Markgräfler Bürgerblatt

Wärme aus Schallstadts Untergrund

Absprache vor der Messung: Projektleiter Jörg Bleile (2. v. l.) bespricht mit Theo Wurster (3. v. l.) vom Abwasserzweckverband Breisgauer Bucht und den Technikern der Firma Nivus das Vorgehen. Foto: Energiedienst/Juri Junkov

Baugebiet Weiermatten

Abwärts für die Durchlaufmessung: die Messvorrichtung wird im Kanal angebracht. Foto: Energiedienst/Juri Junkov

Schallstadt. Immer mehr Städte sind „heiß“ auf eine Wärmequelle, die bisher ungenutzt im Untergrund fließt: Abwasser. Was täglich in großen Mengen durch die Kanäle rauscht, könnte die umweltfreundliche Wärmequelle der Zukunft werden. Im Auftrag von Energiedienst untersuchten Fachleute der Firma Nivus aus Eppingen kürzlich, wie hoch die Energiemenge im Abwasser-Kanal ist, die dem Neubaugebiet Weiermatten ab 2019 einheizen wird.

Nudeln gekocht und nahezu 100 Grad heißes Wasser in den Abfluss gekippt. Geduscht und dabei knapp 80 Liter Wasser in die Kanalisation geschickt – satte 40 Grad warm. Was sonst noch durch Abfluss und WC fließt, mischt sich im Kanal zu einer lauwarmen Wärmequelle, die ganzjährig zwischen zwölf und 17 Grad zur Verfügung steht und dank moderner Technik ganze Wohngebiete heizen kann. Projektleiter Jörg Bleile von Energiedienst erklärt: „Abwasser steht ständig zur Verfügung und ist eine regenerative Wärmequelle. Mit der heutigen Wärmepumpentechnik lässt sich Wärme effizient und wirtschaftlich nutzen.“ Der Abwasserzweckverband Breisgauer Bucht hat dieses Potenzial in Schallstadt erstmals in einer flächendeckend beauftragten Studie erhoben. Der Gemeinderat Schallstadt beschloss im Sommer 2017, dieses Potenzial als Wärmeversorgung für das Baugebiet Weiermatten zu nutzen. Mit der Messung überprüft Energiedienst, wie viele weitere Gebäude zusätzlich zum Rathausneubau, der Riegelbebauung Sonnengrün und der neuen Ortsmitte angeschlossen werden können.

Für die Messungen ging es in den Untergrund: Sie hoben kürzlich an der Waldseemüllerstraße nahe des Betzenbächles einen Kanaldeckel, danach ging es mit einer portablen Durchflussmessstelle abwärts. In den nächsten drei Monaten werden die Daten Wasserstand, Fließgeschwindigkeit und Durchfluss erfasst. Der Energiedienst-Experte für Wärme ist optimistisch: „Sollten die Ergebnisse so sein wie vermutet, könnten wir Mitte 2018 mit dem Bau des Nahwärmenetzes beginnen. 2019 soll bereits das neue Rathaus und der Riegel ‚Sonnengrün‘ mit der Abwärme beliefert werden und die Gemeinde Schallstadt so einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele beitragen“.

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