Markgräfler Bürgerblatt

Mutter beschreibt sich als Opfer

Neue Erkenntnisse im Staufener Missbrauchsfall

Freiburg. Als von einer anonymen Anzeige elektrisiert mehrere Ermittler des Landeskriminalamts alles andere liegen ließen, um den Staufener Missbrauchsfall so schnell wie möglich zu beenden, kannten sie nur den Vornamen des neunjährigen Opfers. Der Wohnort war zunächst ebenso unbekannt wie der Name der Mutter des Kindes und ihres Lebensgefährten, die den Jungen zwei Jahre lang an pädophile Sexualstraftäter verkauften und die sich selbst an dem Kind vergangen haben. Es gelang laut LKA-Sprecher Horst Haug in akribischer Arbeit, mit dem Vornamen des Jungen schließlich Staufen als Wohnort der Mutter und deren Lebensgefährten herauszuschälen.

Angebahnt hat das Staufener Paar den Verkauf des Jungen für Missbrauchshandlungen in einem Internet-Forum mit dem Namen „Tabulos“. Treffpunkte und Tatorte wurden dann im Darknet fixiert , wo sich die Ermittler unter anderem mit den Zugangsdaten des Hauptverdächtigen Christian L. bewegen und weitere Täter identifizieren konnten. Nach Informationen dieser Zeitung wurde das Kind von dem Paar und vier weiteren Pädophilen nicht nur in der Staufener Wohnung gequält und missbraucht. Seit 2015 hatte die Mutter im Raum Staufen auch in anderen Wohnungen gelebt, die sie zum Missbrauch nutzte. Teils musste der Neunjährige ganze Wochenenden mit Freiern verbringen.

Der Junge hat bei Befragungen durch psychologisch geschulte Personen inzwischen alle Übergriffe bestätigt. Der 39jährige Hauptbeschuldigte Christian L., der auf zahlreichen elektronischen Geräten Missbrauchsbilder dokumentiert hat, hat umfangreich ausgesagt. Beschrieben wird er als einer, dessen pornografisches Material sich nicht nur auf Sex mit Kindern beschränkte, sondern viele Variationen darüber hinaus umfasste.

Die Mutter des Neunjährigen ist gegenüber der Polizei weniger kooperativ als ihr Lebensgefährte. Ihr Wille, bei der Aufklärung mitzuwirken, sei „nicht übermäßig“. Sie gibt bislang wenig zu und zieht sich darauf zurück, verleitet und gezwungen worden zu sein. Die Anklage gegen sie wird auch den Vorwurf schwerer Prostitution des eigenen Kindes enthalten, bestätigte ein Staatsanwalt auf Nachfrage. Für den Missbrauch verlangte das Paar unterschiedliche Summen, „mal 1.000 Euro oder mehr, mal weniger, mal gar nichts“.

Dem Neunjährigen soll gedroht worden sein, wenn er etwas sage, müssten seine Mutter oder der „Papa“, wie Christian L. von dem Jungen genannt wurde, ins Gefängnis. Der Junge, heißt es, hängt noch immer an seiner Mutter, die ihm so Schreckliches angetan hat. Mit seinem Trauma könne er derzeit ganz gut umgehen, ist zu erfahren, die Übergriffe hätten sich für ihn wegen ihrer Vielzahl als „eine gewisse Normalität“ dargestellt. Inzwischen geht die Polizei nach Informationen dieser Zeitung Hinweisen nach, Christian L. habe sich auch noch an andere Kinder herangemacht. (uh)

Teilen Sie jetzt diesen Beitrag! Unsere Sharing-Buttons stehen im Einklang mit dem deutschen Datenschutzrecht.

Das könnte Dich auch interessieren …