Breisach Aktuell

Festspiele Breisach – Serie (5. Teil)

Breisach. Das Team der Nähstube kann sich entspannt zurücklehnen. Wenige Tage vor Beginn der Breisacher Festspiele ist die engagierte Vorarbeit der Kostümnäherinnen getan. Und das ja nicht zum ersten Mal. Die Hobbyschneiderinnen Rita Oslath und Michele Ganz „bekleiden“ die Breisacher Bühnenstars seit 1986, beziehungsweise 1994, die westfälische Kollegin und gelernte Damenschneiderin Helga Jestel ist seit 2016 mit dabei.

Wo aus Stoff Theater wird

Nähen, so erklärt es die ehemalige Bankangestellte Oslath, war schon immer ihre Leidenschaft, und weil Breisach und Festspiele zusammengehören, „rutscht man da irgendwann mit rein.“ Aus Hobby wird mit Nähen fürs Theater in jeder Vorsaison regelmäßige Freizeitbeschäftigung. ehrenamtlich und auch an Sonn- und Feiertagen, das versteht sich dabei von selbst.

Stau-und Arbeitsräume  für Fundus und Fertigung haben sich über Jahrzehnte gewaltig vergrößert. Auf mindesten 600 (geschätzten) m² im Obergeschoss eines ehemaligen französischen Militärgebäudes in der Montessoristraße befinden sich die sieben Stubenzimmer mit Eigennamen wie Nähraum, Mittelalterzimmer, Unterrockzimmer, Requisitenraum, kalter Raum mit Riesenfundus… Und der wird auch gebraucht für bis zu 100 Kinder- und circa 30 Erwachsenenkostümen pro Festspielsaison. Mit Variation je nach Doppel- und Mehrfachrollenauftritten.

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Das Nähstubenteam der Breisacher Festspiele: Helga Jestel, Rita Oslath und Michele Ganz. Foto: UB

Los geht es immer Anfang Februar mit einem ersten Gespräch: Regisseur, Kostümbild und Nähstube. Mit handgezeichneten „Figurinenentwürfen“ zu den neuen Theaterstücken wird vorhandener Kostümbestand überprüft, und wenn sich dabei nichts Passendes für neue Rollen findet, muss neu genäht werden. Das heißt zunächst mal Stoff bestellen. Dabei kommen Musterkarten mit Stoffen zum Einsatz, die dann bei einem Großhandel in Augsburg geordert werden, ebenso wie Nähgarn, Reißverschlüsse und Knöpfe. Ist alles vor Ort, werden die Schauspieler zum „Vermessen“ einbestellt. Maßgenommen werden dann Länge, Breite, Höhe und Taillenumfang der angehenden Mimen. Nach Zuschnitten auf jede einzelne Person starten die Aktivitäten so um die Fasnachtszeit herum. Tageseinsäte von fünf bis sechs Stunden und Mehrfachanproben sind dann angesagt. Und „wenn‘s ganz eng wird, wird auch zuhause weitergenäht“. Anzieh- und vorzeigbar müssen die Nähunikate für den Fototermin Anfang Mai, restlos fertig spätestens Anfang Juni sein.

Für die Schneiderinnen ist der Arbeitsaufwand je nach Kostüm unterschiedlich. Ihr einmütiges Fazit bisher: „Zeitmäßig am Aufwendigsten, aber auch am Schönsten waren die Arbeiten für „Das Dschungelbuch“ und „Der Glöckner von Notre Dame“.

Egal, ob Stoff oder Schneidern von „Hüten, Schuhlaschen, Schlangen und anderen Tieren, Hüftpolstern und Popöchen“ – wenn die Endprodukte von begeistertem Publikum auf der Bühne gefeiert werden, hat sich der Einsatz für das Nähstubenteam total gelohnt. Gibt ja auch bei Anproben schon mal Mitbringsel: „von Cappuccino bis Sekt und Wurstsalat“. Und umgekehrt bei anstrengenden Kinderanproben Belohnungen für stressfreies Mitmachen: Wer etwa entfallene Nähnadeln mit Magnet aus Fußbodenritzen zurückholt, darf sich auf Gummibärchen freuen.

Nähstubenresumee: “Langeweile kennen wir nicht, wir freuen uns schon auf die Nächste.“ (UB)

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