Breisach Aktuell

Fasent, die etwas andere Art der Fasnet

Der Zunftabend in der Stadthalle Breisach wird auch dieses Jahr bestimmt nicht weniger farbenfroh. Auf dem Foto vom vergangenen Jahr Wilfried Meyer, ehemaliger Vorsitzender der Narrenzunft (2. v.r.), und Peter Ehrhardt, neuer Zunftmeister seit Juli 2019 (r.). Foto: BA

Narrenzunft Breisach e.V. im Interview mit Breisach aktuell

Breisach. Es war am 11. November 1927 als Harry Schäfer – 1924 Initiator der Breisacher Festspiele – die Breisacher Narrenzunft gründete, in deren Satzung er festlegte, dass der „Gauklertag“ in seiner historischen Bedeutung erhalten werden müsse.
Überhaupt ist die Narrenzunft, die bereits im 18. Jahrhundert einen Vorläufer hatte, historisch geprägt: die „Zipfelmütze“ ist angelehnt an die Jakobinermütze aus den Tagen der Französischen Revolution, die Gaukler sind Nachfahren der Hofnarren aus monarchischen Zeiten, die Kaiserhusaren lehnen sich an eine Habsburger Elitetruppe an, die Hochstädter Panduren erinnern an die wilden Horden des habsburgischen Freiherrn Franz von der Trenck. So bilden in mitten alemannischer Fasnetshochburgen, die mit Häs und Maske die fünfte Jahreszeit begehen, die Breisacher Narren eine Insel: Ihre Fasnet heißt Fasent, sie ist immer politisch und, wie man im Vorstandstrio spöttelt, “Wir zeigen unser Gesicht und können den Mund nicht halten!“ Tatsächlich ist die 1984 gegründete Zunft der „Kläpperle Bueben“ die einzige im Breisacher Narrenreigen mit einer Holzmaske, die jedoch, darauf legt Zunftmeister Peter Ehrhardt großen wert, ein „frisches, freundliches Bubengesicht“ zeigt.
Im Juli 2019 legte Wilfried Meyer nach über zwölf Jahren als Zunftmeister an der Spitze der Narrenzunft sein Amt nieder. Nach einer Satzungsänderung wird der Verein nun von drei gleichberechtigten Vorständen geführt, um die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen: Peter Ehrhardt, Zunftmeister, Andreas Dewaldt, Marschall, und Torsten Weismann, Kanzellar. Ziel des Trios ist, „mehr innere wie äußere Kommunikation“, Ausbau der Attraktivität der Zunft, Intensivierung der Kontakte zu anderen Fasentgruppen. Peter Ehrhardt räumt freimütig ein, dass insbesondere durch staatliche Auflagen, aber auch durch die Sicherheits-Problematik die Aufgaben für die ehrenamtlichen Vorstände derart zugenommen hätten, dass man sie einfach auf mehrere Verantwortliche verteilen wollte (siehe auch online-Ausgabe vom 06.02.2020 „Drei Fragen an…“, Seite 2).
Nun steht das Triumvirat vor seiner ersten Kampagne und wieder wird es neben dem Fasenttreiben ab dem „Schmutzige Dunnschdig“ und seinem Ende in der Nacht zu Aschermittwoch zwei besondere Highlights geben: die Gauklertage und die Zunftabende.

Die Gauklertage finden jeweils am Fasentsonntag und am Fasentdienstag statt, ihr Domizil ist heute der Heinrich-Ullmann-Platz. Das Spektakel besteht aus dem historischen Teil, der in seinem Bestand nicht verändert wird, und einem jährlich neu gestalteten Narrentreiben. Im historischen Teil trifft der Urheber der Veranstaltung, Kaiser Rudolf von Habsburg mit Gefolge, auf, geht der bekannte Dreyertanz der Gauklergruppe über die Bühne. Sind sonst Umzüge üblich, so ist der Gauklertag eine geschlossene Veranstaltung innerhalb großer Besuchertribünen. Nach Programmende ziehen die mitwirkenden Gruppen und Narrennester in einem kleineren Umzug durch die Stadt und beziehen die Bevölkerung mit in das närrische Geschehen ein.

Anlässlich der 1650-Jahrfeier Breisach wurde ein „Gauklertag bei Nacht“ abgehalten, eine Variation, die beim Publikum ausgezeichnet ankam. Allerdings, so Peter Ehrhardt, wird dies 2020 nicht stattfinden, es sei einfach eine zu große organisatorische Vorarbeit zu leisten, das könne man nicht Jahr für Jahr stemmen. Allerdings, so das Trio, sei für die 100-Jahrfeier der Zunft, 2027, erneut ein „Gauklertag bei Nacht“ ins Auge gefasst.
Zweites Highlight sind die Zunftabende. Seit 2008 gehen sie als Doppelveranstaltung jeweils am Freitag- und Samstag-Abend vor dem “Schmutzige Dunschdig” in der Stadthalle über die Bühne. Früher, erinnert sich Torsten Weismann, habe man den Zunftabend in der Breisgauhalle veranstaltet. Aber abgesehen von dem großen logistischen Aufwand habe es sich gezeigt, dass es schwer wurde, die Halle voll zu bekommen. So zog man in die Stadthalle, die sei zwar kleiner, aber mit allem Notwendigen wie Bar oder Küche ausgestattet. „Und lieber zwei ausverkaufte Veranstaltungen als eine halbleere Halle“, fasst Weismann die Meinung der Vorständler zusammen.
Einem dritten Zunftabend, wie er schon des Öfteren gefordert wurde, erteilt Peter Ehrhardt eine Absage: „Zum einen ist es den Mitwirkenden kaum zuzumuten. Zum anderen bezweifle ich, dass wir einen dritten Abend ausverkaufen würden. Das lohnt sich einfach nicht!“ So bleibt es auch in Zukunft dabei: Die weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Veranstaltung löst Jahr für Jahr einen Sturm auf die Eintrittskarten aus, ist rasend schnell ausverkauft und erspart so den Narrenzünftlern den Aufwand einer Abendkasse.
Die Narrenzunft Breisach e.V. – Fasent ein bisschen anders, mit viel Herzblut, Tradition und Einfallsreichtum.

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