Markgräfler Bürgerblatt

Warum im Markgräfler Land die Fastnacht etwas anders ist

Traditionell hintendran: die „Buurefasnet“ in Sulzburg gehört zu den Topereignissen im Narrenkalender. Bild: privat

Hintendra‘ wie die alt’ Fasnet!

Müllheim. An Aschermittwoch ist alles vorbei. Oder auch nicht: Wenn überall im Land der Aschermittwoch ausgerufen ist und sich die Narren von den Strapazen seit dem Schmutzige Dunschdig erholen, geht in einigen Gemeinden des südlichen Markgräfler Landes die Fastnacht erst richtig los. In Sulzburg, Hauingen oder Weil hält man „Buurefasnet“, während sich zum Beginn der Fastenzeit die Gläubigen in den Kirchen das Aschenkreuz auf die Stirn zeichnen lassen
Diese „Alte Fastnacht” sechs Tage nach dem offiziellen Termin hat ebenso mit der Fastenzeit zu tun, den der Begriff „Fast-Nacht” anspricht: Vorabend der Fastenzeit. Selbst das bei den alemannischen Narren eher verpönte Wort „Karneval“ bezieht sich darauf: das lateinische „carne levare” = „Aufheben des Fleisches“ wurde im Volksmund zu „carne vale” = „Fleisch – leb wohl!”
Exakt 40 Tage vor Ostern, am Dienstag nach dem Sonntag „Invocavit” – benannt nach dem ersten Wort der sonntäglichen Lesung – begann früher die Fastenzeit, in der Fett, Eier, Alkohol und Fleisch ebenso wie „Fleischeslust” streng verboten waren. Wer sich nicht daran hielt, beging schwere Sünde. Die Kirchenoberen erkannten wohl, dass kein normaler Mensch 40 Tage Fasten am Stück aushält. Nach einem Konzil im 11. Jahrhundert wurde deshalb eine Lockerung verfügt: die Sonntage wurden aus der Fastenzeit herausgenommen. Damit fiel die Fastnacht auf den Dienstag vor Invocavit und die Fastenzeit begann nun am darauf folgenden Mittwoch, der erst dadurch zum „Aschermittwoch” wurde.
Nicht überall setzte sich der neue Termin für die Fastnachtsfeier durch, mancherorts – vor allem auf dem Land – hielt man an der alten Fastnacht fest, die dort zur „Buurefasnet” wurde, im Unterschied zur neuen „Herrenfastnacht” oder „Pfaffenfastnacht” in den Städten. In der südlichen Markgrafschaft, die mit ihrem Landesherren, den Markgrafen von Baden-Durlach evangelisch wurde, kam noch ein weiterer Aspekt hinzu: während nach der Reformation in evangelischen Gebieten die Fastnacht weitgehend abgeschafft wurde, blieben manche Orte bei der Fastnacht, aber auf dem alten Termin, um sich bewusst von den katholischen Regionen abzugrenzen. Auch die Stadt Basel feiert ihre „Drey scheenste Däg“ eine Woche nach den Katholiken in Luzern oder Einsiedeln. (Peter Kalchthaler)

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