Markgräfler Bürgerblatt

ImmobilienMarkt Markgräflerland – Interview mit Bad Krozingens Bürgermeister Volker Kieber

„Die schwierige Situation verlagert sich ins Umland!“

Foto: privat

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Die Immobilienpreise steigen, immer mehr Menschen können sich begehrte Städte wie Freiburg oder Lörrach nicht mehr leisten und ziehen ins Umland. Es entsteht eine „Welle“, die die Bürgermeister der Gemeinden des Markgräflerlandes vor neue, schwierige Probleme stellen. Das Markgräfler Bürgerblatt sprach darüber mit Bad Krozingens Bürgermeister Volker Kieber.

 

?: Wie stark sind die Preise für Wohnraum in den vergangenen Jahren gestiegen? War dieser Anstieg außergewöhnlich? Was kostet im Schnitt der Quadratmeter Mietwohnung bzw. Eigenheim?

Bürgermeister Volker Kieber: Genauere Zahlen zu der Mietentwicklung von Mietwohnungen und der Preisentwicklung von Eigentumsmaßnahmen liegen der Stadt Bad Krozingen leider nicht vor. Neubauwohnungen werden derzeit zu Mietpreisen – abhängig von der Größe der Wohnung – ab 10 Euro/m² am Markt angeboten. Neu gebaute Eigentumswohnungen können von den verschiedenen Bauträgern zu einem Preis von ca. 3.300 – 3.700 Euro/m² erworben werden. Für besondere Wohnungstypen und Lagen werden noch höhere Preise erzielt.

?: Was sind die Ursachen?

Kieber: Aufgrund der räumlichen Nähe und der sehr guten verkehrlichen Anbindung zur Universitätsstadt Freiburg verlagert sich die immer schwierigere Wohnungsmarktsituation in die Umlandgemeinden um Freiburg und entlang der Bahnachsen. Dies ist vor allem bei der Neuvermietung von Wohnungen als auch bei den zu erzielenden Grundstückspreisen für eigengenutzte Grundstücke erkennbar.

?: Wie kann man dieser Entwicklung begegnen?

Kieber: Bad Krozingen hat in den letzten Jahren mit der Ausweisung von neuen Wohnbaugebieten aktiv versucht, dieser Entwicklung entgegenzutreten. Exemplarisch sind hierbei die größeren Neubaugebiete Kurgarten I und II, Hippenäcker in Biengen und Gißiebelweg in Tunsel zu nennen.

?: Was können Gemeinden aktiv tun, um für ihre Bürger erschwinglichen Wohnraum zu schaffen?

Kieber: Die Stadt BK hat es in dem Neubaugebiet Kurgarten II im Rahmen eines Investorenwettbewerbes erreicht, dass dort auf einer Teilfläche auch rund 140 preiswerte Mietwohnungen entstehen werden. Im Rahmen eines zweistufigen Auswahlverfahren wurden dabei Investoren gefunden, die sich im Zuge des Grunderwerbes von der Stadt auch verpflichtet haben, einen Teil der zu errichteten Wohnungen als preiswerte Mietwohnungen zu realisieren. Ein Teil dieser Wohnungen sollen im Rahmen des Landeswohnungsbauprogramm 2015/16 gefördert werden. Die Miete für diese Wohnungen liegen zwischen ca. 6,50 – 8,00Euro/ m² Wohnfläche.

?: Wann ist nach Ihrer Erwartung das Ende des Zuzugs erreicht? Sind die Gemeinden des Markgräflerlandes die Zuflucht für Bürger, die sich Freiburg oder Lörrach nicht mehr leisten können?

Kieber: Aufgrund der sehr angespannten Wohnungssituation in Freiburg und der günstigen Verkehrsanbindung von Bad krozingen nach Freiburg wird weiterhin eine hohe Nachfrage nach Wohnraum vorhanden sein. Im Hinblick auf das neue Baugebiet Kurgarten I + II und die dort eingeplanten ca. 2.000 – 2.500 Einwohner hat Bad Krozingen auch den weiteren Zuwachs ab 2015 eingeplant. Insbesondere beim Kauf von eigengenutzten Grundstücke ist die angesprochene Flucht ins Markgräflerland sehr deutlich zu erkennen.

?: Niedrige Zinsen lassen viele ins „Betongold“ flüchten: fürchten Sie eine Blase?

Kieber: Bedingt durch das weiterhin günstige Zinsniveau und den hohen Mietpreisen ist der Erwerb und Finanzierung eines Kaufobjektes für viele Familien eine attraktive Lösung. Zu befürchten ist, dass nach Auslaufen der Zinsbindung und eines gleichzeitigen Anstieges der Kapitalmarktzinsen diese Personen Schwierigkeiten haben, eine entsprechende Anschlussfinanzierung sicherzustellen.

?: Ein Immobilienmakler sagte kürzlich: „Unser Problem sind nicht die Immobilienpreise, unser Problem ist, dass es keine Immobilien mehr gibt!“ Würden Sie dem zustimmen?

Kieber: Das niedrige Niveau des Kapitalmarktes verstärkt die hohe Nachfrage nach Immobilien als Kapitalanlage. Das Angebot kann mit dieser Nachfragesituation derzeit sicherlich nicht mithalten. Zudem wird es für Städte und Gemeinden zunehmend schwieriger, die Weiterentwicklung von Wohnbauflächen voranzutreiben, wenn die Flächen nicht in öffentlicher Hand sind und zum Beispiel betroffene Landwirtschaftsbetriebe ihre Existenzgrundlage verlieren könnten.

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