Breisach Aktuell

Narrengericht spricht Innenminister schuldig

Innenminister Thomas Strobel stand ohne jegliche Angst vor dem Breisacher Gauklerpranger. Foto: BA

Thomas Strobl mit Trollinger und Janker beim 16. Gauklerpranger

Die Stadthalle „Brägl-Arena“ war bis auf den letzten Platz besetzt. Besetzt mit einem schaulustigen und sensationshungrigen Publikum. Voller Spannung warteten die Gäste auf die Anklage des Narrengerichts, gegen den Innenminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten, Thomas Strobl.
Bevor der Delinquent vorgeführt wurde, sorgte Zeremonienmeister Peter Ehrhardt für Ruhe im Saal. Zunftmeister Wilfried Meyer sowie Rathauschef und Protektor der Brisacher Fasent, Oliver Rein, hießen die Gäste herzlich willkommen. Mit Freude begrüßten sie Landrätin Dorothea Störr-Ritter, den Bundestagsabgeordneten Matern von Marschall, die Repräsentanten des Verbandes Oberrheinischer Narrenzünfte und Bürgermeister a.D. Alfred Vonarb.

Besondere Ehrung

Seit 1984 haben sie mit ihren scharfzüngigen Texten dem Gauklerpranger Leben einhaucht: Peter Braun und Karl-Anton „Bobby“ Hanagarth. 15 Mal haben sie ihren Bleistift gespitzt. 15 Mal ist ihnen ein grandioser, verbaler Schlagabtausch zwischen dem Kaiser, Kanzler (Ankläger), Advokaten (Verteidiger) sowie dem Angeklagten gelungen. 15 Mal boten sie damit dem Publikum unterhaltsame Stunden der Spitzenklasse. Hierfür dankte ihnen die Narrenzunft Breisach mit dem Ehrenzunftwappen. Zum diesjährigen Narrengericht traten Zunftmeister Wilfried Meyer, Marschall Andreas Dewaldt sowie Zeremonienmeister Peter Ehrhardt das Erbe als Autorenteam an.

Vier Anklagepunkte

Thomas Strobl ist bekennender Schwabe mit einer unbeugsamen Vorliebe zum Trollinger, der meist angebauten Rotweinsorte Württembergs. Alleine dieser Umstand veranlasste das Publikum zu dem vorschnellen Urteil: „Schuldig!“ Ebenso brachte ihm die Tatsache, dass er der Schwiegersohn des Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble ist, keine positiven Erträge auf der Waagschale Justitias ein. Nachdem die formalen Personalien zu Strobls Herkunft und politischem Werdegang detailliert geklärt waren und seine Vita zusammenfassend als ‚schwarz-treu-aufrecht‘ betitelt wurde, wandte sich der Angeklagte mit den Worten an den Kanzler: „Hungrig und durschdig hasch vergessen. Ich bin nämlich nur wegen des guten Essens hier.“ So verlangte er während der gesamten Vernehmung hartnäckig nach Ofenschlupfer, Zibärtle und „was Ordentlichem zu trinken“. Letztendlich kapitulierte er. Strobl zog den eigens mitgebrachten Trollinger aus der Tasche seines Jankers.
Man darf lobend hervorheben, dass Thomas Strobl ein wortgewandter Angeklagter war, um keine Ausrede verlegen, mit Gags zu Hauf, immer die Lacher auf seiner Seite. Dies brachte ihm trotz der Aussage „Der Badische Spätburgunder isch ein wunderbarer Wein – des muss ich sage, so steht‘s in meinem Ehevertrag“ Sympathiepunkte seitens des Publikums ein. Der gestrenge Kanzler, Jens Distel, blieb davon unberührt. Strobl und sein Verteidiger, Andreas Geyler, mussten sich in vier Anklagepunkten vor Kaiser Rudolf von Habsburg, Tobias Dewaldt, und seiner Kaiserin, Viviane Sigg, verteidigen. Mit gekonntem Wortwitz drehte Strobl dem Kanzler die belastenden Worte im Mund herum. So konterte er, auf die Anschuldigung hin, er hätte niemals ein Ministeramt annehmen wollen, mit: „Bei den Sitzungen von Kretschmann ist es immer so trocken. Da bestellte ich bei der Bedienung per Handzeichen etwas zu trinken. Just in diesem Moment fragte Winfried, wer denn Innenminister werden wolle.“ Da es bei den zukünftigen Sitzungen sicherlich auch so trocken sein werde, komme bestimmt noch das eine oder andere Amt hinzu, fügte er an.
Janker und Jeans statt
edlem Zwirn
Ein weiterer Dorn im Auge des Kanzlers war, dass Thomas Strobl sich anschickte in bayrisch angehauchtem Janker statt in angemessener Abendgarderobe zu erscheinen. Dem widersprach der Advokat und bezeichnete Strobl als „Karli Lagerfeld der Landesregierung“. Auf den Kanzler hingegen wirkte der Angeklagte in diesem Aufzug eher wie Florian Silbereisen aus dem Musikantenstadl. Weiter warf man ihm vor, sich beim Trollinger-Marathon öffentlich vom Badischen Spätburgunder abgewandt zu haben. Zudem handelte es sich bei dieser Teilnahme um eine reine Ego-Marketing-Nummer. „Ich bin mir keiner Schuld bewusst, denn als ich im Ziel ankam, war sowieso kein Zuschauer mehr da“, verteidigte er seine Beteiligung.

