Markgräfler Bürgerblatt

Villa rustica bei Bötzingen gefunden

Grabungen im Regierungsbezirk Freiburg

Freiburg. Zwischen März und Juli 2017 führte die Firma Archbau GmbH in Bötzingen am Kaiserstuhl (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) eine bauvorgreifende Ausgrabung durch. Es handelte sich um die erste größere Ausgrabung einer Grabungsfirma im Regierungsbezirk Freiburg. Auf dem annähernd 15.000 m² großen Areal traten neben den Spuren einer spätbronzezeitlichen Siedlung (etwa 14.-9. Jh. v. Chr.) vor allem Zeugnisse der römischen Zeit zutage (1.-3. Jh. n. Chr.).

Bei der römischen Siedlung handelte es sich um einen Gutshof, eine sog. villa rustica. Bei der Ausgrabung konnte erstmals eine solche römische ländliche Siedlung am südlichen Oberrhein flächig untersucht werden. Neben mehreren Gebäuden, die sowohl in Steinsockel- als auch in Holzbauweise errichtet waren, wurden drei Brunnen und Teile eines Umfassungsgrabens des Gutshofes nachgewiesen. Dieser wurde mit Blick auf das keramische Inventar Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. gegründet und diente – zusammen mit anderen Gutshöfen – der Versorgung der Soldaten am Limes bzw. der zivilen Bewohner städtischer Zentren.

Das Ende der Siedlung wird durch eine Befundsituation schlaglichtartig beleuchtet: im oberen Bereich eines wiederverfüllten Brunnenschachtes wurde ein kleiner Eisenhortfund deponiert, der aus vier kleineren und einer großen Viehglocke sowie einer Feldhacke bestand. Sowohl das Verstecken dieses „Angsthortes“, als auch die ausbleibende Hebung durch den Besitzer lässt an unruhige Zeiten, möglicherweise während der Germaneneinfälle bzw. durch die Räumung der schutzlos gewordenen Plätze des rechtsrheinischen Raumes, denken.

Mit marginalen Spuren einer Nachnutzung der Siedlung im 3./4. Jahrhundert n. Chr. endet die Geschichte der Fundstelle, die in der Folge nicht erneut besiedelt wurde.

 

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