Markgräfler Bürgerblatt

Prozess gegen Hussein K.

Malt Hussein K. aus taktischen Gründen das Bild einer gescheiterten Existenz? Foto: Salzer-Deckert

 

Pflegeeltern sagen aus

Vor dem Landgericht Freiburg wird heute der Mordprozess gegen den afghanischen Flüchtling Hussein K. fortgesetzt. Vier Zeugen sind geladen, darunter auch die Pflegeeltern des Mordverdächtigen, ein aus Afghanistan stammender Kinderarzt und eine Dolmetscherin. Schenkt man den Aussagen des Angeklagten Glauben, so hat die Pflegefamilie, bei der er im Freiburger Osten lebte, keine Ahnung davon gehabt, dass er nahezu täglich nach der Schule in Freiburg Drogen und viel Alkohol konsumierte. Der junge Mann hatte im Haus der Familie ein eigenes Appartement zur Verfügung, bekam 400,- Euro Taschengeld im Monat und kam und ging offenbar, wie es ihm passte. Er habe es gut bei der Familie gehabt, so K. zu Beginn seiner Aussage vor Gericht. Die Frage steht im Raum, wie ernst die Pflegeeltern ihre Aufgabe nahmen, sich um den damals nach eigenen Angaben 17-jährigen Hussein K. zu kümmern, für die sie wohl mehr als 2.000 Euro im Monat vom Jugendamt überwiesen bekamen.

Hussein K. wird verdächtigt, in der Nacht zum 16. Oktober 2016 in Freiburg die damals 19 Jahre alte Medizinstudentin Maria L. vergewaltigt und ermordet zu haben. Er wurde Anfang Dezember 2016 verhaftet und sitzt seither in U-Haft. Zunächst schwieg Hussein K. über die Tatvorwürfe und über sein Leben. Zu Prozessbeginn vor drei Wochen änderte er überraschend sein Verhalten und berichtete ausführlich über seinen – angeblichen – Lebenslauf, der von Gewalterfahrungen, Flucht und Armut geprägt gewesen sein soll. Er räumte ein, dass er sich in Freiburg zunächst zwei Jahre jünger machte, um als Jugendlicher untergebracht zu werden. Auch das Tötungsdelikt an Maria L. hat K. eingeräumt und als Spontantat im Vollrausch dargestellt. Seine Aussage über seinen Alkohol- und Drogenkonsum am Tatabend gilt indes als fragwürdig: Mehrere Zeugen und ein Überwachungsvideo aus einer Bar legen die Vermutung nahe, dass K. in den Stunden vor dem Mord zumindest nicht übermäßig berauscht war. (MBB)

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