Markgräfler Bürgerblatt

Rachemord am Neuenburger Park-and-Ride-Platz

Verteidiger Sebastian Glathe im Gespräch mit dem mutmaßlichen Haupttäter Akram Y. Fotos: BP

War die Tat vorhersehbar?

Vater Moustapha und Sohn Akram Y. begegnen sich vor Gericht.

Vater Moustapha und Sohn Akram Y. begegnen sich vor Gericht.

Freiburg. Der Rachemord von Neuenburg hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt: vier Männer zwischen 17 und 48 Jahren töteten im Juni 2014 den wohnsitzlosen mutmaßlichen Vergewaltiger Patrick H. (27). Mittlerweile hat der Mammutprozess gegen die vier mutmaßlichen Täter begonnen. Dreien wirft der Staatsanwalt gemeinschaftlichen Mord vor, dem vierten Körperverletzung mit Todesfolge. Er hatte als Lockvogel das Opfer an den Tatort, einem Pendlerparkplatz, beordert. Bis zum Urteil Mitte Juli werden rund 40 Zeugen und mehrere Sachverständige gehört.
Der mutmaßliche Haupttäter, Akram Y. (18), machte keine Angaben zu den Tatvorwürfen: Mehr als 15 Mal soll er auf Patrick H. eingestochen haben, die meisten Stiche erfolgten in dessen Rücken, als H. zu flüchten versuchte. Akrams Vater Moustapha Y. (48) hat in einer Erklärung den Vorwurf zurückgewiesen, die Tat sei von ihm und dem Sohn gemeinsam geplant worden. Er sei „von dem Geschehen überrascht“ worden, als sein Sohn auf den mutmaßlichen Vergewaltiger einer der drei Töchter der Familie einstach. Er habe gedacht, dass Akram zusammen mit seinem Freund Timo P. (21) den Täter lediglich stellen und den Behörden übergeben wolle. Dass er einen Teleskopschlagstock bei sich hatte, bereue er heute, so der Vater weiter. Laut Anklage soll Moustapha Y. mit dem Stock auf das Opfer eingeschlagen haben. Das verneint der Mann: Er habe lediglich seinen Sohn und Patrick H. voneinander trennen wollen.
Timo P., der das Opfer zumindest zu Beginn der Tat festgehalten hat, sagte aus, dass auch er davon ausgegangen sei, Patrick H. solle „eine Abreibung verpasst bekommen“. Aber: Immer wieder habe der damals 17-jährige Akram ihm das Messer gezeigt, mit dem er Patrick H. umbringen wollte. Ernst genommen habe er das jedoch nicht, so Timo P., der nun über sich sagt, er sei da wohl etwas naiv gewesen. Auch über den Elektroschocker, mit dem Akram Y. sein Opfer vor den tödlichen Messerstichen malträtiert haben soll, wusste Timo P. bescheid. Das Messer will er bei der Tat zunächst nicht bemerkt haben, obwohl er selbst am Bauch verletzt wurde, was er sich bis heute nicht erklären könne.
Timo P. flüchtete nach eigenen Angaben noch während der Tat zusammen mit dem vierten Angeklagten Duncan Manfred S. (19). Daheim erzählte P. er seinem Vater, dass „etwas passiert“ sei. Dieser alarmierte die Polizei. Duncan S. gibt an, eher zufällig in die Tat verstrickt worden zu sein: Er war das Bindeglied zwischen den Tätern und dem Opfer. In seiner Erklärung, die sein Anwalt verlesen hat, bittet er die Hinterbliebenen von Patrick H. um Verzeihung. Die Brisanz seiner Rolle sei ihm bis kurz vor dem Mord nicht bewusst gewesen. Die Brutalität von Akram und Moustapha Y. habe ihn schockiert. (MBB)
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