Breisach Aktuell

Über eine kalte Nacht zum Star

Die Traubenernte bei minus 11 Grad Celsius und bei Dunkelheit ist nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig. Bild: BA

Eisweinlese Jahrgang 2016 am Kaiserstuhl

Morgens früh in der Dunkelheit bei minus 11 Grad , es ist gerade mal 6 Uhr, rattert der Dieselmotor des Carraro Schleppers von Herbert Engist in Richtung Weinberg in Achkarren und damit startet die Weinlese zum Ende der kalten Nacht der ganz besonderen Art. Denn kurz darauf schnippeln die gut gegen die Kälte geschützten Ernter die gefrorenen und getrockneten Ruländerbeeren ab, die einst als selektierter Grauburgunder heranreiften. Danach folgt nach der Reife im Fass der Startschuss für eines der letzten Abenteuer: Das „Gewusst Wie“ für Weinfreunde auf der Suche nach den erlesensten Weinen. Diese Weine, gemeint sind Eisweine, sind schlechthin ein schmackhaftes Inferno im Glas.
Steckbrief des Eisweins: Schon das Erzeugen der Trauben ist Kunst. Daraus einen guten Wein zu bereiten eine noch viel größere. Beides beherrschen die Winzer der Raumschaft graziös. Jetzt auch noch das Wirken in der anspruchsvollsten Disziplin mit dem Ausreifen der Trauben weit über die Novembernebel hinaus, um dann am Stock getrocknete Trauben bei heftigen Minusgraden entsprechend der mittelalterlichen Weinregel „Ist bis Dreikönig kein Winter, kommt auch keiner mehr dahinter“ zu ernten. Durch den Frost wird die echte, edle und süße Aromatik durch Konzentration der Extrastoffe erlangt. Die Duftstoffe werden durch das Ausfrieren des Wassers konzentriert, wenn die Beeren in der Kälte bei mindestens 7 Grad minus gelesen werden.
Möglich wird dies alles durch eine wahre Explosion des Qualitätsdenkens durch den Winzer. Das Warten auf die guten Weine über den Jahreswechsel hinaus zeugen von Selbstbewusstsein und Aufbruchstimmung. Nur so gelangen Winzer auf den Gipfel der Weinkultur. Das Motto ist vorgegeben: Die Spitze oder gar nichts. Beste Qualität von den Hügeln der feinen Weine am Kaiserstuhl. Denn wenn dort die Burgunder richtig „groß“ sind, schlagen sie alles. Und manchmal ist Weniger Mehr. Insbesondere beim Eiswein. Klasse vor Masse beim Kaiserstühler Gold, den Burgundersorten. Kaiser Karl der Große hat einst im Jahr 795 mit seiner Anordnung „Capitulare de villis velcurtis imperii“ den ersten qualitativen Grundstein für die Weinerzeugung gelegt. So, dass mittelalterliche Weinrufer in Folge der Jahrhunderte Weine als „geschmackvoll, geschmeidig, fest, voll, schwungvoll und die Zunge des Feinschmeckers streichelnd“ anpreisen konnten. Eigentlich schon damals ganz im Sinne der Winzer und damit auch von Herbert Engist, der in naher Zukunft in seinem Weingut in Achkarren einen mit 186 Öchslegraden besonders ausgereiften Ruländer Eisweintropfen präsentieren kann.

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