Breisach Aktuell

Stadtpatrone nach wie vor „In“

Stadtfest in Breisach mit dem Thema Barmherzigkeit

Das Stadtfest zu Ehren der Stadtpatrone Gervasius und Protasius in Breisach geht in uralten Traditionen auf. Im Jahr 1162 raubte und verbrachte der Kölner Erzbischof und kaiserliche Reichskanzler Rainald von Dassel mit Wissen von Kaiser Friedrich Barbarossa deren Gebeine neben weiteren Heiligengebeinen, darunter die Gebeine der Heiligen drei Könige, nach Breisach. Nach dem Weg über die Alpen und Rast in Breisach überließ Dassel vor der Weiterfahrt nach Köln die Gebeine von Gervasius und Protasius jedoch den Breisachern. Die einstigen Schutzheiligen der Mailänder Kirche waren am 19. Juni 386 in der Basilika Ambrosiana bestattet und geweiht worden. Unter Kaiser Nero hatten die römischen Jünglinge zuvor ihr Martyrium in Mailand erlitten.
Noch lange Zeit gab es nach der Ankuft in Breisach kein großes Aufsehen um die Brüder. Zum Wohle der Stadt Breisach wurden die Gebeine für die Bürgerschaft ab dem Jahr 1500 aber immer interessanter und mehr und mehr verehrt. Eine Intensivierung des Heiligenkults war die Folge. Materieller Ausdruck dafür ist der Silberschrein, in dem die Gebeine bis heute im Münster St. Stephan aufbewahrt werden. Damals wurde der Schrein wöchentlich bei Prozessionen zur Schau gestellt und Breisach wurde zum Wallfahrtsziel für Pilger. Die Stadtpatrone bildeten das Selbstbewusstsein der Stadt Breisach immer weiter aus. Auch die Selbstdarstellung mit ökonomischer Ausrichtung war Folge dieser Schaustellung. Ab dem Jahr 1521 gab es dann durch kaiserlichen Erlass ein Privilleg mit Jahrmärkten am Tag nach der Prozession.
Allgemein endete um das Jahr 1500 die Agrarkrise nach der Kleinen Eiszeit, Humanismus und Renaissance brachten Aufschwung in die Naturwissenschaften. Aufbruchstimmung und Veränderungen allenthalben. In religiöser Hinsicht lehnte Johannes Calvin in dieser Zeit den Katholizismus radikal ab und begründet damit den Calvinismus. Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther seine Thesen und leitete die Reformation ein. Zwei christliche Kirchen entstanden. Das rein konfessionalistische Zeitalter ist jedoch zwischenzeitlich weitgehend vorbei, die Ökumene sucht das Gemeinsame um den gemeinsamen Ursprung mit Jesu Christi. Auch in Breisach ist diese Gemeinsamkeit nicht nur beim Stadtfest zu spüren, in Ökumene feiert die Europastadt Breisach dieses christlich geprägte Stadtfest. Welch ein fundamentaler Wandel. Denn dort wo im Jahr 1612, das ist belegt durch ein Stadtratsprotokoll, noch eine lutherische Leiche auf dem Friedhof vor dem Münster wiederausgegraben werden musste weil damals nur Katholiken dort beerdigt werden durften, predigte im Jahr 2016 Pastorin Dorothea Drape-Müller beim Festgottesdienst und das war bei weitem nicht ihre erste Ansprache im Münster. Nach der Predigt folgte die gemeinsame Festprozession.
Auch heute noch werden die Stadtpatrone bei dem Stadtfest zu Ehren der beiden Stadtpatrone in ihrem kunstvoll verzierten Silberschrein durch die Straßen von Breisach getragen. Dieses Jahr stand das Fest unter dem Thema „Barmherzigkeit“. Dementsprechend war auch die Festpredigt von Pastorin Drape-Müller im Münster St. Stephan ausgelegt und auch der kunstvolle Blumenteppich auf dem Marktplatz entsprechend gestaltet. Zahlreiche Bürger nahmen auch in diesem Jahr wieder aktiv und als Gäste an diesem Stadtfest teil, das festliche musikalische Umrahmung durch Choralgesang und Blasmusik erfuhr.

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