Breisach Aktuell

Kontroverse Diskusionen bei Mitgliederversammlung des Turnvereins Breisach

Für 20 Jahre Mitgliedschaft wurden mit der silbernen Ehrennadel Wilfried Bachmann, Michael Böhme, Klaus Bormuth, Gertrud Reisch sowie Christa und Richard Vogel geehrt. Die goldene Ehrennadel erhielten Christa Baumgartner, Margarete Kowalitzki, Verena Sacherer und Bernd Bräutigam für 30 Jahre Mitgliedschaft. Ursula Herth, Mathias Posz und Waltraud Bauer erhielten die Auszeichnung für 40 Jahre Mitgliedschaft, ebenso Peter Haist, Christa Hensle, Hans Joswig und Gerda Obert für ihre 50 Jahre Mitgliedschaft. Bei der Gauehrung wurden Waltraud Bauer und Gerhard Hensle ausgezeichnet. Bild: Eberhard Kopp

Gewitter reinigen die Luft, die wörtliche Textübersetzung des Liedtextes O Sole Mio lautet: „Wie schön ist ein sonniger Tag, die klare Luft nach einem Sturm…“. Ähnlich die Situation gegensätzlicher Darstellungen zum Zustandekommen einer höchst umstrittenen Vorstandsentscheidung im TV Breisach.
Seit der Mitgliederversammlung liegen die Argumente nun auf dem Tisch. Zur Lösung des kommunikativen Problems existiert seit dieser Versammlung auch ein salomonischer Lösungsvorschlag von Bürgermeisterstellvertreter Lothar Menges von der Stadt Breisach, denn an eine Einigung aus eigener Kraft war am Abend nicht zu denken. Zu starr die Fronten der Beteiligten durch die Abteilung Karate und der Vorstandschaft des TV in Bezug auf die beschlossene Schließung der Abteilung Karate. 40 Jahre hatte die Abteilung  mit ihren 50 Mitgliedern im TV ihre Heimat und nun sollen sich die Karatekas beim TV ausgesondert beim ASV Niederrimsingen etablieren.
Starr bleiben die Fronten auch während der Mitgliederversammlung. Kein aufeinander zugehen, kein Wille erkennbar, den eigenen Standpunkt in der Versammlung zur Diskussion zu stellen. „Es gibt keine einfachen Lösungen für sehr komplizierte Probleme. Man muss den Faden geduldig entzerren, damit er nicht reißt“, sagte Michail Gorbatschow einmal, der damit auch Deutsche Geschichte geschrieben hat. Die Vorstandschaft hat  die Entscheidung, die Karateabteilung Ende des Jahres 2016 zu schließen nach eigener Darstellung nach Abwägung der Fakten wegen nicht ausreichender Hallenkapazitäten beschlossen. Die Karateübungsstunden am Montag werden damit künftig ab dem Jahr 2017 dem wachsenden Reha Sport zugeschlagen, der dort schon weitere Übungsstunden hat und beim Training einen Arzt mit dabeihaben muss. Logische Überlegungen also. Übrigens ist der Reha Sport auch ein wirtschaftlicher Faktor, denn die Gewinn- und Verlustrechnung 2015 weist positive Einnahmen durch die Krankenkassen aus. Dr. Erwin Grom, der die Prävention Reha Sport im TV Breisach leitet, erklärte aber klar und deutlich, dass er nicht für das Kappen der Übungsstunden der Karateabteilung verantwortlich ist. „Ich habe dies nicht betrieben“ sagte Grom deutlich.
Die Karateabteilung sei laut der Vereinsvorsitzenden Dagmar Ewert-Groh eingeladen worden zur Diskussion vor dem Vorstandsbeschluss, habe aber die Sitzung sehr schnell wieder verlassen, so dass es in der Folge zum einsamen Vorstandsbeschluss kam. Danach habe man die Interessen der Karateabteilung dennoch fürsorglich vertreten und ihnen durch Verhandlungen einen freiwilligen Neuanfang beim ASV Breisach-Niederrimsingen ermöglicht und den Mitgliedern ein Kündigungsrecht bis zum 31.12.2016 eingeräumt. Die Karateabteilung schilderte das Problem in der Mitgliederversammlung anders. Man sei zum Termin gekommen und sei dabei aber schon von der Schließung der Karateabteilung informiert worden. Daraufhin habe man sich alleine wegen dieser Tatsache zurückgezogen. Auch weil in der Satzung steht, dass bei Vorstandsentscheidungen, die eine Abteilung betreffen die Übungsleiter hinzuzuziehen sind. Dies sei nicht der Fall gewesen und damit der Beschluss auch nicht rechtens. Die Karateabteilung setzte sich bei der Mitgliederversammlung mit 40 Stimmen mit einem Antrag zur Diskussion zur Schließung der Karateabteilung bei insgesamt 69 Stimmberechtigten durch.
Die Vorstandschaft hatte sich jedoch für den Abend mit Rechtsanwalt Gerhard Geckle gewappnet und ihn in die Versammlung eingeladen. Dieser erklärte der Versammlung, dass der Vorstandsbeschluss trotz Nichteinladung der Übungsleiterin Ulrike Bühler gültig sei. Dies deswegen, weil hier von einem  Gewohnheitsrecht auszugehen sei, denn in der Praxis seien die  Vorstandsentscheidungen bisher immer ohne Übungsleiter verlaufen. Eine Heilung dessen könne eine Versammlung erst nach Neuansetzung und entsprechender Information aller Vereinsmitglieder durch Beschluss auf den Weg bringen.
