Markgräfler Bürgerblatt

Schwarzarbeit am Bau: Beileibe kein Kavaliersdelikt!

„Raus aus den Arbeitsschuhen und weg, der Zoll kommt!“ Schwarzarbeit ist momentan am Bau ein gewichtiges Thema. Foto: pixabay

Müllheim. Bauen ist teuer – dass wissen nicht nur Bauherren, sondern auch die, die eine neue Wohnung oder Haus mieten wollen: die Quadratmeterpreise sind hoch, nicht zuletzt den Vorschriften rund um den Neubau geschuldet. Verständlich, dass am Bau gerne getrickst wird um durch Schwarzarbeit Kosten zu senken, konkurrenzfähiger zu sein.

 
Schwarzarbeit ist ein vielfältiger Begriff: „Schwarzarbeit leistet, wer auf Grund einer Dienst- oder Werkleistung     als Arbeitgeber seine sozialversicherungsrechtlichen Melde-, Beitrags- oder Aufzeichnungspflichten nicht erfüllt“, erläutert Martin Düpper, Leiter Kommunikation der Handwerkskammer Freiburg. Doch Schwarzarbeit ist auch, wenn man eine erforderliche gewerberechtliche Anmeldung unterlässt oder ein zulassungspflichtiges Handwerk als stehendes Gewerbe ohne Eintragung in die Handwerksrolle betreibt.“ Schwarzarbeit ist also mehr, als mal mit dem Neffen und dem Nachbarn die Wohnung zu streichen oder den Garten anzulegen.
Verfolgt wird Schwarzarbeit vom Zoll, der unangekündigt kontrolliert. Das ist wichtig, weil gerade am Bau viele Betriebe momentan der Nachfrage kaum nachkommen, so dass von einer Zunahme der Schwarzarbeit in Form von illegaler Beschäftigung auszugehen ist. Schwarze Schafe gibt es dabei überall dort, wo Knappheit an Arbeitskräften herrscht oder wo der Kunde Steuern bzw. Kosten sparen kann. Der Bau ist eine der Branchen, die dabei am meisten im Fokus liegt. 2013 beispielsweise sind hier in den ersten beiden Quartalen im Bereich des Hauptzollamtes Lörrach 1.369 Ermittlungsverfahren eingeleitet worden und Bußgelder in Höhe von 210.000 Euro verhängt worden. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit in Lörrach bezifferte die im gleichen Zeitraum aufgedeckte Schadenssumme aus Strafverfahren mit rund 3,3 Mio. Euro.

 
Noch boomt es am Bau. Aber klar ist auch: Schwarzarbeit gefährdet Betriebe. Düpper: „Wer sich Wettbewerbsvorteile verschafft, egal ob er zum Beispiel illegal beschäftigt oder Scheinselbstständige einsetzt, setzt damit die rechtschaffenen Betriebe unter Druck. Das kann bis zur Geschäftsaufgabe führen. Das betrifft im Handwerk sehr stark den Bereich der zulassungsfreien Gewerke, die mit der Novellierung der Handwerksordnung von 2004 von der Meisterpflicht befreit wurden!“
Die Handwerkskammer hätte gerne mehr Kontrollen, effizientere Kontrollmechanismen. Aber: „Wir wissen von den fehlenden Personalkapazitäten bei den zuständigen Behörden. Gerade deswegen suchen wir auch das Gespräch, um Lösungen zu finden. Wir sensibilisieren unsere Betriebe für das Thema und wir wirken Richtung Politik“, sagt Martin Düpper.

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