Markgräfler Bürgerblatt

Mordprozess gegen Hussein K.

Das Lügengebäude des Hussein K. beginnt zu bröckeln. Foto: Salzer-Deckert

Gericht telefoniert mit totgeglaubtem Vater

Wenn das mal keine faustdicke Überraschung war: am 15. Verhandlungstag im Freiburger Mordprozess gegen Hussein K. hat Richterin Kathrin Schenk das Protokoll eines Telefonats mit dem Vater des mutmaßlichen Sexualmörders verlesen, das sie am 4. Dezember mit dem Mann im Iran führen konnte.

Demnach lebt Gholam K., so der Name des Mannes, in ärmlichen Verhältnissen im Raum Teheran und ist nicht, wie von Hussein K. zu Prozessbeginn behauptet, in Afghanistan im Krieg gegen die Taliban gefallen. Die Nummer des Mannes war im Mobiltelefon des Angeklagten gespeichert. Der Vater hat in dem Telefonat einem Dolmetscher gesagt, dass es eine Urkunde gebe, nach der sein Sohn Hussein am 29. Januar 1984 geboren sein soll. Somit wäre der Angeklagte bereits 32 Jahre alt gewesen, als er in der Nacht zum 16. Oktober 2016 am Ufer der Dreisam in Freiburg die damals 19-jährige Medizinstudentin Maria L. vergewaltigte und tötete. Hussein K. selbst hatte zu Prozessbeginn behauptet, 19 Jahre alt zu sein, Gutachtern zufolge dürfte er jedoch mindestens 22 Jahre alt sein.

Verteidiger Sebastian Glathe kündigte an, dass sein Mandant zu dem Telefonat mit seinem Vater eine Stellungnahme abgeben wird. Nach dem überraschenden Ergebnis des Verhandlungstages bleiben jedoch Fragen offen. Gholam K. soll Analphabet sein, es ist unklar, was genau er am Telefon verstanden hat, und auf welcher Basis er die Jahresangabe machte: Im Iran wird ein anderer Kalender als in der westlichen Welt benutzt. Eventuell wird der Mann nun als Zeuge nach Freiburg gebracht.

Die Frage nach dem wahren Alter von Hussein K. ist in dem Prozess von großer Bedeutung, da sie mit entscheidend über das mögliche Strafmaß ist: K. werden besonders schwere Vergewaltigung und Mord vorgeworfen. Ein Mordurteil nach Erwachsenenstrafrecht würde ihm lebenslange Haft und möglicherweise die Sicherheitsverwahrung einbringen. Der Prozess wird am 21. Dezember fortgesetzt. Das Urteil wird im Frühjahr 2018 erwartet. (MBB)

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