Breisach Aktuell

Offenbar Störung in Fessenheim

Fessenheim/Breisach/Freiburg. Am vergangenen Montag, 21.Mai, wurde am frühen Nachmittag über dem AKW Fessenheim eine große Dampfwolke gesichtet. Kurz darauf konnte im Internet auf der Seite von RTE ein totaler Leistungsabfall nachgelesen werden. Innerhalb einer Stunde fiel die Leistung in zwei Stufen von 857 MW über 280,5 MW auf -1 MW ab. Ursache wurde keine veröffentlicht.

Auf der Homepage der Electricité de France (EdF) erschienen lediglich zwei Meldungen, Anfragen von Protestbewegungen wie der Mahnwache Breisach wurden nicht oder sehr zeitverzögert beantwortet. Gustav Rose von der Montagsmahnwache weist darauf hin, dass durch solch plötzliches Herunterfahren gerade bei älteren Reaktoren schon wegen der bestehenden Materialermüdung die Gefahr von Rissvergrößerung oder gar Bersten des Reaktormantels enorm ansteigt.

Während angesichts der neuen Situation die Besorgnis auf deutscher Seite steigt, informierte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer im Rahmen der Sitzung des deutschen Begleitausschusses zum Kernkraftwerk Fessenheim über die jüngsten CLIS-Sitzungen und den aktuellen Stand des Zukunftsprozesses Fessenheim informiert.

Nach der Sitzung des Lenkungsausschusses unter der Leitung des stellvertretenden französischen Umweltministers Sébastien Lecornu und einem ausführlichen Gespräch mit David Coste in Begleitung von Präfekt Laurent Touvet stellte Bärbel Schäfer fest: „Der Zukunftsprozess Fessenheim gewinnt weiter an Dynamik und Konkretheit. Es geht im engen deutsch-französischen Schulterschluss in genau die Richtung, die wir uns vorstellen“.

Ideen für AKW-freie Zukunft gewinnen an Dynamik

Bärbel Schäfer begrüßte, dass die Voraussetzungen für die Realisierung einer Bahnverbindung Colmar-Freiburg konkret vorankommen. David Coste hat für die französische Regierung klar zum Ausdruck gebracht, dass die Direktverbindung Priorität hat – aus symbolischen und genauso aus zentralen verkehrspolitischen Gründen. Noch vor der Sommerpause soll, so der französische Vorschlag, ein deutsch-französischer Lenkungsausschuss für das Projekt Colmar-Freiburg installiert werden. Bereits bis Ende dieses Jahres sollen vertiefende Studien das Projekt entscheidungsreif machen. Durchschlagend hierfür war auch die Zusage von Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei seinem Besuch in Strasbourg am 12. April, dass die Kostenfrage für die vertiefenden Untersuchungen (Machbarkeitsstudie) jeweils zur Hälfte von Frankreich und der deutschen Seite getragen werden. Die Details sollen bis zur Sommerpause geklärt werden.

David Coste unterstrich in seinem Gespräch den Willen der französischen Seite, in einer Größenordnung von etwa 200 Hektar einen deutsch-französischen Wirtschafts- und Innovationspark nördlich von Fessenheim – unter Einbeziehung insbesondere auch deutscher Gemeinden – zu realisieren. Diese Fläche soll zum einen für die Ansiedelung von kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) dienen. Zum anderen biete dieser geplante Wirtschafts- und Innovationspark die einmalige Chance, europaweit einmalige Leuchtturmprojekte anzusiedeln, waren sich Coste und Schäfer einig.

Bärbel Schäfer: „Wir dürfen hier nicht zu klein planen, sondern die Chance erkennen, dass wir hier europaweit einmalige Wirtschafts- und Wissenschaftsprojekte, auch unter Einschluss von European Campus und der geplanten Europäischen Universität ansiedeln können“.

Denkbar seien der Aufbau von Zentren für Solarzellen sowie Batteriezellen bis hin zu einem Zentrum für Künstliche Intelligenz. Bärbel Schäfer: „Wenn es uns gelingt, durch die Bündelung unserer wissenschaftliche und wirtschaftlichen Potenz aus Frankreich und Deutschland am Standort Fessenheim etwa eine nachhaltige Solarzellenproduktion auf die Beine zu stellen, wäre das ein großartiger Baustein für den Fessenheim-Zukunftsprozess, aber auch für den Neustart Europas essentiell“.

Angesichts der unklaren Lage, der erheblichen Sicherheitsmängel und der Furcht der Anwohner rund um Fessenheim vor einer Katastrophe sollte dieser Umgestaltungsprozess so schnell wie möglich begonnen werden, damit der Katastrophenreaktor schnellstmöglich vom Netz gehen kann.

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