Markgräfler Bürgerblatt

Leserbrief zu Thema „Hotel im Kurpark“

Kurhotel im Park: Hier die Fortsetzung des Märchens vom Schloss im Park. Alle Episoden des Märchens auf www.maerchen-vom-schloss-im-park.de

„Als nun der Hofmarschall und der König anfingen über ein deutliches Votum der Bürger gegen ein Schloss im Park nachzudenken, da kamen Sie auf eine wunderbare Idee. Ein Zauberer sollte den Bürgern die Schönheiten eines prächtigen Schlosses vorgaukeln, in den hellsten Farben und mit den schönsten Bildern und sie alle für das herrliche Bauwerk begeistern. Das Schloss  sollte eine noch nie dagewesene Pracht ausstrahlen und es würden dann viele edle Fürsten, Grafen und reiche Gäste aus fernen Landen in die kleine Stadt kommen und dies mit vielen Silber- und Goldtalern aufwiegen. Die Schatzkiste der kleinen Stadt war ja gut gefüllt, denn die Bürger waren verpflichtet ihren Zehnten, zum ersten Tag eines jeden Monats, an den König zu zahlen. So hatte der König genug in seiner Schatulle um einen Zauberer zu bezahlen. Die Bürger sollten sie also mit ihrem eigenen Geld dafür zahlen, dass sie ihre Meinung änderten, damit der König sein Schloss bekam. – Ein toller Plan!
Als nun die edle Rittersfrau, die Ritter, Knappen und Damen dieses aufkommende Gerücht vernahmen und dies dann anderen Bürgern kundtaten, da brach ein Sturm der Entrüstung aus. Hatten sie doch alle mit ihrer eigenen Kraft und beträchtlichen eigenen finanziellen Mitteln die Signaturen gegen den Bau des Schlosses gesammelt.
Nun sollte also, nach dem Willen des Königs und seines Hofmarschalls die Entscheidung, die Bürger zu dieser Sache zu befragen, durch einen Zauberer, seine schönen, verführerischen Worte und Bilder unterlaufen werden. Der schlaue Hofmarschall hatte mal wieder einmal seine Fäden gesponnen und diesen Plan in einer schlaflosen Nacht ausgeheckt. – Wie man die Bürger damit vielleicht hinters Licht führen könnte.
Nun hatten die Mitglieder des königlichen Hofrates doch vor einiger Zeit in geheimer Sitzung getagt, um über das königliche Schloss im Park zu beraten. Sie hatten damit die Absicht verfolgt, bei der bald danach anberaumten öffentlichen Zusammenkunft, eine mehrheitliche Entscheidung zu präsentieren. Einige der edlen Damen und Herren, die bei jeder Gelegenheit gerne das Wort führten, hatten dann bald nach der öffentlichen Tagung mit lauter Stimme ihre Meinung kund getan, dass sie der Auffassung waren, dass die aufmüpfigen Bürger der kleinen Stadt, und die edle Rittersfrau, (die doch ihre Anführerin war) in unverschämter Weise Informationen über die geheime Sitzung des Hofrates erhalten hätten. Sie hätten daher gewusst, was am Hofe geplant war, und hätten in der Folge dann ihre Botschaft, mit dem Gnadengesuch, an den Kaiser geschickt.
Dieses Vorgehen war aus der Sicht dieser Mitglieder der Hofrates sehr ärgerlich, da man doch alles über das Schloss im Park und das weitere Vorgehen des Hofes hinter verschlossenen und versiegelten Türen beraten hatte. Bei ihrer Beschwerde hatten diese edlen Damen und Herren jedoch nicht bedacht, dass zahlreiche andere ehrenwerte Mitglieder des königlichen Hofes, ihre Meinung dazu, schon vor geraumer Zeit öffentlich bekannt gemacht hatten. Weil sie zeigen wollten wie gut sie über alles Wichtige in der kleinen Stadt informiert waren und auch weil sie ein Interesse hatten, dass die Bürger kleinen Stadt informiert seien sollten. Deshalb hatten die aufmüpfigen Bürger von vielen Seiten und aus allen Himmelsrichtungen schon mehrfach gehört, was der König und sein Hofmarschall beabsichtigten und wie der Hofrat wahrscheinlich entscheiden würde.
Da die besagten Damen und Herren trotz der zahlreichen Einwände, weiterhin sehr ungehalten waren, verkündeten sie ihre Meinung einem jedem, ob er sie hören wollte oder nicht. Die Geschichte wurde dann von den aufmerksamen Schriftgelehrten in den Annalen der kleinen Stadt festgehalten. Unabhängig von dieser Sache, verkündete der König nun, dass am ersten Tag des zweiten Monats des kommenden Jahres über den Verkauf des Grundstücks im Park von den Bürgern abgestimmt werden sollte.“
Peter Krusche, Bad Krozingen

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