Markgräfler Bürgerblatt

Opfer war auch Täterin

Archivfoto: Strafverteidiger Sebastian Glathe 2015 mit dem Haupttäter im Mordprozess um den Neuenburger Ehrenmord. Foto: Salzer-Deckert

Neuenburger Ehrenmord:

Müllheim/Neuenburg. Der Fall hat im Sommer 2014 für eine bundesweite Debatte über das Thema Selbstjustiz gesorgt: Vater und Bruder eines angeblichen Vergewaltigungsopfers aus dem Markgräflerland ermordeten damals mit Hilfe zweier 21 und 19 Jahre alten Komplizen auf brutale Weise einen 27 Jahre alten Wohnsitzlosen mit rund zwei Dutzend Messerstichen: Die Tat geschah auf einem Pendlerparkplatz bei Neuenburg, wohin der 19-jährige Mittäter das Opfer unter dem Vorwand eines Drogendeals gelockt hatte.

Die beiden damals 48 und 18 Jahre alten Haupttäter wurden Ende 2015 dafür zu lebenslanger Haft und zu acht Jahren Jugendstrafe verurteilt, die beiden 21 und 19 Jahre alten Mitwisser und Mittäter erhielten fünf Jahre Haft (Körperverletzung mit Todesfolge) und eine zweijährige Bewährungsstrafe (Jugendstrafe, Körperverletzung mit Todesfolge).

Nun ist auch das Vergewaltigungsopfer von damals verurteilt worden: Mehr als drei Jahre nach der Tat muss die mittlerweile 29 Jahre alte Frau eine Geldstrafe zahlen, weil sie die Rache- und Mordpläne ihres aus dem Libanon Vaters und ihres jüngeren Bruders kannte und nicht der Polizei meldete, nachdem sie damals die Sexualstraftat bei der Polizei angezeigt hatte. Sie habe dadurch die Tat an ihrem angeblichen Peiniger gebilligt und mit ermöglicht, so die Vorwürfe der Freiburger Staatsanwaltschaft. Gegen die Geldstrafe legte sie zunächst Widerspruch ein, ein Strafprozess war deswegen schon anberaumt. Doch nun wurde der Widerspruch zurückgezogen, die Geldstrafe in nicht genannter Höhe ist damit rechtskräftig. (MBB)

 

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