Breisach Aktuell

Festspiele Breisach – Vorstellung Dracula Darsteller

Breisach. Eins wollte Mirco Lambracht (41),der Dracula-Darsteller bei den Breisacher Festspielen, auf keinen Fall: Vor Publikum auf der Bühne stehen. Schon als Schüler der Waldorfschule in Freiburg war er genervt vom Pflichtfach Schultheater, das nicht sein Ding war. „Man musste aber spielen, und in vier bis fünf Jahren rutscht man dann so rein und macht mit.“ Dass Schauspiel mal seine Leidenschaft werden würde, hätte der Jungmime nie gedacht.

Geboren in Ostwestfalen und aufgewachsen in einer Pflegefamilie in Burkheim am Kaiserstuhl, verbrachte er eine glückliche Kindheit und Jugend mit 16 Geschwistern und seinem Hobby Segelfliegen. Nach Schulabschluss mit Fachhochschulreife testete er sich durch eine Friseurausbildung und zwei Fernstudien in den Bereichen Vermögensberatung und Immobilienfachwirt.

Dracula: Sich geben wie sonst nie

Über seinen Lebensgefährten, der schon bei den Breisacher Festspielen aufgetreten war, bekam er 2012 Kontakt in die Theaterszene. Hinter den Kulissen schaute er zu, wie das Ambiente unterschiedlicher Menschen aus unterschiedlichen Schichten funktionierte und „auch schon mal knallte“. Die Gemeinsamkeit auf engem Raum während neun Monaten Probe-und Spielzeit beeindruckten ihn, und er ließ sich zum Mitmachen überreden. Bei seinem ersten Auftritt 2013 mit kleiner Rolle im „König Lear“ war er „schrecklich aufgeregt – als einer, der sich nicht gerne vor anderen produziert.“ Was sich mit Applaus aber schnell änderte „und süchtig macht.“

Für die Rolle des “Dracula“ gab es 30 Interessenten; bei der Leseprobe und Rollenverteilung im Januar 2018 bekam Lambracht den Zuschlag: „Das ist die herausforderndste Rolle, die ich je hatte – ich muss mich geben wie ich mich sonst nie gebe.“ Es sei aber auch faszinierend, „das Gegenteil von dem darzustellen, was ich bin,“ neue Seiten an sich kennenzulernen und Besuchererwartungen zu erfüllen – das gehört auf der Bühne dazu. Die Regieanweisung für Dracula bringt es auf den Punkt :“Hör auf, anständig und brav zu sein.“

Dracula Festspiele Breisach

Noch „Normalo“, noch kein „Dracula“: Mirco Lambracht, Hauptdarsteller des Stückes „Dracula“ bei den Breisacher Festspielen. Foto. UB

Um das mitzuerleben, reisen Dracula-Fans und ehemalige Breisacher auch schon mal aus Berlin und aus dem Ausland an.15.000 bis 20.000 Besucher jährlich stürmen die Festspiele. Was zum „Zugpferd“ wird, lässt sich nicht wirklich vorhersagen. „Nach den ersten zwei bis drei Vorstellungen weiß man, wo‘s lang geht.“

Logistik, Organisation und Engagement – auch das sind Bereiche, für die Mirco Lambracht seit 2016 als Erster B-Vorstand des Laientheaters zuständig ist. Außer um Kostüm und Bühnenbild geht es dabei um Vorverkauf, Öffentlichkeitsarbeit und Sponsorenkontakte. Neue Mitglieder mit kreativen Fähigkeiten sind immer herzlich willkommen, im Alter von drei bis über 80 Jahren. Wichtig ist zeitliche Flexibilität für intensive Proben, die aktuell, wie immer kurz vor der Premiere, von den Beteiligten als besonders nervig empfunden werden. Denn: „wir sind dann nur noch publikumsgeil.“ (UB)

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