Markgräfler Bürgerblatt

Neuenburger Lynchmordprozess: Ein Urteil mit Signalwirkung

Fotos: privat

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Freiburg. Nach rund 30 Verhandlungstagen und acht Monaten Verfahrensdauer der Prozess um den Neuenburger Lynchmord vom Juni 2014 zu Ende gegangen. Acht Jahre Jugendstrafe und lebenslänglich wegen Mordes lauteten die Urteile für Akram Y. (18) und Moustapha Y. (48). Der Mitangeklagte Elektriker Timo P. (21) wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Der 19-jährige Duncan S. wurde nach Jugendstrafrecht zu zwei Jahren Haft auf Bewährung wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. Drei der Urteile entsprachen weitgehend den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Nur bei Timo P. wich das Gericht weit von der Forderung von Staatsanwalt Eckart Berger ab, der eine Verurteilung als Mörder gefordert hatte.
Richter Stefan Bürgelin verkündete ein Urteil mit Signalwirkung: Selbstjustiz sei ein Tabu, so Bürgelin. Denn: „In einer Gesellschaft der Rache und der Selbstjustiz kann und will man nicht leben.“ Die vier Angeklagten standen wegen des Mordes an dem mutmaßlichen Vergewaltiger Patrick H. (27) vor Gericht. Dieser war auf einem Pendlerparkplatz bei Neuenburg von Akram Y. mit rund zwei Dutzend Messerstichen getötet worden, weil er angeblich eine Woche zuvor dessen 27 Jahre alte Lieblingsschwester vergewaltigt hatte. In der Woche zwischen mutmaßlichem Sexualdelikt und Mord hatte der mehrfach angekündigt, den Mann „zerstören“ zu wollen, der seine Schwester und so die ganze Familie entehrt habe.
Akram Y. stach rund zwei Dutzend Mal auf sein Opfer ein. Später gab er damit an, dass es ihm Spaß gemacht habe, Patrik H. umzubringen. Verteidiger Sebastian Glathe will dennoch Revision einlegen, da er das Mordmerkmal Heimtücke nicht schlüssig begründet sah. Auch Klaus Malek, Verteidiger von Moustapha Y., will Rechtsmittel gegen das Mordurteil einlegen: Sein Mandant hatte mehrfach vor Zeugen die Rache der Familie an dem mutmaßlichen Vergewaltiger seiner Tochter angekündigt: „So verfährt man bei uns im Libanon mit Vergewaltigern.“ Malek hatte für seinen Mandanten jedoch lediglich eine Verurteilung auf Bewährung wegen Körperverletzung gefordert, da der 48-jährige nur auf das Opfer eingeschlagen hatte eher zufällig am Tatort dabei war. Laut Richter Bürgelin hat Moustapha Y. die Tat nicht nur nicht verhindert, sondern angekündigt, gebilligt und für richtig empfunden.
Für Timo P. fiel das Urteil milde aus, Verteidiger Thomas Häfner wird den Richterspruch wahrscheinlich akzeptieren: Timo P. bereut sein Handeln und reagierte im Gericht mit einem Seufzer der Erleichterung auf das Urteil. Er hatte das Mordopfer zumindest zu Beginn der Tat festgehalten, während Duncan S., dessen Verteidiger Joachim Eyrich ebenfalls mit dem Verfahrensausgang zufrieden ist, nicht direkt an dem Mord beteiligt war, sondern nur als Lockvogel fungierte. (MBB)

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