Markgräfler Bürgerblatt

Lynchmordprozess Neuenburg – Verhandlung schreitet nur langsam voran

Akram und Moustapha Y. begrüßen sich im Gericht. Im Hintergrund der Dolmetscher von M.Y. Foto: Salzer-Deckert

Akram und Moustapha Y. begrüßen sich im Gericht. Im Hintergrund der Dolmetscher von M.Y. Foto: Salzer-Deckert

Freiburg. Die Sommerpause ist vorbei, der Neuenburger Lynchmord vom Juni 2014 beschäftigt seit dieser Woche wieder die Richter am Freiburger Landgericht: Vier Männer stehen vor Gericht, dreien wird der gemeinschaftliche Mord an dem 27 Jahre alten Wohnsitzlosen Patrick H. vorgeworfen, der eine Woche vor seiner Ermordung die Schwester des Hauptangeklagten Akram Y. vergewaltigt haben soll.
Als Lockvogel sollte der damals 19 Jahre alte Duncan S. den mutmaßlichen Vergewaltiger für ein Drogengeschäft auf einen Pendlerparkplatz bei Neuenburg/Breisgau-Hochschwarzwald locken. Dort traf Patrick H. auf den Vater und den Bruder seiner früheren Schulkameradin, an derer sich vergangen haben sollte: Die Angehörigen der jungen Frau sannen auf tödliche Rache.
Mit dabei war neben dem damals 17 Jahre alten Akram Y. und seinem 48 Jahre alten Vater Moustapha Y. auch Timo P. (21), ein Freund Akrams. P. soll das Opfer zumindest zu Beginn der Tat festgehalten haben, während Akram Y. zustach. Moustapha Y. soll das Opfer mit einem Schlagstock verprügelt haben. Duncan S. floh noch während der Tat, an dem eigentlichen Mord war er nicht beteiligt, der Tatvorwurf gegen ihn lautet auf Körperverletzung mit Todesfolge.
Während die drei mutmaßlichen Mörder den Mordprozess äußerlich entspannt verfolgen, scheint Duncan S. völlig neben sich zu sein: Um überhaupt Angaben machen zu können, muss er vor Verhandlungsbeginn Valium einnehmen. „Sonst würde ich mich die ganze Zeit übergeben müssen“, so der junge Mann, der seit der Tat über 50 Kilo zugenommen hat und vor Gericht mit schleppender, monotoner Stimme aussagt, wie die zeitlichen Abläufe am Tattag vor Ort waren und wie er zusammen mit Timo P. geflüchtet ist. P. habe blutverschmierte Hände gehabt nach der Tat, so Duncan S.
Doch was sind die Aussagen des drogenabhängigen Kleindealers wert, der zur Zeit der Tat im Juni 2014 täglich zehn Haschischzigaretten und diverse weitere Suchtmittel konsumiert haben soll? Sebastian Glathe, der Verteidiger von Akram Y., will nun jedenfalls untersuchen lassen, ob Duncan S. überhaupt „aussagetüchtig“ ist. Auch Klaus Malek, der Verteidiger von Moustapha Y., hat sich diesem Antrag angeschlossen. Der Prozess wird Morgen fortgesetzt. Das Urteil wird Ende Oktober erwartet.(RD)

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