Markgräfler Bürgerblatt

Olympische Spiele der Antike – Kult und Korruption

„Edle Einfalt, stille Größe“: Johann Winckelmann hätte wohl kaum Betrug im alten Olympia erwartet! Foto: pixabay

Freiburg. Olympia, im Nordwesten der Peloponnes gelegen, war etwa ab dem 8. Jahrhundert vor Christus eine wichtige Kultstätte des Göttervaters Zeus: Hier konnte – ähnlich wie in Delphi – ein Orakel befragt und so der Wille des obersten Gottes erforscht werden. Feste zu Ehren eines Gottes waren gleichzeitig aus Wettkämpfe, wie Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke, emeritierter Altgeschichtler und Präsident des Deutschen archäologischen Institutes in Berlin, erläutert.

 
776 v. Chr. fanden dann die ersten Olympischen Spiele statt: der Läufer Koroibos aus Elis ist laut Siegerlisten der erste Olympiasieger der Geschichte. Er siegte im Stadionlauf, der einzigen Disziplin, die seinerzeit ausgetragen wurde. Allmählich wandelten sich die Spiele, bekamen wie das Heiligtum, überregionale Bedeutung und erweiterten ihr sportliches Programm – beinahe wie in der Neuzeit. Olympia war lange Kern griechischen Selbstverständnisses. Dort stand die von Phidias, dem wohl bekanntesten Bildhauer der Antike, geschaffene Zeusstatue, eines der Weltwunder, aus Gold und Elfenbein, zwölf Meter hoch.
Alle vier Jahre – diese Zeitspanne wurde „Olympiade“ genannt – fanden im Juli, am 1. Vollmond nach der Sommersonnenwende, die Wettkämpfe statt. Die Disziplinen sind, so Prof. Gehrke, in Gruppen zu unterteilen. Als sportlich oder gymnisch (weil nackt ausgeführt) galten der Lauf – Kurz-, Mittel- und Langstrecke, später noch der „Waffenlauf“. Unter „kämpferisch“ wurden Ringen, Boxen und Allkampf, Pankration, eine Art Freistilringen, wo praktisch alles erlaubt war und die Fäuste mit dornengespickten Lederbändern umwickelt waren, eingeordnet. Dann die technischen Disziplinen wie Diskuswerfen, Weitsprung, Speerwerfen und Fünfkampf. Attraktiv, aber nur für wohlhabende Athleten, waren die „hippischen Disziplinen“, Wagenrennen und später Pferderennen.

 
Da ein Olympiasieger – es gab keine Godmedaillien, nur Lorbeerzweige – höchstes Ansehen genoss und in seiner Vaterstadt hofiert wurde, gab es schon bald Skandale: gekaufte Kämpfe, Nichtbeachtung der Regeln und Abwerbung erfolgreicher Athleten durch begüterte Kommunen. H.-J-Gehrke: „Ein Olympiasieg war damals so gut wie bares Geld!“ Wer erwischt wurde, wurde zu einer Strafzahlung verurteilt, meist in Form einer oder mehrere Zeusstatuen (insgesamt 17), die auf dem Weg ins Stadion aufgestellt wurden, um so an die Einhaltung der olympischen Regeln zu erinnern.

 
In der römischen Kaiserzeit vom Kaiserhaus gefördert, sank der Stern Olympias im Zuge des Aufstiegs des Christentums. Die letzten Spiele fanden, 393 n.Chr. statt – im Jahr darauf wurden sie von Kaiser Theodosius verboten.
Im 19. Jahrhundert begannen vor allem deutsche Forscher, in Olympia zu graben und 2012 organisierte Prof. Gehrke eine große Olympia-Ausstellung im Berliner Gropius-Bau. Derzeit ist er mit Kollegen aus Freiburg, Mainz, Darmstadt und Wien dabei, in einer Grabungskampagne sich der Frage zu widmen: Wie sah eigentlich die Umgebung des Heiligtums aus? (paw)

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