Markgräfler Bürgerblatt

Neue Bücher: Regio-Spannung & lokale Lokale

Cover: Silberburg Verlag

Cover: Silberburg Verlag

Wer lässt sich nicht gerne auswärts verwöhnen und erlebt die „Auswärtsküche“ auch als eine Erfahrung: es „schmeckt wie bei Muttern“, es war überraschend neu, Himmel, wer hätte gedacht, dass Exotisches so lecker sein kann?
Doch: wohin? Welche Adresse könnte reizen? Was erwartet den Gast wo? Fragen, die der „Neue Restaurantführer für Südbaden“ beantwortet. Im Gegensatz zu den großen Gourmettiteln hat man sich hier dem heimatlichen, südbadischen Raum zugewandt und beweist damit nebenbei, dass man hier das große Glück hat, in einer Gegend zu leben, wo selbst die kleinste Dorfbeiz noch Bestes auf den Tisch bringt.
2009 Restaurants sind gelistet, 58 neu hinzugekommen, 40 gestrichen. Hier mag ein kleiner Nachteil des Führers liegen. Es ist, sagt „spiritus rector“ Christian Hodeige, ein „Buch des Lobes“ – heißt: Gewarnt wird nicht. Das bedeutet aber: wer nicht gelistet ist, der ist entweder bisher nicht dem 15köpfigen Testerteam aufgefallen. Oder eben doch – negativ. Hier wäre etwas mehr Konsequenz zu wünschen.
Die ist bei den Einteilungen vorhanden: von einem bis vier Wappen reicht die erste Stufe und die legt fest, in welchem Segment das Haus zu suchen ist: rustikale Küche, gutbürgerliche Küche, ambitionierte Küche, Spitzenküche. Und klugerweise betrachten die Autoren diese „Stufen“ als absolut gleichwertig, will heißen: eine ausgezeichnet geführte Landgaststätte kann in der zweiten Stufe, der individuellen Leistung, ebenso auf neun Punkte kommen wie ein Sternerestaurant. Das ist lobenswert und vorbildlich!
Erfreulich auch, dass damit nicht dem Eindruck Vorschub geleistet wird, nur möglichst ausgefallene, exotische Kreationen seien top und stellen damit das kulinarische Non-plus-ultra dar: zurecht wird darauf hingewiesen, dass eine kleines Fleischküchle auf einem Klecks schlunzigen Kartoffelsalat ein besseres „Amuse bouche“ sein kann als mit Geleemassen überzogene Minipastetchen. Hier redet der Restaurantguide einer wohltuenden Normalität das Wort.
Alles in allem: Ein nicht nur für den Feinschmecker lesenswertes Buch, dass den wahrlich großen Kosmos badischer Gastlichkeit erschließt und erfreulicherweise nicht abgehobener Exzentrik frönt!

 
Regiokrimis gibt es inzwischen Dutzende und vermutlich haben außer Schilda, Hintertupfing und Krähwinkel alle deutschen Städte, Dörfer und Landschaften mindestens einen eigenen Ermittler. Dass diese Fülle nicht unbedingt das Niveau der Stories hebt, ist überflüssig zu betonen. Doch es findet sich immer mal wieder eine Perle, konkret „Raureif“ von Uschi Kurz. Einem Badener mag der Schauplatz Stuttgart nun nicht eben Jubelrufe entlocken, aber die Story um den Tod einer Künstlerin ist einfach so gut aufbereitet und erzählt, dass dieser spannende Roman auch in anderen Städten oder Ländern funktionieren würde.

 
Ist also der Plot per se schon interessant, versteht es die Autorin – ohne lokalpatriotisch-betulich zu werden – regionale Dinge und Geschehnisse mit einzubauen, diese aber auch wieder so geschickt, dass man auch weit außerhalb Stuttgarts nachvollziehen kann, auf was angespielt wird – auf den umstrittenen Tiefbahnhof „Stuttgart 21“, auf die Vernetzung von Presse, Großkopferten und Spekulanten, und, und, und.
„Raureif“ gehört zu den Regio-Krimis, die das Genre wieder lesenswert machen und ist als prickelnde Unterhaltungslektüre an einem trüben Herbsttag wahrlich zu empfehlen. Auch für Badener!
Der neue Restaurantführer für Südbaden, Rombach Verlag, Freiburg 2016; 264 Seiten; ISBN 978-3-7930-5142-8; 19,80 Euro
Uschi Kurz: Raureif; Silberburg Verlag, Tübingen 2016; 316 Seiten; ISBN 978-3-8425-1482-9; 12,90 Euro

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