Markgräfler Bürgerblatt

Kripomann unter Korruptionsverdacht

Landgericht Freiburg:

Freiburg. Seit dieser Woche steht in Freiburg ein 57 Jahre alter Kripo-Mann vor dem Landgericht, dem unter anderem Bestechlichkeit und Verrat von Dienstgeheimnissen vorgeworfen werden. Rund 80 Vergehen soll der Mann zwischen 2008 und 2012 begangen haben. Als ihm im März 2016 deshalb der Prozess gemacht werden sollte, türmte er kurzerhand nach Marokko, wo er im vergangenen Juni nach dreimonatiger Flucht verhaftet werden konnte. Seit seiner Auslieferung durch die marokkanischen Behörden im Januar sitzt der Mann nun in Deutschland in U-Haft. Er soll unter anderem als „Vertrauenspersonen-Führer“ seine Kontakte ins kriminelle Milieu genutzt und wiederholt Polizeigeheimnisse verraten haben, bestechlich gewesen sein und Polizeidaten verkauft haben. Unter anderem an einen Unternehmer aus Marokko, der so im Geschäft mit der Überführung von Fahrzeugen Vorteile gegenüber seinen Mitbewerbern erhielt. Einem mittlerweile verurteilten Vergewaltiger soll der Angeklagte aber auch für mehrere Tausend Euro angeboten haben, Ermittlungsakten zu manipulieren und so den Täter zu entlasten. Auch aus Drogengeschäften soll der Polizist Profite erzielt, Betrüger vor Polizeirazzien gewarnt haben. Außerdem steht der Kripo-Mann im Verdacht, Vertrauensleute der Polizei aus dem Milieu unter anderem an Rocker verpfiffen zu haben. Mit seinem mittlerweile verurteilten Sohn zusammen soll der Polizist sich zudem auch noch als Hehler von Diebesgut betätigt haben. Trotz aller Vorwürfe lebte der vom Dienst suspendierte Kripobeamte vor seiner Flucht im März 2016 auf freiem Fuß in einer Kaiserstuhlgemeinde bei Freiburg. Man ging, so Oberstaatsanwalt Michael Mächtel im vergangenen Jahr, von „halbwegs geordneten Verhältnissen“ aus, weshalb keine Verdunklungs- oder Fluchtgefahr gesehen wurde. Erst als der Verdächtige seinen Prozess platzen ließ, wurde Haftbefehl erlassen. Für den Prozess sind zehn Verhandlungstage vorgesehen. Das Urteil soll im Juli ergehen. (MBB)

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