Markgräfler Bürgerblatt

Leserbrief zum Thema: „Tangonacht beim ZMF“

Wo Menschen agieren kommt Menschliches vor und nicht immer funktioniert alles reibungslos. Beim ZMF kam es im Verlauf einer „Tangonacht“ am vergangenen Wochenende zu einigen Friktionen, die ein Leser wie folgt schildert:
Tango und Terror

„Dass sich bei der Eventplanung schnell mal der eine oder andere Fehler einschleicht, gehört zum täglichen Brot eines jeden Veranstalters – wie man das leidtragende Publikum besser nicht besänftigt sondern gleich mehrfach buchstäblich im Regen stehen lässt, hat die Crew des ZMF Freiburg am vergangenen Samstagabend beispielhaft vorexerziert.
Freiburg im Breisgau, 23. Juli 2016: Ein vermeintlich lauer Sommerabend entwickelt sich zu einer ausgiebigen Wolkendusche, die wie gewohnt zahlreichen Besucher des ZeltMusikFestivals flüchten sich unter die wenigen Sonnenschirme und Vordächer der Gastronomiebetriebe. Für den heutigen Abend ist neben „Element of Crime“ im großen Zirkuszelt auch zur ZMF-Tangonacht eingeladen: Nach einem eher klassischen Konzert mit Bestuhlung war im Spiegelzelt die freie Milonga für alle tanzfreudigen Besucher beworben worden. Und hier steckte der Teufel im Detail: während diese im Printprogramm lediglich „Im Anschluss“ terminiert war, transportierte die Abendkasse und Pressemitteilungen im Vorfeld einen fixen Termin „um 22.30/23 Uhr“. Das Abendpersonal schob dies Versprechen immer weiter in die Nacht und begründete es mit verspätetem Konzertbeginn – extra angereiste Tangofreude harrten so, dem Anlass entsprechend in meist dünner, festlicher Abendgarderobe, auf dem Vorplatz der Lokalität aus und hofften auf baldigen Einlass ins eher mäßig ausgebuchte Zelt – die 50 bis 80 wartenden Personen hätten geschätzt gleich viermal Raum im ungenutzten Stehplatzbereich des Einganges gefunden, die freien Stühle gar nicht mitgerechnet. Die Türsteher versuchten zwischen den unterschiedlichen Vorinformationen und den sich ständig ändernden Auskünften der Abendkasse in nassen 300m Entfernung zu vermitteln und zu besänftigen – was gegen 23.30 Uhr unangenehm eskalierte: Nun war abermals Einlass versprochen worden, ca. 20 besonders ungeduldige Besucher traten an die Tür und hofften auf Erlösung aus der immer feucht-missmutiger werdenden Situation.

Die Türsteher blieben hart, in Folge der lebhaften Redebeiträge tauchte ein herbeigefunkter großvolumiger Security-Hüne auf, der das Spiel mit derberen Karten begann: Man solle schleunigst die Vortreppe räumen, sonst werde es heut Abend gar nichts mehr mit dem Tanzen. Und darauf die absolute Entgleisung, mit einem süßlichen Lächeln auf den Lippen: „Es gibt doch weit Schlimmeres als das bisschen Regen, anderswo werden Menschen getötet“ – und dies aus dem Munde einer Security-Kraft mit offensichtlich eigenem morgenländischen Migrationshintergrund, mit kurzrasiertem Schädel und schwarzem Vollbart! Bataclan, Paris, Würzburg, München – vielleicht die eigenen posttraumatischen Erlebnisse, was mag diesem Menschen zu solch einem Kommentar an Bildern durch den Kopf gegangen sein? Und was sollte es bei uns friedfertigen Gästen bezwecken – außer sprachlosem Entsetzen?
Immer stärker werdender Unmut erweichte schließlich doch die harte Gangart des Veranstalters, gegen Mitternacht wurde ein erster Teil mit der Bitte um Beeilung in einer Applauspause hineingelassen – um sich 20 Minuten später den offiziellen und letzten Rüffel anhören zu dürfen; der Zynismus der Situation wurzelt tatsächlich in höherer Ebene: Gegen Ende des Konzertes trat einer der Organisatoren auf die Bühne und schönfärbte, dass man ja „alles Erdenkliche“ getan habe, um der Situation Herr zu werden und den Nichtzahlern noch einen Einblick ins klassische Konzert gegönnt habe – was ja hoffentlich animiere, im nächsten Jahr gleich eine Karte für den ganzen Abend zu kaufen und nicht nur auf den Gratiseintritt einer Folgeveranstaltung hin anzureisen.
Danke ZMF, so behandelt man falsch informiertes, vollmundig eingeladenes Publikum. ZMF – Zum Mehren des Frustes. Alle Erlebnisse sind mit Augenzeugenberichten belegbar!“

 

Rolf, Tangofreund, Freiburg

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