Markgräfler Bürgerblatt

Parteienwechselspiel der Bürgermeister: Alte Liebe rostet doch!

Prominentester „Parteiwechsler“: Eschbachs Ex-Bürgermeister Harald Kraus. Foto: Amann

Müllheim. Was Harald Kraus, pensionierter Bürgermeister von Eschbach, auf dem Foto in der Hand hält, ist nicht etwa ein druckfrisch blaues Mitgliedsbuch der AfD, sondern seine 1998 geschriebene Chronik „Der Weg zum Ziel – die Konvertierung des Fliegerhorstes Bremgarten zum interkommunalen Gewerbepark Breisgau“.
Über vier Jahrzehnte hinweg war Harald Kraus auf einem CDU-Ticket „mit Volldampf“ durch die Orts- und Kreispolitik gesaust und nun hat er aus Verärgerung über die Flüchtlings- und Einwanderungspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel „seiner“ CDU Adieu gesagt und sucht eine neue politische Heimat und Aufgabe bei der AfD, die das prominente und kommunalpolitisch hoch erfahrene Neumitglied erfreut willkommen heißt. Seine Gegner werden sich schwer tun, dieses regionale Urgestein politisch in die „rechte Ecke“ zu stellen. Harald Kraus ist im politischen Bewusstsein der Regio als grundsolider, rustikaler Demokrat verankert. Wahr ist aber auch, dass seine Liebe zur CDU schon zuvor Schaden genommen hatte. Da kommen unter anderem die Jahre 2008 und 2009 in Erinnerung, als es in der Kreis-CDU Breisgau-Hochschwarzwald schwere, medienöffentliche  Auseinandersetzungen um Einflussnahmen, Pfründe und Karrierehoffnungen gegeben hatte. Harald Kraus stand hernach für den Kreistag nicht mehr zur Verfügung.
Mit dem Parteieintritt und Parteiaustritt aus der CDU binnen dreier Jahre aber steht der energisch agierende Bad Bellinger Bürgermeister Dr. Hoffmann allerdings alleine im südbadischen Raum; die Merkel’sche Flüchtlingspolitik war wohl nicht der einzige Grund für seine Entscheidung, sondern auch neue berufliche Perspektiven nach der Amtszeit in Bad Bellingen. Er sucht nun karrierebewusst die Nähe zur FDP und wohl einen Platz auf deren Landesliste zur Bundestagswahl 2017. Durchaus berechtigte Hoffnungen auf ein FDP-Landtagsmandat in Stuttgart machte sich anno 2006 auch Werner Bundschuh, der erfolgreiche und in Südbaden populäre Bürgermeister aus Schliengen und fast hätte er es bei der Landtagswahl 2006 ja auch geschafft. Vorausgegangen war ebenfalls sein Parteiwechsel von der CDU zur FDP.
Alle Parteiwechsler dürfen davon ausgehen, dass kein enttäuschter Wutbürger mehr Strafanzeige wegen „Wahlbetrug“ stellen wird. Der ehemalige FDP-Chef und Bundeskanzler-Vize Erich Mende hatte zu seiner Verblüffung anno 1970 eine solche Strafanzeige eingefangen, als er von der SPD/FDP-Ostpolitik enttäuscht seine Partei an den Nagel gehängt und an der CDU-Tür um Einlass gebeten hatte. (KA)

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