Unterstützend rief der Advokat den Vorstandsvorsitzenden des Badischen Winzerkellers, Dr. Peter Schuster, in den Zeugenstand. Dieser spiegelte in deutlicher Deklaration die Herkunft des Trollingers wider. Es ließe sich mit einer Leichtigkeit ableiten, dass der Trollinger lediglich ein Abfallprodukt des edlen, badischen Spätburgunders sei, so Schuster. In feinen Versen resümierte der Gaukler, Frank Ganz, immer wieder das Spektakel auf der Bühne und gab dem Stück damit eine persönlich spitzfindige Note.

Von Schwarz zu Grün

Der vierte und letzte Anklagepunkt bezichtigte Strobl des schleichenden Übertretens zu den Grünen. Doch auch hier wusste der Advokat die verbalen Geschicke in Richtung Freispruch seines Mandanten zu lenken. Per Videoeinspielung bekräftigte Willi Stächele, Minister a.D., die Treue Strobls zur CDU. Dem Revisionsantrag des Kanzlers, der diese Einspielung als „illegale Machenschaften und futuristische Methoden“ alles andere als gutheißen wollte, wurde nicht stattgegeben. Nach einer finalen Zusammenfassung des Kanzlers mit den Anklagepunkten und der gebündelten Verteidigung des Advokaten, hatte Thomas Strobl das letzte Wort. „Nun, ich sehe der Strafe gelassen entgegen. Die Todesstrafe kann es nicht sein, denn ich habe die verlangte Henkersmahlzeit, den Ofenschlupfer und Zibärtle, bis jetzt nicht erhalten“, konterte er kokett. Weitere Verteidigungsversuche blieben ungehört. Rudolf von Habsburg sprach ihn schuldig. Zur Buße und Strafe muss Thomas Strobl am 11.11.2017 erneut in die Münsterstadt kommen, um die Festansprache anlässlich des 90-jährigen Jubiläums der Breisacher Narrenzunft zu halten. Strobl nahm das Urteil (gerne) an. Mit Freude und Stolz überreichten Protektor, Zunftmeister und Marschall dem tollen Delinquenten namens der Narrenzunft Breisach den Gaukler mit dem Goldenen Schuh. Ein ganzer Hofstaat an Köchen und Bediensteten kredenzten das traditionelle Festmahl mit Fleisch und Brot. Die atemberaubende Jongliereinlage des Duos Catch-Up aus Frankfurt sorgte erneut für beste Stimmung unter den Gästen, die danach noch Tanzbein zur Musik der Band Surprise schwangen. Zufrieden blickten die Zunfträte auf einen sehr gelungenen 16. Gauklerpranger. Schmecksch dr Brägl – Ajoo.

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