Markgräfler Bürgerblatt

Risiko bei Brustvergrößerungen

Dr. med. Martin Raghunath. Foto: privat

Kapselfibrose

Viele Frauen träumen von einer wohlgeformten und symmetrischen Brust. Aus diesem Grund stehen ästhetische Eingriffe hoch im Kurs. So ermittelte die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie, dass Brustvergrößerungen bei Frauen noch immer als der beliebteste Eingriff gelten und weltweit zu den am häufigsten durchgeführten Schönheitsoperationen zählen. Zwar gehören diese Operationen mittlerweile zu den Routineeingriffen, doch handelt es sich immer noch um größere Eingriffe, die Chirurgen unter Vollnarkose durchführen. „Patientinnen müssen sich deshalb vor einer Operation bewusst machen, dass dieser Eingriff keine notwendige Behandlung darstellt. Wie bei jeder anderen Operation kann es zu Komplikationen oder Heilungsstörungen kommen. Zudem gibt es ein spezifisches Risiko bei Brustvergrößerungen mit Implantaten – die Kapselfibrose“, erklärt Dr. med. Martin Raghunath von der fair aesthetic & service GmbH, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Er setzt in seinen Beratungsgesprächen vor den Eingriffen den Fokus auf Aufklärung, um seine Patientinnen ausführlich über alle Risiken zu informieren.

Bei einer Kapselfibrose handelt es sich um die Ausbildung einer aus hartem Bindegewebe bestehenden Hülle, die sich um das Implantat legt. Patientinnen stellen in diesen Fällen meist eine einseitig zunehmende Verhärtung der Brust fest. Dazu kommen Spannungsgefühle und Druckempfindlichkeiten. Später kann sich die Brust verformen und die Gefahr entstehen, dass Schmerzen auftreten. „Viele Patientinnen schildern mir in den Beratungsgesprächen ihre Ängste vor einer möglichen Kapselfibrose. Sie haben meist nur von den schmerzhaften Verformungen und der anschließend notwendigen Entfernung der Implantate gehört, denn das unangenehme Thema wird in der Öffentlichkeit und von manchen Ärzten vermieden. Doch weil es hier um ein spezifisches Risiko bei Brustvergrößerungen mit Implantaten geht, gehört eine Aufklärung der Patientinnen dazu, zumal es durch innovative Ultraschall-Methoden Behandlungsmöglichkeiten gibt“, berichtet Dr. Raghunath.

Um jeden Fremdkörper bildet der Körper eine natürliche Hülle – die sogenannte Kapsel. In der Regel besteht diese aus weichem Gewebe, doch bei etwa 20 Prozent der durchgeführten Brustvergrößerungen entsteht nach unterschiedlich langer Zeit eine Kapselfibrose, also die Verhärtung der Kapsel. Diese Verhärtungen fallen unterschiedlich stark aus und können auch zu Verformungen der Brust führen, da sie auf das Implantat drücken. Kapselfibrosen teilen Fachärzte deshalb in vier Stadien ein. Im ersten Stadium nach Baker bildet sich eine weiche Kapsel, die allenfalls durch eine Ultraschall-Untersuchung auffällt. Im zweiten Stadium verhärtet sich das Bindegewebe und die Kapsel lässt sich so ertasten. Zudem können leichte Spannungsgefühle auftreten. „Nach Baker beginnen sich im dritten Stadium einer Kapselfibrose die Implantate durch die Verhärtung zu verformen. Im vierten Stadium führt die Verhärtung plus Verformung der Implantate zu Schmerzen. Deshalb muss die Kapsel behandelt und in fünf Prozent der Fälle auch das eingesetzte Implantat ausgetauscht werden“, erklärt Dr. Raghunath.

Bis jetzt konnten Wissenschaftler nicht endgültig klären, warum eine Kapselfibrose nach einer Brustvergrößerung mit Implantaten auftritt. Es gibt jedoch verschiedene Theorien über mögliche Ursachen, zum Beispiel dass eine Kapselfibrose als Folge eines Blutergusses entsteht oder eine schleichende Entzündung durch Bakterien in einer Schicht auf der Implantatoberfläche dafür verantwortlich ist. „Kapselfibrosen in den ersten beiden Stadien behandele ich mit einer innovativen Ultraschall-Methode, durch die sich die Kapseln auflösen können. Meist reichen bis zu sechs Behandlungen bis zur Auflösung“, berichtet Dr. Raghunath und ergänzt: „Ab dem dritten Stadium hilft in der Regel jedoch nur noch die Entfernung der harten Kapsel, die sogenannte Kapsulektomie, mit gleichzeitigem Implantataustausch.“

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