Damit verblieb weiterhin der Status Quo in der Versammlung. Lothar Menges richtete einen  Vorschlag insbesondere an die Karateabteilung: „Gehen sie jetzt übergangsweise nach Niederrimsingen zum trainieren mit Verbleib der Mitgliedschaft im TV Breisach. Wenn dann die neuen Hallenkapazitäten geschaffen sind, welche bereits planerisch erfasst werden, kommen sie wieder zurück zum trainieren in der Stadt Breisach und sind noch immer Mitglieder des TV Breisach.  Die Stadt Breisach garantiert, dass sie dann diese Trainingsmöglichkeiten haben werden. Und der Vorstandschaft empfahl Menges auch dringend den Beschluss genau dahingehend zu revidieren.
Ohne jeden konkreten Zugzwang lehnte sich allerdings auch keiner der festgefahrenen Beteiligten richtungsweisend zur Sache aus dem Fenster. Die TV Vorsitzende Ewert-Groh gab zu Protokoll, dass die Vorstandschaft im Januar 2017 den städtischen Vorschlag überdenken werde und mit einem weiteren Vorstandsbeschluss auch entscheiden werde. Möglicherweise kommt es dann auch zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung. Nach Diskussion verlängerte sie deswegen die Möglichkeit der außerordentlichen Kündigung bis zum 31.1.2017. Im Vorfeld der Mitgliederversammlung hatten sich „die Einen“ als Gruppe Karate durch einen Einzelnen auf Grund einer eMail an den jungen Vereinsrechner Tobias Holderer schon selbst diskreditiert, weil sich niemand öffentlich distanzierte. „Junger Schei….“ lauteten des Schreiberlings liebe Grußworte an Holderer in einer eMail. Dabei hat Holderer in der Mitgliederversammlung  einen positiven, detaillierten und übersichtlichen Kassenbericht vorgelegt und es hagelte trotz der eindeutigen Entlastungsempfehlung der Vorstandschaft durch die Kassenprüfung drei Gegenstimmen und 29 Enthaltungen von 69 stimmberechtigten Vereinsmitgliedern bei einem steigenden Mitgliederstand von derzeit 1262. Ein deutlicher Fingerzeig  in der Mitgliederversammlung an die beiden jungen Vorstandsmitglieder Holderer und Xenia Abele mit erworbener C-Lizenz zum Vereinsmanager durch den Badischen Sportbund, wie schwierig das Ehrenamt in Verantwortung werden kann. Es ist den beiden jedoch ausdrücklich zu wünschen, dass sie auch mit diesem Druck unter der Gürtellinie umzugehen verstehen und ihre Freude für die Verantwortung im Ehrenamt behalten. „Die Anderen“, die Vorstandschaft hat auch Schwierigkeiten mit dem Thema umzugehen, denn schlussendlich war von der Vorstandschaft vorgesehen, die unabhängige Information der Öffentlichkeit während der Mitgliederversammlung der Presse nicht zu ermöglichen. Dafür wurde  zuvor eine profane Information der Vorstandschaft  zur Mitgliederversammlung mit den reinen Vereinsdaten ohne konkreten Hinweis auf das Gemengelage durch die beschlossene Schließung der Karateabteilung anberaumt. Leider stehen sich da zwischenzeitlich wohl zwei nicht versöhnungsbereite und unversöhnliche Partner gegenüber, die jeweils auf ihrer Sicht beharren. Einsicht, Transparenz, Respekt und  Anerkennung, in der Mitgliederversammlung nicht erkennbar. Gerade das hatte Michael Fuß der Vorsitzende der Vereinsgemeinschaft und einige wenige Vereinsmitglieder sowie Lothar Menges während der Versammlung insbesondere auch für die vielen anderen Vereinsmitglieder eingefordert. Insgesamt 4800 Sportstunden im Geschäftsjahr mit 45 Übungsleitern. Das ist eine stolze Gesamtleistung, die derzeit geradezu mit Füßen getreten wird. Auch die Ehrungen verliefen deswegen recht blass. Und die zu ehrenden Mitglieder der Karateabteilung wollten sich dabei derzeit auch nicht geehrt wissen. Die Rücktrittsankündigung der Vorsitzenden Ewert-Groh zur nächsten Mitgliederversammlung war klar. Ob der Zustand des Vereins bei ihrer Übergabe des Vereins an einen Nachfolger bei der nächsten Mitgliederversammlung im Jahr 2018 in neue Hände dabei auch klar sein wird, entscheidet sich mit im Januar 2017. Grundsätzlich kann eine Krise auch ein produktiver Zustand sein, wenn man dieser den Beigeschmack der Katastrophe nimmt. Dafür ist es auch nie zu spät. Text: Eberhard Kopp

Teilen Sie jetzt diesen Beitrag! Unsere Sharing-Buttons stehen im Einklang mit dem deutschen Datenschutzrecht.

Das könnte Dich auch interessieren …