Breisach Aktuell

Umweltsünde am idyllischen Rheinufer

Mehr als 1000 Passagierschiffe legen jährlich in Breisach rund um die Uhr an und lassen ihre Dieselaggregate laufen. Foto: Homann

Passagierschiffe lassen rund um die Uhr Dieselaggregate laufen

Breisach. Während alle Welt vom Klimaschutz redet, wird die Stadt Breisach ständig mit Abgasemissionen konfrontiert, die nicht sein müssten. Der Grund: die mehr als 1.000 großen Passagierschiffe, die direkt an der Rheinuferstraße oft Tag und Nacht in Dreierreihen liegen. Sie produzieren mit Dieselaggregaten den Strom selbst, den sie zur Eigenversorgung ihrer Infrastruktur und der Passagiere benötigen. Entsprechend hoch sind die Abgasemissionen. Am Ufer angelegt haben demnach leistungsstarke Diesel-Kraftwerke. Dabei könnte über den Anschluss an Landstrom dem Spuk ein Ende bereitet werden.
„Wir sind auf unseren Schiffen für Landstrom ausgerüstet, wenn die Stadt die Elektrizität liefert. Alle Kabel sind an Bord“, sagt Wim Derksen, Kapitän der Kara Viking, ein Schiff mit knapp 80 Kabinen für etwa 150 Passagiere. „In Basel und in anderen Häfen haben wir Landstrom, in Breisach eben nicht“, fügt er hinzu. Diese Umweltsünde hat viele Gründe. „Für die Stromversorgung der Schiffe brauchen Sie mindestens zwei Trafostationen“, erläutert Karl-Peter Hahnel, Leiter des Außenbüros Breisach des Wasser- und Wirtschaftsamtes Freiburg. Eine Investition, die unter einer Million Euro nicht zu realisieren sei.
Am gesamten Breisacher Rheinufer gibt es drei sogenannte Steiger für die überörtliche Rheinschiffahrt. Zwei an der Rheinuferstraße, auf vom Bund langfristig günstig verpachtetem Gelände. Die Anleger gehören jeweils den Großreedereien Croisi Europe und Viking. Die wiederum vermieten Liegezeiten an andere Anbieter. „Ein gutes Geschäft“, meint Karl-Peter Hahnel.
Der dritte Anleger ist im Breisacher gewerblichen Hafen eingerichtet. Er wird laut Geschäftsführer Martin Kuttler von der zu mehr als 30 Prozent der Stadt Breisach gehörenden örtlichen Rheinhafen GmbH betrieben. Kuttler bestätigt die gleiche Problematik: kein Landstrom.
Breisachs Bürgermeister Oliver Rein arbeitet an einer Lösung. Mit den Reedereien hat er über Kostenübernahme für die Millionen-Investition zur Landstrom-Versorgung verhandelt, Croisi Europe zeigt sich laut Rein „unheimlich zäh“ und bockt, Viking habe schon zugesagt. Dem Bürgermeister schwebt vor, die beiden Steiger von der Rheinuferstraße in den gewerblichen Hafen umzuquartieren, wo die Ölverladung wegfällt. Dort soll es dann auch Landstrom geben.
Die Verlegung bietet viele Vorteile. Unter anderem Platz für die geplante Rad-und Fußgängerbrücke zur gegenüberliegenden französischen Rheininsel und eine Entlastung der Uferpromenade von den vielen Bussen, die Passagiere zu und von den Schiffen transportieren. Schließlich wäre der Verzicht auf die Anlegestellen auch eine Befreiung für die Planung der zukünftigen Gestaltung des Rheinufers. Und mit neuen Steigern in Höhe des Weinfestgeländes im Hafengebiet könnte die Rheinhafen Breisach GmbH an der boomenden Flussschiffahrt mitverdienen.
„Landstrom muss sein“. Daran lässt Oliver Rein keinen Zweifel aufkommen. Offen bleibt die Frage, wo dafür investiert wird: Im Hafen, was der Bürgermeister bevorzugt, oder an der Rheinufer-Promenade? (uh)

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