Breisach Aktuell

„Übermorgenmacher“ Norbert Scheiwe im Ruhestand

Abschied vom Christopherus-Jugendwerk, Oberrimsingen mit Eucharistiefeier und Festakt

Norbert Scheiwe, der langjährige Rektor und Gesamtleiter des Christopherus-Jugendwerks Breisach-Oberrimsingen wurde in den Ruhestand verabschiedet.
Einer großen Danksagung mit  Eucharistiefeier in der Kirche St. Stephan folgte ein Festakt in der Festhalle in Oberrimsingen. Begleitet wurde der Abschied von Norbert Scheiwe von vielen Weggefährten aus seinem Leben, das er stets der pädagogischen Herausforderung von benachteiligten Jugendlichen widmete. Der „Übermorgenmacher“, so wird er in höchsten Ebenen des Landes Baden-Württemberg auch genannt, hat sich beruflich und in vielfachem ehrenamtlichen Engagement hohe Verdienste erworben und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Er ist unter anderem Träger des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 2. Klasse (Bundesverdienstkreuz). Bundespräsident Joachim Gauck adelte das Profil des Jugendwerks im Jahr 2014 beim Besuch mit den Worten „Das ist ein Stück Deutschland, das ich nicht missen möchte“.
Im Jahr 1952 ist Scheiwe in einem kleinen brandenburgischen Dorf geboren und wurde mit neun Jahren zum Flüchtling. Mit seinen Eltern floh er damals in den Westen der Bundesrepublik Deutschland. Das war eine tiefgreifende Erfahrung für ihn und gab ihm einen ganz spezifischen Erfahrungsschatz. Nach Beendigung einer Bankkaufmannlehre kam er 1972 im Kinderheim St. Anton in Riegel zu den Anfängen der Gruppenpädagogik. Im erzbischöflichen Kinderheim lief seine Ausbildung zum Jugend- und Heimerzieher berufsbegleitend nebenher.  Es folgte das Studium der Sozialpädagogik an der Katholischen Fachhochschule Freiburg. 1985 wurde er Fachreferent für Heime der Erziehungshilfe in der Erzdiözese Freiburg. Im August 1988 übernahm er die Leitung des Christopherus-Jugendwerks-Oberrimsingen des Caritas Trägerverbands. Weitere Ausbildungen zum Sozialmanager, im Qualitätsmanagement und im Bereich der Systemik folgten. Sein Jugendwerk weckte er durch Reorganisation, Weiterentwicklung aus dem einstigen Dornröschenschlaf und in eine  gesicherte Zukunft. „Wir bilden Zukunft“ und „für die Zukunft lernen“  wurden zum Leitbild der Heimeinrichtung.
Erlebnis- und handlungsorientierte Konzepte fanden durch Scheiwe mit individuellen, flexiblen pädagogische Hilfen Einzug. Das Profil des Jugendwerks schäfte sich, da das bestehende Netz an Hilfssystemen und  klassischen Wohngruppen längst nicht mehr ausreichte.  Nur die konsequente, individuelle  Ausrichtung der Hilfe mit Zukunftsperspektive in Grundhaltung und in den pädagogischen Beziehungen half da weiter. Vielfältige Impulse folgten, der heimeigene Hochseilgarten, das Projekt Solaröfen für Indien. Auch gemeinsam vernetzt mit anderen Heimeinrichtungen wurde die Integration in die Gesellschaft angegangen. Es folgten unter dem Stichwort ASK (Arbeit, Sprache und Kultur) mit Lern- und Praktikumsaufenthalten im Ausland erweiterte Erfahrungsräume. Die Welt sollte für benachteiligte Jugendliche zugänglich, erfahrbar und brachliegende Ressourcen aktiviert werden, um gleichberechtigte  Bildungschancen zu ermöglichen. Daher stammt auch die Auszeichnung für Scheiwe: Der „Übermorgenmacher“.
Bildung, Schule und Jugendhilfe sind eigentlich traditionell getrennt. Aber unter dem Leitwort „Wir bilden Zukunft“ wurde der Campus Christopherus-Jugendwerk gegründet. In der Konzeption sollte Lust, Leben und Schule trainiert werden. Auch die Flex-Fernschule zur Erlangung des Hauptschulabschlusses wurde maßgeblich unterstützt. Im Jahr 2010 kam „Deutsch als Zweitsprache“ für Flüchtlinge hinzu. Auch wurde die Zukunft ins Auge gefasst mit den Auschwitz Besuchen. Jugendliche wurden nicht nur in den pädagogischen Alltag eingebunden, sondern sie wurden konsequent beteiligt um auch Verantwortung zu übernehmen. Unter dem maßgeblich fachpolitisch engagierten und vernetzen  Scheiwe wurde das Jugendwerk  zum wichtigen Player in zahlreichen Netzwerke der Kinder- und Jugendhilfe. In der Flüchtlingsarbeit wurde das Christopherus-Jugendwerk Oberrimsingen zum Kompetenzzentrum für minderjährige Flüchtlinge. Scheiwe förderte auch maßgebliche Projekte auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela. „Der Weg ist das Ziel“ für den Präsidenten der Badischen Jakobsgesellschaft. Über 5000 Personen hat er bereits mit Jugendlichen Mitarbeitern, Förderern und Freunden auf den Weg gebracht und unter anderem in Foncebadon im Jahr 2015 ein Haus der Begegnung eingerichtet. Wer denkt, dankt, hieß es in der Eucharistiefeier beim herausragenden Ereignis Verabschiedung von Norbert Schweiwe, dessen Verantwortung auf die Schultern seines Stellvertreters Thomas Köck übertragen wurde.

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