Markgräfler Bürgerblatt

Wahlen im Nachbarland

Gemütlich, romantisch, rechts? Das Elsass – hier das „Zwiebelfest“ auf der Place de la Réunion in Mulhouse - erlebte bei den jüngsten Wahlen einen Ruck nach rechts. Foto: Tourismus Elsass

Das Elsass rückt noch weiter nach rechts

Mulhouse. Bei den französischen Départements-Wahlen* ist die sozialistische Regierung schwer abgestraft worden. Im Elsass, obwohl die Koalition der Konservativen sich wie erwartet durchsetzte, hat die marineblaue Front National (FN) von Marine Le Pen Punkte gesammelt. Und die Sozialisten konnten nur in Strasbourg und in Wittenheim Widerstand leisten.
Traditionell ist das Elsass immer dem rechten Lager zugeneigt gewesen. Bei diesen Lokalwahlen gab es jedoch zwei Unbekannte: Was passiert mit den Rechtsextremen der Front National? Und inwieweit punktet die regionale Liste „Unser Land“, die so unerbittlich gegen die Gebietsreform und die Verheiratung des Elsass mit der Champagne und Lothringen kämpft?
Bereits am Abend des ersten Wahltages am 22. März war die zweite Frage beantwortet: Kein Regionalist hatte es in die zweite Wahlrunde geschafft. Ein bitterer Schlag für die Verfechter der elsässischen Region, dennoch auch eine Aussage über das reelle Gewicht ihrer Vision. Das Hauptaugenmerk war dafür umso mehr auf die andere Frage gerichtet: Wie schneidet die Partei von Marine Le Pen ab?
In den meisten Wahlbezirken schieden die Sozialisten bereits nach der ersten Runde aus, somit fiel die übliche Rechts-Links-Auseinandersetzung im zweiten Wahlgang aus. Vielmehr: In 34 der 40 elsässischen Kantone wurde der zweite Wahlgang zu einer Konfrontation zwischen Sarkozys UMP und der Front National. Obwohl die FN aufgrund der Sonderbarkeit des Mehrheitswahlsystems letztendlich keinen Sitz bekommen hat, zeigen die Ergebnisse, dass das Elsass noch ein Stück weiter nach rechts gerückt ist: Mancherorts bekam die rechtsextreme Partei, deren Kampagne mit zahlreichen rassistischen und homophoben „Entgleisungen“ gespickt war, über 40 Prozent der Stimmen. Ein furchterregendes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass die nächsten Regionalwahlen (Proporzwahl) im Dezember anstehen. Welche Rückschlüsse sind aus den Wahlen zu ziehen? Lokale Wahlen hin oder her, die Bürger bestrafen die Politik in Paris, auch im Elsass. Aber hier ist es kein klassischer Kampf mehr zwischen rechts und links, sondern ein Rennen zwischen rechts und noch rechter. (Florence Baader)

* Das Elsass besteht aus den beiden Départements Haut-Rhin und Bas-Rhin, unterteilt in Wahlbezirke (Kantone). Gewählt wurden Département-Räte, die für zahlreiche Verwaltungsbelange zuständig sind, vom Haushalt bis hin zu den öffentlichen Diensten.

 

Der Ruck nach rechts in Zahlen

Nordelsass:

UMP (Sarkozy):                         48,1 Prozent
Grüne/Sozialisten (Hollande):   38,0 Prozent
Front Nationale (Le Pen):         12,6 Prozent

Südelsass:

UMP (Sarkozy):                          43,2 Prozent
Grüne/Sozialisten (Hollande):    39,0 Prozent
Front Nationale (Le Pen):           17,4 Prozent

Festzustellen ist ein klares Gefälle zwischen Stadt und Land, das sich am Beispiel von Straßburg verdeutlichen lässt: Die Linksparteien erreichten dort gut 54 Prozent der Stimmen, wohingegen allein in Ferrette (Sundgau) die Partei des Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy (UMP) ein Ergebnis von rund 80 Prozent erzielte.

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