Breisach Aktuell

Globalisierung und die Folgen

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Corona-Virus:

Freiburg. 3.044 Tote sind bisher laut der Johns Hopkins Universität, Baltimore, USA, durch den Corona-Virus zu beklagen, 91.072 Menschen in 69 Ländern haben sich infiziert, in Europa leidet Italien mit 1.694 Infizierten derzeit am heftigsten. Und die Einschläge kommen immer näher: in Deutschland wurden bis zum vergangenen Wochenende dem Robert-Koch-Institut zufolge 157 Fälle von Infizierten bestätigt, davon 74 in NRW und über 30 in BW, sechs sind es nun im Großraum Freiburg.
Hamsterkäufe führen in einzelnen Lebensmittelgeschäften zu leeren Regalen. Viele Menschen ziehen sich in die eigenen vier Wände zurück. Dabei – trotz aller Vorsicht, die sicher angebracht ist – gibt es keinen Grund zur Panik: die weitaus meisten Fälle sind nicht gefährlich, fühlen sich wie eine Grippe oder eine starke Erkältung an. Eher gefährdet sind MitbürgerInnen über 60 mit Vorerkrankungen, beispielsweise Herz- oder Lungenleiden.
Am vergangenen Wochenende hat sich hier die Zahl der bestätigten Fälle von Corona-Infektionen auf sechs erhöht; vier davon haben ihren Wohnort im Freiburger Stadtgebiet, zwei im Landkreis. Angesichts dieses Anstiegs bittet Freiburgs-OB Martin Horn um Ruhe und Besonnenheit: „Wir nehmen die aktuelle Situation sowie die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger sehr ernst. Alle Akteure arbeiten professionell und gut abgestimmt zusammen. Wir tun das Mögliche und das Nötige zur Eindämmung.“ Jeder der identifizierten Freiburger Fälle ist bisher mild verlaufen; alle betroffenen Personen sind in einem stabilen Gesundheitszustand.
Das ist erfreulich, doch an der Krankheit hängt noch mehr: So teilt die IHK Freiburg mit, dass eine Blitzumfrage zum Coronavirus, die am 27. Februar veröffentlicht wurde, ergab, dass es in China kein deutsches Unternehmen gibt, das nicht vom Corona-Virus betroffen wäre, 60 Prozent nach eigenen Angaben sogar schwer. Chinesische Industriewaren haben einen Anteil von 9,4 Prozent an den deutschen Importen von Vorleistungsgütern – allen voran Elektronik. Laut dem DIHK ist China für die deutsche Wirtschaft seit 2016 der wichtigste Handelspartner. Das deutsch-chinesische Handelsvolumen beträgt rund 200 Mrd. Euro pro Jahr. In China sind etwa 5.200 deutsche Unternehmen aktiv, die vor Ort rund 1,1 Mio. Arbeitsplätze geschaffen haben. Daraus ergeben sich Verflechtungen, die auch Südbaden betreffen – viele Firmen haben hier Geschäftsbeziehungen aller Art nach und von China – oder Italien.

Eine IHK-Umfrage ergab, dass 29,2 Prozent der hiesigen Unternehmen Umsatzeinbußen durch das Corona-Virus haben; 29,4 Prozent der Betriebe melden Lieferengpässe, 48,1 Prozent der Unternehmen verzichten derzeit auf Geschäftsreisen.
Reisen werden eingestellt, Messen werden verschoben oder abgesagt, zusätzliche Hygienemaßnahmen wie desinfizieren von LKW, Handdesinfektion, Mundschutz und Desinfektion bei Besuchern werden angewandt, „Quarantäne Lager“ eingerichtet, wo importierte Ware über die mögliche Inkubationszeit vor der Weiterverarbeitung gelagert wird.

IHK wie Unternehmerverbände räumen ein, dass Corona stärkere Auswirkungen auf die Wirtschaft habe als SARS vor 17 Jahren. Damals wurden keine Millionenstädte von der Außenwelt abgeschnitten oder wochenlang Produktionen gestoppt. Das macht Fachleute skeptisch, wie es nun weitergeht. DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier sagt: “In einer ohnehin geschwächten Wirtschaftslage in Deutschland droht die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu einem wahren Konjunkturhemmer zu werden”.

Dies sieht auch die IHK Freiburg so. „Festhalten kann man, dass man jetzt in einer neuen Phase ist, nachdem sich die Übertragungswege kaum mehr nachvollziehen lassen und auch das Alltagsleben in Deutschland erfasst wird. Jetzt geht es nicht mehr nur um Lieferketten oder verringerten Export, sondern auch darum, dass Betriebe unter Umständen in Deutschland nicht mehr produzieren können, Veranstaltungen abgesagt werden, die Nachfrage im Hotel- und Gastgewerbe, im Verkehr und im Handel sinkt und somit auch die Binnenkonjunktur die Wirtschaft nicht mehr stützen kann“, sagt Norbert Uphues, Referent für Verkehr, Konjunktur, Statistik der IHK Südlicher Oberrhein.
Auch wenn das Corona-Virus – noch – hinter den Folgen einer heftigen Grippe-Epidemie zurückbleibt, hat es zweierlei verdeutlicht: kein Land kann sich heute aus den globalen Lieferketten verabschieden. Was wiederum bei nicht wenigen eben die Angst vor der Globalisierung schürt.

Sorgen um das finanzielle Überleben müssen sich Beschäftigte, deren Betriebe vom Coronavirus betroffen sind, nicht machen: die Agentur für Arbeit zahlt dann Kurzarbeitergeld.

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