Im Blauen Haus

Auf einmal keine Rechte mehr? Foto: Susanne Doll

Die Klasse 9c der Hugo-Höfler-Realschule Breisach informierte sich im Blauen Haus über den Alltag von Breisacher Juden in der NS-Zeit

„Wie sieht denn euer Alltag aus?“ fragt Valeska Wilczek und blickt in die Runde. 28 Schülerinnen und Schüler sitzen im ehemaligen Schul- und Wirtsraum des Blauen Hauses und grübeln kurz. Dann notieren sie auf großen, auf dem Boden ausgelegten Papierbögen, was typisch für ihr tägliches Leben ist. Freunde und Internet, Sport, Schule, Kino oder Reisen ist da etwa zu lesen.

Ob sie sich denn vorstellen können, das alles plötzlich nicht mehr zu dürfen, will die Bildungsreferentin der Gedenkstätte  weiter wissen. Manche schütteln den Kopf – wer sollte ihnen das verbieten? „Es gab eine Zeit in Deutschland, in der Juden genau dies verschlossen war“, führt sie dann weiter aus. 

Veranschaulicht wird diese Reise in den jüdischen Alltag von damals durch Fotos, die dem Blauen Haus von emigrierten Juden oder deren Nachfahren zur Verfügung gestellt worden waren.

Und eine Zeitleiste an der Wand zeigt die verhängnisvollen Stationen der Entrechtung der Juden im Nazistaat. „Eigentlich wurde den Menschen Schritt für Schritt alles genommen, was den Menschen ausmacht – zuletzt das Leben“ gibt Andreas N. Vetrone, aktives Mitglied im Förderverein des Blauen Hauses, zu bedenken.

Die nächste Aufgabe: anhand von biografischem Material und in verteilten Rollen erarbeiten die Schüler in Kleingruppen Interviews mit den verfolgten Breisachern. Das Ergebnis stellen sie der ganzen Klasse vor. Dabei wird sehr schnell deutlich, mit welchen Einschränkungen die betroffenen Jugendlichen damals leben mussten. So durften sie sich mit nicht-jüdischen Freunden nicht mehr treffen, mussten zur „Jüdischen Zwangsschule“ nach Freiburg fahren, aus Vereinen austreten und vieler Schikanen mehr.

Auch das tragische Leben des Breisacher Kantors Michael Eisemann kommt zur Sprache, der bis 1938 im Blauen Haus mit seiner Familie gelebt hatte und nach der Reichspogromnacht ins KZ Dachau verschleppt worden war. Der Verzweifelte nahm sich nach der Rückkehr in Freiburg das Leben.

Mit einem Eintrag im Gästebuch endet dann der Vormittag im Blauen Haus für die jungen Besucher, die von ihrer Klassenlehrerin Susanne Doll und dem Geschichtslehrer Oliver Staib begleitet wurden.

„Es war sehr interessant und hat uns gezeigt, dass die Rechte und Möglichkeiten, die wir heute haben, nicht selbstverständlich sind“, fasst ein Schüler seine Eindrücke zusammen. „Deshalb ist es unsere Aufgabe dafür zu sorgen, dass wir die Demokratie, die uns diese Rechte garantiert, hochhalten“, stellte seine Klassenkameradin abschließend fest.

Text: Elmira Avdulli und Juliette Gorr

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