Breisach Aktuell

Fels in der Brandung für Andacht, Freude und Leid

Johann Traber und Pfarrer Werner Bauer in luftiger Höhe bei der Glockenweihe. Bild BA

Artistenfamilie Traber feiert in der Familienkapelle Taufe und Glockenweihe

Erinnerungen an schlimme Tage der Hochseilartistenfamilie Traber aus dem Jahr 2006 werden wach, wenn es um die hauseigene Kapelle St. Georg geht, die am Stammsitz der Familie in der Jägerhofsiedlung zwischen Breisach und Burkheim steht.
Die Kapelle avancierte seit dem Unfall von Johann Traber jr. in Hamburg  zum Fels in der Brandung und verbindet kirchliches Leben,  Freude und Leid. Jetzt war Feiern angesagt. Johann Traber feierte mit seiner Familie und vielen Gästen die Taufe seiner Enkelin Antonia Maria Aurelia und die Glockenweihe „Johann Georg“, die nun in 7,50 Metern Höhe im Einklang mit der Kapelle auf einem Artistenmast steht.
Münsterpfarrer Werner Bauer von St. Stephan aus Breisach gestaltete das familiäre und kirchliche Doppelfest indessen spannend und würdevoll. Da der Pfarrer irrtümlich zuerst auf Sonntag terminiert war, gab es eine kleine Verspätung. Ohne Pfarrer geht es bei Taufe und Weihe bekanntlich nicht und Johann Traber schickte einen „Späher“ in Richtung Breisach. Dann ging alles rasend schnell. Eine halbe Stunde nach dem eigentlich festgelegten Termin, übernahm ein glänzend aufgelegter Werner Bauer die zeremoniellen Geschicke der religiösen Feste – die Taufe und die Glockenweihe.
Johann Traber hatte da längst seine 46 Jahre alten Arbeitsschuhe an, um seine Enkelin von Tochter Anna sicher über das Hochseil zu balancieren. Kurz darauf lebte die alte Tradition aus der Gilde der Hochseilartisten auf, Enkelkinder als vollwertige Familienmitglieder aufzunehmen. Traber schwebte über ein symbolisch gespanntes Drahtseil mit seiner Enkelin im Taufkörbchen auf der Brust. Nach Risikoabwägung war auf diesem engen Raum vor der Kapelle mit diesen vielen Leuten nicht mehr möglich und der Einsatz einer Balancierstange schloss sich deswegen auch von selbst aus. Dass Johann Traber viel mehr kann, wissen wir alle. Wer schon mit dem Fahrrad über den höchsten deutschen Berg, die Zugspitze balanciert ist und vielfacher Rekordhalter in hohen Lüften ist, muss nichts mehr beweisen. Leidenschaft, Überzeugung und Wagemut von Hochseilartisten sind ihm ins Blut gelegt.
Dann ging es doch noch in höhere Lüfte. Mit einem sicheren Hubsteiger fuhren Johann Traber und Pfarrer Werner Bauer an die Glocke heran, um sie zu weihen und damit der Kapelle in Einheit mit der Glocke Würde zu geben. „Johann Georg“ der Name der neuen bronzenen Glocke, die 270 Kilogramm wiegt und künftig mit sympathischem Ton läuten wird. Nach der Weihe und Namensgebung gab sie die ersten Klänge durch sanfte Berührungsschläge von Johann Traber von sich.
Danach ging Johann Traber jr. mit demselben Gefährt in luftige Höhe, an die Glocke seiner Kapelle. Auch er schlug die Glocke an. Drei Schläge, die doch stark angeschlagen waren, so dass es schien, der ganze Frust eines jungen Hochseilartisten, durch den Unfall im Jahr 2006 durch einen Mastknick in luftiger Höhe in Hamburg nur ganz knapp mit dem Leben davon gekommen war, löste sich. Sein neues Leben meistert er seitdem mit Bravour. Als Dank widmete ihm die Familie damals die Kapelle St. Georg und löste damit das Versprechen ein, im Überlebensfalle  die Kapelle zu bauen. Es ist die Kapelle von Johann Traber jr., die nun in Harmonie mit dem neuen Glockenturm samt Glocke steht.  Die Glocke wird ihm die etwas deutlicheren Schläge verzeihen und sanft reagieren. Und so schlägt sie künftig jeden Mittag um 12 Uhr und abends um 18 Uhr. Mit diesem Klang bedankt sich die Familie Traber auch bei den vielen Menschen aus der Umgebung, die die Familie Traber mit Kapelle, Glocke und Glockenturm unterstützt und beigestanden haben.

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