Markgräfler Bürgerblatt

Nur wer Waren hat, hat auch Kunden

(v.l.): Geballte Kompetenz in Sachen Obst- und Weinbau mit Roland Leininger, Lorenz Boll, Landrätin Dorothea Störr-Ritter, Klemens Gugel, Kilian Schneider, und Werner Räpple. Foto: Kopp

Bestandsaufnahme nach dem Kälteeinbruch:

Breisach. Sie schienen in Vergessenheit geraten, die Eisheiligen. Und nun haben sie verfrüht zugeschlagen – nachdem die Entwicklung der Natur durch die Warmphase weit fortgeschritten war. Eine Expertenrunde von Erzeugern, Vermarktern, Fachleuten und Politik untersuchte vor Ort die Folgen des Kältephänomens. Sie erwarten massive Ernteausfälle, insbesondere in der Fläche des Landratsamts Breisgau-Hochschwarzwald. Ursache sei, so hieß es, die Klimaveränderung.

Landrätin Dorothea Störr-Ritter, Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald, versicherte, dass sie Hilfen für Obst- und Weinbau reklamieren werde. Sie werde gezielte Forderungen stellen. Zudem seien mit ihrem Landwirtschaftsamt die Grundlagen für alternative und vorbeugende Maßnahmen zu definieren. Man könne viel durch Frostschutzberegnung, Tunnelanlagen, Hagelnetze etc. tun, aber die Betriebe können sich das nicht leisten, wandte Werner Räpple, Präsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes, ein. Es handle sich fast ausschließlich um kleine Familienbetriebe. Die Region der Sonderkulturen sei stark betroffen, die Wertschöpfungskette unterbrochen. Jedes Jahr gebe es einen neuen Kampf um die Ernten. Nur ein Risikomanagement durch Rücklagen in Form eines steuerneutralen ordentlichen Selbstbehalts für Risikokapital und über Versicherungen könne Entspannung bringen.

Der Anlagenberater des Obst- und Gemüsebetriebs Südbaden (OGS), Hubert Schneider, beschrieb die katastrophalen Ausmaße durch zu erwartende Ernteausfälle beim Obstbau: Steinobst sei zu 70 bis 90 Prozent geschädigt, Kirschen und Erdbeeren zu 70 bis 80 Prozent, Birnen, Äpfel, Zwetschgen, Mirabellen und Beerenfrühsorten noch stärker betroffen. Beim Steinobst seien rund 1.000 Tonnen weniger zu erwarten, das etwa 2,5 Mio. Euro Umsatz entspreche. Für alle Obstsorten rechne er mit einem Ernteausfall von 6.000 Tonnen für die OGS, also etwa 10 Mio. Euro Umsatz weniger.

Kilian Schneider, Badischer Weinbaupräsident, hielt sich mit Zahlen zurück, sagte aber, dass ein Viertel der badischen Rebfläche mit kleinräumigen partiellen Unterschieden bis zu 75 Prozent geschädigt sei. Roland Leininger, Geschäftsführer des Oberrotweiler Winzervereins und der WG Jechtingen-Amoltern, beschrieb die Sachlage so: Das Obst sei unmittelbar und direkt geschädigt worden, beim Wein sei mit mehr Nachhaltigkeit zu rechnen.

Lebensmitteleinzelhändler verlangen bei der Vermarktung Kontinuität und Zuverlässigkeit. Während 2016 schon 4 Mio. Euro Umsatz durch die Kirschessigfliege fehlten, sind die verlorenen Marktanteile 2017 nicht zurückgewinnen: „Nur wer Ware hat, hat auch Kunden im Verdrängungswettbewerb!“, sagte Lorenz Boll, Geschäftsführer der OGS.

 

 

BU:

(v.l.): Geballte Kompetenz in Sachen Obst- und Weinbau mit Roland Leininger, Lorenz Boll, Landrätin Dorothea Störr-Ritter, Klemens Gugel, Kilian Schneider, und Werner Räpple. Foto: Kopp

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