Markgräfler Bürgerblatt

Steigende Asylbewerberzahlen

Foto: paw

Auf der Flucht – aber wohin?

Bad Krozingen. Spätestens 25 Jahre nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes wird klar, dass die Welt nicht sicherer geworden ist: selten gab es so viele Menschen, die vor Hunger, Krieg, Gräuel und Fanatismus fliehen. Zu uns. Und die Kommunen, die letzten in der Aufnahmekette, wissen kaum noch, wie sie der daraus resultierenden Probleme Herr werden sollen.
So wurden jüngst 60 Unterkünfte zur Erstaufnahme von Asylbewerbern in einer Müllheimer Turnhalle eingerichtet: im Oktober erreichten 98 Neuankömmlinge den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald – gegenüber 82 im Gesamtjahr 2010. Bis Ende September hat der Kreis über 400 Asylbewerber aufgenommen. Acht Gemeinschaftsunterkünfte mit insgesamt 381 Plätzen gibt es, Müllheim und Bad Krozingen wollen weitere Unterkünfte errichten, Kostenpunkt rund zwei Mio. Euro in Bad Krozingen und eine Mio. Euro in Müllheim.
Doch mit diesen Kosten ist es nicht getan, sagt Volker Kieber, Bürgermeister des Kurortes. Zwar haben sich gut 50 ehrenamtliche Helfer gefunden, die bei der Integration der Flüchtlinge helfen wollen, dennoch braucht es darüber hinaus Fachpersonal, die für Deutschunterricht oder psychologische und medizinische Betreuung bereit stehen. Kosten, die nicht mit den pauschal 12.566 Euro gedeckt werden können, die jede Kommune pro Kopf für die 18 Monate Asylbewerbungsverfahren vom Kreis erhält. 30 Mio. Euro Hilfe hat Stuttgart angekündigt – eine schöne Summe. Doch der Landkreistag erwartet allein für 2014 Mehrkosten von knapp 50 Mio. Euro, ja, manche erwarten sogar eine Summe von 80 Mio. Euro.
Und dann die Vorschriften: In Müllheim muss ein Gästehaus umgebaut werden – Grund: als Hotel genehmigungsfähig, aber, aus Brandschutzgründen, nicht als Gemeinschaftsunterkunft. In Gewerbegebieten dürfen keine Asylbewerber untergebracht werden – was auch die Stellmöglichkeiten für Container stark einschränkt. Und ernsthaft glaubt kein Bürgermeister der Regio, dass die Asylbewerberplätze ausreichen werden.
Nach spätestens 18 Monaten erfolgt – so das Asyl anerkannt wurde – die „Anschlussunterbringung“, also raus aus der Gemeinschaftsunterkunft, im Idealfall in eigene Wohnungen, die die Kommune zur Verfügung stellen muss. Das Angebot reicht längst nicht aus. Das immer mehr Menschen untergebracht werden müssen läge, so hört man, auch daran, dass abgewiesene Bewerber geduldet werden, mithin ein Dach über dem Kopf brauchen. Und das in einer Gegend, die ohne hin unter einem Mangel an erschwinglichem Wohnraum leidet…(MBB)

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