Markgräfler Bürgerblatt

Gutachter beweisen: Täter ist längst erwachsen

Laut Anthropologin Ursula Wittwer-Backofen ist Hussein K. eindeutig älter als die von ihm angegebenen 19 Jahre und dürfte somit nach Erwachsenenrecht verurteilt werden. Foto: Salzer-Deckert

Prozess Hussein K.:

Freiburg. Nun ist es amtlich: Der Mordverdächtige Hussein K. war zum Zeitpunkt seiner Festnahme mit einer Wahrscheinlichkeit von nahezu 100 Prozent bereits zwischen 22,05 und 29,5 Jahre alt. Dies hat ein wissenschaftliches Gutachten der Freiburger Anthropologin Ursula Wittwer-Backofen ergeben, die einen gezogenen Zahn des Angeklagten untersucht hat, der im Zimmer des jungen Mannes gefunden wurde.

Für die Untersuchung wurden sogenannte „Banden“ im Wurzelbereich des Zahns gezählt. Diese „Banden“ aus „Zahnzement“ werden im Lauf der Jahre wie Altersringe bei einem Baum um die Zahnwurzel herum angelegt und sind nur unter dem Mikroskop erkennbar. Wittwer-Backofen zufolge ist der Angeklagte im Prozess um den Mord an der 19 Jahre alten Studentin Maria L. im Oktober 2016 demnach mit einer Wahrscheinlichkeit von 68 Prozent 25,8 Jahre alt gewesen, als ihm der Zahn im Februar 2016 gezogen wurde. Zu sogar 99,7 Prozent ist Hussein K. laut der Gutachterin mindestens 22,05 Jahre alt gewesen, als der Zahn acht Monate vor dem Mord gezogen wurde. Daraus ergibt sich: Selbst bei einer großzügigen Berechnungsgrundlage, unter Berücksichtigung einer sogenannten dreifachen Standardabweichung, war Hussein K. mindestens 22 Jahre und acht Monate alt, als er Maria L. vergewaltigte und tötete. Möglicherweise ist er aber auch schon viel älter. Klar ist jedenfalls: Die Altersbehauptung des Angeklagten, er sei heute lediglich 19 Jahre alt, ist damit praktisch vom Tisch. Eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht wird immer wahrscheinlicher. Dass der Zahn vom Angeklagten stammt ist unstrittig: Eine DNA-Untersuchung hat ergeben, dass der Zahn mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 423 Trillionen von Hussein K. stammt. Nur ein eineiiger Zwilling würde vergleichbare genetische Daten aufweisen.

Ein weiteres Gutachten des Verkehrssachverständigen Ulrich Löhle hat zudem die Schlussfolgerung nahegelegt, dass K. nicht wie behauptet am Boden kauerte und Maria L. in der Tatnacht vom Fahrrad trat, sondern dass er sich ihr kurzfristig in den W eg stellte und gezielt in den Lenker griff, um sie zu überfallen. Ebenfalls gutachterlich bestätigt ist, dass Hussein K. sein Opfer offenbar mit der Hand missbraucht hat: Seine DNA wurde nicht nur an sondern auch in der Toten entdeckt. Spermaspuren fanden sich hingegen nicht. Am vergangenen Donnerstag wurde der angeklagte zudem ein weiteres Mal durch einen ehemaligen Mithäftling aus der U-Haft belastet: Der Mann betonte in seiner zweiten Vernehmung, dass K. nicht aus Afghanistan stamme, sondern im Iran geboren sei und dass Hussein K. erwähnt habe, bereits bei seiner Haftentlassung 2015 in Griechenland, wo er wegen eines Mordversuchs im Gefängnis war, 26 Jahre alt gewesen zu sein. (MBB)

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