Markgräfler Bürgerblatt

Prozess gegen früheren Büroleiter Walter Scheels

Das Vertrauen missbraucht

Das Amtsgericht Staufen hat den früheren Büroleiter des 2016 verstorbenen Alt-Bundespräsidenten Walter Scheel zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu jeweils 40 Euro verurteilt. Das Gericht blieb damit um 20 Tagessätze hinter dem ursprünglichen Strafbefehl zurück, gegen den der Angeklagte Widerspruch eingereicht hatte, da er ihm einen Eintrag ins Führungszeugnis eingebrockt hätte. Zuvor hatte Christoph H. (44) teilweise um Fassung ringend und den Tränen nah die Vorwürfe der Anklage in vollem Umfang gestanden und sich bei Scheels Witwe Barbara Scheel für den Betrug in vier Fällen und die Urkundenfälschung in einem der Fälle entschuldigt.

Der Angeklagte war von 2005 bis 2016 Persönlicher Referent Scheels und hatte auch Zugriff auf dessen Konten, darunter ein Postbankkonto, von dem er in den Jahren 2014 und 2015 dreimal Flugtickets für seinen Privatgebrauch im Wert von rund 2.300 Euro bezahlte. In einem vierten Fall überwies er sich 2.000 Euro von dem Konto auf sein Privatkonto und fälschte dafür die Unterschrift Barbara Scheels. „Es war kurz vor Weihnachten und mir drohte ein Liquiditätsengpass“, begründete er sein Handeln vor Gericht. Er habe das Geld aber zurückzahlen wollen.

Abgezwackt hatte er es, als sein Leben aus den Fugen geraten war: H. hatte sich von seiner in Hamburg lebenden ersten Frau getrennt, die Scheidung war teuer. Man habe zuvor immer „über den Verhältnissen“ gelebt, so der Angeklagte, der zudem auch mit seiner neuen, aus Brasilien stammenden Frau und der kleinen gemeinsamen Tochter die Schwiegereltern in Rio besuchen wollte. Diese und zwei weitere Flugtickets buchte er mit Scheels Geld. Die Sache flog auf, als Scheels Betreuer Strafanzeige erstattete, da ihm die entsprechenden Buchungen auffielen. Von Scheel Ehefrau Barbara konfrontiert, zahlte Christoph H. 7.000 Euro zurück, weit mehr als, als er unterschlagen hatte. Zusammen mit der nun verhängten Geldstrafe haben seine Gaunereien ihn nahezu das Dreifache gekostet als sie eingebracht haben. (MBB)

Teilen Sie jetzt diesen Beitrag! Unsere Sharing-Buttons stehen im Einklang mit dem deutschen Datenschutzrecht.

Das könnte Dich auch interessieren …