Markgräfler Bürgerblatt

Hohe Erzählkunst beim Märchenabend

Märchenstunde mit Juliane Schieder. Foto: privat

Bürgerstiftung Ballrechten-Dottingen:

Ballrechten-Dottingen. Auch 2017 war die Pfarrscheune wieder gut besucht als es hieß „An Nachtfeuern der Karawan-Serail“. Ein abgedunkelter Raum, viel Kerzenlicht und orientalische Dekoration erzeugten eine besondere Atmosphäre des Exotischen. Vor einem Originalparavent sitzend, berichtete Juliane Schieder, wie sie als kleines Mädchen in Kontakt mit Elsa Sophia Kamphoevener und ihren Erzählungen und Märchen kam. Spannend erzählte sie zudem von dem Leben und Wirken dieser begnadeten Erzählerin.

1894 folgte die vierjährige Elsa mit ihrer Mutter dem Vater nach Istanbul. Dieser war als Beauftragter Kaiser Wilhelms II. beim Herrscher des Osmanischen Reichs, Sultan Sultans Abdul Hamid II., tätig. Bei Besuchen im Palast des Herrschers, mit dessen Tochter Elsa befreundet war und auf ihren Streifzügen durch Istanbul lernte sie nicht nur das Leben im osmanischen Reich kennen, sondern begeisterte sich vor allem für die Märchenerzähler und deren Geschichten. Als sie im Alter von 14 Jahren, begleitet von dem zuverlässigsten Diener des Hauses, das Land erkundete, begeisterte sie sich weiter für diese Profession. Bemerkenswert war, dass jeder Märchenerzähler seine eigenen Märchen hatte, diese auch nur selbst erzählen durfte und es nicht erlaubt war, sie zur Weitergabe aufzuschreiben. Auf den Spuren der Karawanen gab es als Versorgungs- und geschützte Übernachtungspunkte die Karawan-Serail. Hier wurde Elsa mit Ferit, dem wohl angesehensten Märchenerzähler bekannt. Obwohl seit Geburt blind zog Ferit seine Zuhörer mit besonders plastischer und verständlicher Erzählweise in seinen Bann. Bei einer Erkrankung Ferits erhielt Elsa, als verkleideter Jüngling, die einmalige Chance, die Geschichten Ferits zu erzählen und fand dadurch ihren Weg zur Erzählerin. Dieser Leidenschaft entsprach Elsa dann auch während des 2. Weltkriegs, wo sie als Märchenerzählerin zu Truppen nach Skandinavien ging.

Mit Ihren Erzählungen entführte Schieder die Anwesenden schnell in eine geheimnisvoll anmutende andere Welt. Mit der gelungenen Abwechslung von erzählen, lesen und vorspielen von Originaltexten erzeugte sie eine wohltuende Spannung bei den Zuhörern. Diese hielt auch nach dem Ausklang mit einem der schönsten Märchen der Elsa von Kamphoevener an. (HWS)

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