gebohrt und damit die Wasser- und Energieversorgung auf Jahrzehnte gesichert. Ein anderes Wasser läuft mir schon im Munde zusammen, wenn ich an das Black Forest Smoke and Wine Festival (Grillfestival) am 22- 23. Juli im Kurpark denke. Die schönen Veranstaltungen der Vereine und unser Lichterfest Ende Juli stärken die Dorfgemeinschaft und die Verbindung zur Region und den Französischen und Schweizer Nachbarn.
Die Sicherheit für unsere Bürger im ganzen Land bleibt schwierig, die illegale Einwanderung bereitet Probleme. Ich werde mich weiter dafür einsetzen, dass sich das ändert. Global werden wir nicht weniger Probleme haben, die Entwicklung des Euros, Globalisierung und die Rechtspopulisten könnten uns 2017 massiv Sorge bereiten.
2017 wird für mich persönlich ein spannendes Jahr. Gelingt es die Bürger für eine Koalition der Vernunft zu mobilisieren, so dass ich für die FDP in den Bundestag einziehen kann? Ich bleibe Optimist. Wir haben ein tolles Land mit tollen Leuten und wenn wir uns zusammentun werden wir gemeinsam die Aufgaben meistern.“

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