Markgräfler Bürgerblatt

Streit in der Handwerkskammer

Foto: paw

Die „Causa Burger“ ist weiter offen

Freiburg. Der bis dato schier omnipräsente Hauptgeschäftsführer (HGF) Johannes Burger – 2011 von Paul Baier, Vorgänger des jetzigen Kammer-Präsidenten Johannes Ullrich, als „Außenminister“ installiert – sollte entmachtet werden.
Am 7. August gab die Kammer bekannt, dass Burger nicht länger HGF sei. Man habe in einer „außerordentlichen Vorstandssitzung“ die „Geschäftsleistungsressorts neu geordnet“. Mit Wolfram Seitz-Schüle, bisher Leiter der Zukunftswerkstatt, rückte ein neues Mitglied nach ganz oben auf der Rangliste.
Präsident Ullrich erklärte, Burger – unlängst mit der Goldenen Ehrennadel des Handwerks ausgezeichnet – habe „keinerlei emotionale Bindung“ zur Kammer gezeigt und durchblicken lassen, dass er das sogenannte „Freiburger Modell“ für unpraktikabel halte. Dieses Modell, ein Freiburger Alleingang, kenne nur gleichberechtigte Geschäftsführer und sei ein zutiefst demokratisches Konstrukt.
Was Johannes Ullrich genau gegen Burger hat, ist unklar. Durchblicken lässt man, dass eine unterschriftsreife Trennungsvereinbarung von Burger abgelehnt worden sei. Der habe angeblich weitergehende finanzielle Forderungen gehabt und seinen Gegenvorschlag als „unverhandelbar“ bezeichnet. Das bestreiten Burger und sein Anwalt vehement. Die Einigung sei an einem Passus gescheitert, der Knebelcharakter gehabt habe.
Problematisch ist, dass Paul Baier einst die Zustimmung der gesamten Vollversammlung eingeholt hatte als er Burger zum HGF machte. Diesen Beschluss des obersten, ihm übergeordneten Gremiums, kann der Vorstand kaum im Alleingang kippen. Denn nach Paragraph 106 Handwerksordnung – einem Bundesgesetz – obliegt der Vollversammlung „die Wahl des Geschäftsführers, bei mehreren Geschäftsführern die des Hauptgeschäftsführers und der Geschäftsführer“.
Inzwischen hat die Kammer Burger auch noch eine Abmahnung zugestellt. Es heißt, ein Antrag – getragen von 25 Prozent der Vollversammlungsmitglieder – fordere eine außerordentliche Vollversammlung mit dem Ziel der Ablösung der gesamten Verwaltung. Während Ullrich & Co. zunächst betonten, man sei völlig im Recht, sollen nun Präsidium und Geschäftsführung ebenso daran arbeiten, eine Vollversammlung einzuberufen. Die Zeit drängt: es droht eine Feststellungsklage Burgers, es steht der Handwerkstag an und fände die außerordentlich Vollversammlung nicht bis 2. Oktober statt, dann wollen sich die „Rebellen“ ans Landeswirtschaftsministerium als oberstes Kontrollorgan wenden. Es bleibt also spannend!

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