Markgräfler Bürgerblatt

Staufener Missbrauchsserie – Schwerstarbeit für die Justiz

Freiburg. In manchen Momenten spürt man, wie sehr diese Arbeit die Verfahrensbeteiligten belastet: Wenn zum Beispiel hinter verschlossenen Türen die Videobeweise angeschaut werden, auf denen zu sehen ist, wie die erwachsenen Angeklagten den neunjährigen Jungen aus Staufen/Breisgau-Hochschwarzwald vergewaltigen. Wenn die Öffentlichkeit anschließend wieder in den Verhandlungssaal eingelassen wird, kann man das Entsetzen auf den Gesichtern der Justizbeamten sehen. Sie müssen, selbst wenn sie die Beweismittel nicht anschauen, unfreiwillige Ohrenzeugen der abscheulichen Verbrechen werden, da sie ja auch in den nichtöffentlichen Verhandlungsteilen im Gerichtssaal aufpassen müssen, dass der Angeklagte nicht zu türmen versucht.

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Feige versteckt hinterm Karton: Berufssoldat Knut S., der zweite Verurteilte… Foto: Salzer-Deckert

Christian L. , der Hauptangeklagte, auf dem Weg ins Gericht zu einer seiner Zeugenaussagen. Foto: Salzer-DeckertDas Entsetzen über die zahllosen Missbrauchsdelikte, die der neunjährige Junge teils mit Beteiligung, immer aber mit dem Wissen seiner 48 Jahre alten Mutter über sich hat ergehen lassen müssen, ist aber auch unüberhörbar, wenn Staatsanwältin Nikola Novak ihre Anklageschriften mit den detaillierten Schilderungen der Taten verliest und ihr dabei immer wieder fast die Stimme wegbleibt.

Dritter Täter steht nun vor Gericht

Am 6. Juni begann der Prozess gegen den dritten Angeklagten im Staufener Missbrauchsfall. Der 37 Jahre alte Schweizer sitzt seit Dezember 2017 in U-Haft. Er soll den Jungen zwischen Ende 2016 und dem Frühjahr 2017 dreimal vergewaltigt haben. Außerdem wird ihm der Besitz und die Verbreitung von Kinderpornos vorgeworfen. Wie schon in den ersten beiden Fällen, die bereits verhandelt wurden, ist die Beweislast gegen den Mann erdrückend, da es Videoaufzeichnungen seiner Taten gibt. Und wie den ersten beiden Angeklagten Markus K. (41), der als Mehrfachtäter zu zehn Jahren Haft und Sicherheitsverwahrung verurteilt wurde, und Knut S. (50), der als Ersttäter mit einer achtjährigen Haftstrafe davongekommen ist, erwartet wohl auch den dritten Angeklagten eine lange Zeit im Gefängnis.

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Fünf Tage nach dem Prozess gegen den Schweizer wird am kommenden Montag auch das Verfahren gegen die Mutter des Jungen und ihren 39 Jahre alten Lebensgefährten beginnen: Der einschlägig vorbestrafte Mann hat bereits als Zeuge in den ersten beiden Prozessen ausgesagt und bestätigt, dass er die Zwangsprostitution des Kindes im Internet federführend organisiert hat. (MBB)

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