Markgräfler Bürgerblatt

„Generell sind wir immer im Einsatz!“

Deutsch-Französische Brigade Müllheim:

Müllheim. Schier ewige Zeiten war Frankreich der „Erbfeind“. Seit dem Elysee-Vertrag von 1963 hat sich das Verhältnis grundlegend gewandelt. Und seit 30 Jahren gibt es – früher undenkbar – eine Deutsch-Französische Brigade, in der deutsche und Franzosen als Kameraden Dienst tun und gemeinsam eingesetzt werden. Wie es ist, in so einer binationalen Einheit zu arbeiten, das fragten Moritz Stahl und Stefan Pawellek in Müllheims Robert-Schuman-Kaserne bei Oberstleutnant Jörg Hoogeveen nach.

MBB: Herr Hoogeveen, ist die Geheimniskrämerei, das Abfragen von Personendaten, das Fotografierverbot nicht ein bisschen übertrieben:
Jörg Hogeveen: Sie werden lachen, aber nach gängiger Presseschulung dürfte im Vorfeld eines Auslandseinsatzes noch nicht mal mein Name abgedruckt werden. Das geschieht, um meine Angehörigen zu schützen, damit niemand bei meiner Familie anruft und sie verunsichert oder gar bedroht. Gleichzeitig ist die Bundeswehr aber so transparent, dass mein Name im Netz zu finden ist…

MBB: Befinden sich denn Teile der Brigade im oder vor einem Einsatz?
Hoogeveen: Generell sind wir kontinuierlich im Einsatz. Wir haben französische Teile der Brigade, die soeben vom UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon) Einsatz aus dem Libanon zurückgekommen sind.

MBB: Sie sprechen jetzt von rein französischen Truppen?
Hoogeveen: Ja. Wir haben nach den Nationen gemischte Truppenteile, es existieren aber auch rein nationale Verbände innerhalb unserer Brigade. Wenn beide Regierungen Truppen in ein bestimmtes Land entsenden, gehen wir zusammen dorthin. Das war zum Beispiel 2004 in Afghanistan der Fall oder auch 1996/97 in Bosnien-Herzegowina. Die letzten Einsätze unter gemeinsamer Führung waren im Rahmen der EU Trainingsmission in Mali, einmal unter Führung des französischen Brigadekommandeurs, Brigadegeneral Rudkiewicz in 2014 und des deutschen Kommandeurs Brigadegeneral Albl in 2016.

MBB: Ist die Trennung nach Nationen nicht gegen die Idee der Brigade?
Hoogeveen: Nun, wir haben viele Dinge, die wir gemeinsam machen, bereiten uns gemeinsam vor, waren bereits mehrfach miteinander im Einsatz und haben bereits zweimal die NATO Response Force, die Schnellen Eingreifkräfte der NATO, sowie einmal die European Battlegroup, die Krisenreaktionskräfte der EU, gestellt. Aber es gibt eben auf beiden Seiten auch rein nationale Einsätze ohne die Beteiligung der anderen Nation.

MBB: Stehen gemeinsame Einsätze an?
Hoogeveen: Im Oktober werden rund 1200 deutsche und französische Soldatinnen und Soldaten nach Mali gehen. Dort wird die Brigade im Rahmen von MINUSMA (Stabilisierungsmission der UN für Mali) die Zivilbevölkerung schützen und die Ausbreitung von terroristischen Gruppen eindämmen. Daneben werden aber auch Soldatinnen und Soldaten der Brigade für Ausbildungsmission für die malischen Streitkräfte, der European Training Mission (EUTM), in den südlichen Teil des Landes gehen. Aktuell sind wir auch mit ca. 600 Soldatinnen und Soldaten in Litauen eingesetzt, in diesem Sinne setzen wir die Bestrebungen des Élysée Vertrags alltäglich in die Tat um.

MBB: Gibt es eine spezielle, nationenübergreifende Uniform oder wird auf die Dienstkleidung der jeweiligen Nation zurückgegriffen?
Hoogeveen: Selbstverständlich tragen die Soldaten die Ausrüstung, die Sie von ihrem jeweiligen Dienstherren gestellt bekommen, eine binationale Uniform gibt es nicht. Was uns verbindet ist das Brigadewappen und unser Barett.

MBB: Wie bewerten Sie den Arbeitsalltag mit ihren französischen Kameraden?
Hoogeveen: Bei der Gründung der Bundeswehr vor circa 60 Jahren hatte niemand damit gerechnet, dass 30 Jahre später eine binationale Truppe ins Leben gerufen werden würde. Dass wir uns hier Rechner und Unterkünfte teilen ist keine Selbstverständlichkeit. Mittlerweile sind jedoch auch multinationale Einsätze keine Seltenheit mehr; unsere Stärke ist, das wir uns schon kennen, bevor wir in den Einsatz gehen.

MBB: Wie einigt man sich bei dieser Internationalität auf ein gemeinsames Protokoll?
Hoogeveen: Das Protokoll ist in der Tat spannend. Wenn der Französische Präsident zum Beispiel auf Truppenbesuch kommt, senkt sich die französische Truppenfahne, bei uns wird das beim Gelöbnis der Soldaten und Soldatinnen gemacht. Bei den Hymnen ist es relativ einfach, es werden immer beide gespielt. Welche zuerst gespielt wird, hängt mit vielem zusammen, zum Beispiel: wer führt den Appell durch oder welcher Ehrengast ist anwesend.

MBB: Wie kommen Sie abgesehen von gemeinsamen Appellen oder Einsätzen mit Ihren französischen Kameraden in Berührung?
Hoogeveen: Natürlich auf dem gleichen Weg wie mit anderen Menschen. Bei der Arbeit, durch die Kinder oder durch Vereine. Meine Kinder besuchen den bilingualen Unterricht, bei der Arbeit stehe ich neben den französischen Kameraden in der Kantine und auch sonst gibt es viele Möglichkeiten, Brücken zu bauen.

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