Breisach Aktuell

In Freiburg kommt das Stadtjubiläum in die Gänge

Vorhang auf, der Spaß beginnt

Freiburg. Der Vorhang hebt sich, die Party kann beginnen: Mit der Ausstellung „freiburg.archäologie – 900 Jahre Leben in der Stadt“ im Freiburger Augustinermuseum haben die Feierlichkeiten für das 900-jährige Jubiläum der Stadtgründung begonnen. Funde aus zwei Jahrhunderten Grabungsgeschichte stehen im Mittelpunkt der gemeinsam mit der Landesdenkmalpflege konzipierten Schau in der großen Ausstellungshalle im Untergeschoss des Museums.

Tilmann von Stockhausen, der Leitende Direktor der Städtischen Museen Freiburg, erklärt, was den Machern dabei ganz besonders am Herzen liegt: „In den vergangenen 200 Jahren haben in Freiburg über 400 archäologische Grabungen stattgefunden, die das Alltagsleben der Menschen in der Stadt sehr gut dokumentieren.“ Es gehe den Machern also nicht um Fürsten oder Bürgermeister, sondern um den Alltag der Bevölkerung und die Frage: wie haben die Menschen gelebt? „Das ist ein sehr passender Auftakt zum Jubiläum, denke ich. Und da gibt die Archäologie bessere Antworten als alte Schriftstücke, die in der Regel wenig erzählen vom Leben der einfachen Leute.“

Die Ausstellung nimmt sich die Geschichte von vier Freiburgern vergangener Zeiten zum Ausgangspunkt, deren Skelette bei einer Grabung auf dem Münsterplatz entdeckt wurden, wo es im Mittelalter einen Friedhof gab. „Anhand der Untersuchung dieser Knochenfunde erfährt man viel über das Leben, die Gesundheit und den sozialen Stand der Menschen. Wir haben den Personen fiktive Namen und Biographien gegeben und lassen sie durch lebensgroße Illustrationen auferstehen“, erklärt von Stockhausen: Die junge „Ida“ beispielsweise sei mit 16 Jahren gestorben. „Da war sie gerade zum zweiten Mal schwanger. Es ging ihr nicht gut: Sie war mangelernährt und hatte schlimme Karies.“

Man begreife Archäologie aber nicht nur als eine Geschichte des Mittelalters, sondern sie gehe bis heute weiter: „Wir zeigen auch Funde, die von den fatalen Folgen der Bombardierung Freiburgs im November 1944 berichten. Eine zerstörte Schreibmaschine zum Beispiel, die durch die Hitze des Feuers eingeschmolzen ist.“ Es gebe aber auch Kurioses zu entdecken: „Die kuriosesten Funde stammen wohl aus der sogenannten „Augustinerlatrine“. Das ist die einstige Toilette des Augustinereremitenklosters, die damals aber auch öffentlich genutzt wurde. Sie wurde 1986 entdeckt und enthielt unter anderem zwei hölzerne Brillengestelle ohne Gläser, einen Goldring, ein gut erhaltenes „Trick-Track“ Spiel und ein wunderschönes Jesus-Figürlein: „Man fragt sich schon, wie das alles dahin kam.“

 

Stadt-Jubiläum Freiburg „900 Jahre jung“

Die Ausstellung „freiburg.archäologie – 900 Jahre Leben in der Stadt“ ist bis zum 4. Oktober 2020 im Augustinermuseum zu sehen.

Das Museum für Stadtgeschichte in Freiburg zeigt ab parallel dazu „freiburg.archäologie – 200 Jahre Forschen in der Stadt“.

Die Ausstellung „freiburg.archäologie – Leben vor der Stadt“ über Funde aus der Zeit vor der Stadtgründung im Museum für Archäologie im Colombischlössle beginnt im Mai. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr, Eintritt (incl. alle weiteren städtischen Museen in Freiburg): 7/5 Euro

Katalog zur Ausstellung: 24,80 Euro an der Museumskasse bzw 29,95 Euro im Handel.

Von Stefan Pawellek.

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