Markgräfler Bürgerblatt

Maria L.‘s Mörder war kein exzessiver Säufer

Immer neue, erstaunliche Aspekte tun sich im Mordfall Maria L. auf – Grund genug, das Verfahren gegen Hussein k. „zu entschleunigen“, um alle Aspekte prüfen zu können. Foto. Salzer-Deckert

Prozess Hussein K.

Freiburg. Je länger der seit September laufende Mordprozess gegen Hussein K. dauert, desto klarer wird: Ein Ende des Verfahrens noch in diesem Jahr ist nicht mehr realistisch. Zu viele Zeugenaussagen mussten schon verschoben werden. Und auch die für den 22. November angekündigte Befragung mehrerer griechischer Ermittler zu dem Mordversuch auf Korfu, für den Hussein K. 2014 zu zehn Jahren Haft verurteilt wurde, steht auf tönernen Füßen: zuletzt hatte erst ein Beamter seine Anreise nach Freiburg bestätigt. Oberstaatsanwalt Eckart Berger hat nun „eine Entschleunigung“ des Verfahrens angeregt, die auch das Gericht für sinnvoll zu erachten scheint: Künftige Verhandlungstage in dem Mammutprozess, der am Ende laut Berger mehr als eine Million Euro kosten dürfte, könnten ab November nur noch jeweils bis zum Mittag dauern.

Ende Oktober saßen an zwei Verhandlungstagen drei Bekannte des Angeklagten und erstmals ein rechtsmedizinischer Gutachter im Zeugenstand. Im Mittelpunkt des Interesses stand dabei die Frage nach dem Alkohol- und Drogenkonsum von Hussein K.: Die drei jungen Zeugen bestätigten, dass K. sich mit Drogen auskannte und mehr oder weniger trinkfest gewesen sein soll. Gutachter Volker Auwärter konnte dies anhand dreier Haarproben des Angeklagten bestätigen: in den Monaten vor seiner Festnahme sei Hussein K. demnach kein exzessiver Trinker gewesen, sondern er habe eher „in einem sozial verträglichen Rahmen“ Alkohol konsumiert. Die Haaranalyse sage aber nichts darüber aus, ob K. nicht zur Tatzeit des Mordes an Maria L. einen Vollrausch hatte, wie dieser selbst in seiner Aussage behauptet hat. Außerdem, so ergibt das Haargutachten, habe K. in den Monaten vor seiner Verhaftung tendenziell zunehmend gekifft und ab und an Heroin in kleinen Mengen konsumiert. Auch hier gilt: Über den Rauschzustand in der Mordnacht, in welcher K. die 19 Jahre alte Studentin Maria L. im Oktober 2016 an der Dreisam tötete, sagt die Haarprobe wenig aus.

Einer der drei zuletzt vernommenen Zeugen berichtete vor Gericht von abheilenden Kratzspuren am Oberkörper von Hussein K. in der Zeit nach dem Verbrechen. Der Zeuge war auch derjenige, der K. nach der Tat die langen, teilweise blond gefärbten Haare schnitt. Ein solches Haar fanden die Ermittler am Tatort, es half den mutmaßlichen Mörder zu überführen. Wichtig war in der Aussage des jungen Zeugen zudem ein kleines Detail: Ihm gegenüber habe Hussein K. oft traurig gewirkt, weil er seine Eltern im Iran vermisst habe, so der Zeuge. Hussein K. hatte in dem Prozess jedoch ausgesagt, dass sein Vater bereits tot sei und die Mutter allein in den Iran gegangen sei.

Gestritten wurde im Prozess zuletzt zudem über die Unterbringung von Hussein K. bei seiner Pflegefamilie in Ebnet, für die erst rückwirkend eine Genehmigung beantragt wurde. Verteidiger Sebastian Glathe macht hier „gerichtlichen Klärungsbedarf“ geltend, während Staatsanwalt Berger dies als eher unbedeutendes Detail wertet: Da K. zur Tatzeit ohnehin bereits erwachsen gewesen sei, sei er bei der Familie in jedem Fall „behördlich überversorgt“ gewesen. Für den Mord an Maria L. sei dies nicht von Relevanz. (MBB)

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