Markgräfler Bürgerblatt

Fasnet im Laufe der Geschichte

Fasnet einst: Hemd-Chlunki-Umzug in (Bad) Bellingen um 1938. Fotos: Archiv Amann

Hemd-Chlunki und Chappe-Obe

Chappe-Obe in Staufen 1914, wenige Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der für lange Zeit dem Fasnetsbrauchtum den Garaus macht.

Chappe-Obe in Staufen 1914, wenige Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der für lange Zeit dem Fasnetsbrauchtum den Garaus macht.

Markgräflerland. Laut Jochim Ringelnatz (1883-1934) ist Humor der Knopf, der verhindere, dass der Kragen platzt. Ohne Fasnet, so könnte man vermuten, hätte vielleicht das Revolutionssüppchen im Verlauf der Jahrhunderte öfters und heißer geköchelt…
Zwar mussten Adel und Kirche im 18.und 19.Jahrhundert den politischen Kommandostab weitgehend abgeben, die sozialen Nöte der Untertanen bewiesen jedoch enorme Stabilität. Und ebenso die Ängste der weiterhin Reichen und Mächtigen, das närrische, vermummte Volk könne es zu „dolle“ treiben und die Alkohol beschwingte Respektlosigkeit womöglich in demokratische Forderungen münden. Die ritualisierte „Rathaus-Stürmung“ und das närrische Entmachten der Bürgermeister erinnern an jene Zeiten, als in der blutgetränkten französischen Revolution jenseits des Rheines die Köpfe rollten. Auch das „Frauenrecht“ und das symbolhafte Abschnippeln der Männerkrawatten bei närrischen Veranstaltungen hat durchaus etwas mit der bis in jüngere Zeit verhinderten Gleichstellung von Mann und Frau zu tun.
Es gab auch Zäsuren, „Fasnachts- und Karnevalslücken“ zu Kriegszeiten: wenn Söhne und Väter an den Fronten vom „Heldentod“ bedroht waren – wer wollte da farbenfroh und närrisch herumhüpfen? Im Frühjahr 1939, kurz vor Beginn des 2. Weltkriegs, gab’s noch einmal Frohsinn im Zeichen des Hakenkreuzes, dann war’s für einige Jahre aus mit der öffentlichen Fröhlichkeit. Privat allerdings wurde durchaus noch Fasnacht gefeiert, etwa in den Westwallbunkern am Rhein. Da waren nicht nur gut gelaunte Soldaten anzutreffen, sondern auch manche BDM-Maid…
Und dann, nach Ende des Zweiten Weltkriegs – bereits am 11.11.1945 – da wurde klammheimlich vereinzelt schon wieder geschunkelt, da saßen anstatt Uniformmützen Papierkäppis auf den Köpfen, da jaulten die Grammophone und echtes „Dünnbier“ schmeckte in den verschämt fröhlichen Runden „besser als nix“. Archivunterlagen beweisen, wie es Narren und Zünfte verstanden, das Misstrauen der französischen Aufpasser zu zerstreuen. Und man wusste sich zu helfen: Weil die Bürgerwehren ihre Gewehre abzuliefern hatten, schulterten sie ihre Regenschirme. So geschehen in Freiburg 1949. Man sieht, Fasnächtler haben im Notfall Phantasie! (KA)

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