Markgräfler Bürgerblatt

Es mangelte an Zusammenarbeit

Aus dem Staufener Stadtsee fischten Ermittler eine Festplatte mit belastendem Bildmaterial im Staufener Missbrauchsfall. Die Festplatte gehört zum Computer des Haupttäters Christian L. Bild: Homann

Kindesmissbrauch unter den Augen der Justiz

Staufen. Das hat es in der deutschen Justizgeschichte wohl selten gegeben: ein verurteilter und als gefährlich eingestufter Sexualstraftäter kann seine gemeingefährlichen Neigungen ungestört weiterverfolgen, obwohl mit ihm neben der Polizei zwei Amtsgerichte, ein Landgericht, das Oberlandesgericht, die Staatsanwaltschaft und ein Jugendamt über Jahre hinweg befasst sind.

Der Mann, der sich durchlavierte, ist Christian L., arbeitsloser 39 jähriger Haupttäter im Staufener Missbrauchsfall. Seit 2015 hatte er zusammen mit der Mutter eines neunjährigen Jungen das Kind selbst missbraucht und in verschlüsselten Internetforen zur Vergewaltigung gegen Zahlung von Tausenden von Euro und in zweistelliger Fallzahl angeboten und verkauft.

Zunächst erhielt Christian L. eine Bewährungsstrafe wegen des Besitzes und der Weitergabe von Kinderpornografie. Dann wurde er 2010 wegen Vergewaltigung eines 13 jährigen Mädchens verurteilt. Vier Jahre und drei Monate Haft. 2014 wurde er kurz vor Abbüßung der Strafe entlassen. Die Weisung an ihn: Kein Kontakt irgendwelcher Art zu Kindern. Das ignorierte der 39jährige. Er zog zu der 47jährigen Frau und ihrem neunjährigen Sohn. Das Paar verkaufte den Jungen dann seit 2015 für schwersten Missbrauch; inzwischen sitzen alle bisher an dem Missbrauch Beteiligten hinter Gittern.

Unglaublich: In dieser Zeit liefen weitere staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen den Vorbestraften. Es gab eine weitere Anzeige beim Amtsgericht Staufen, bestätigt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Freiburg dieser Zeitung. Zu einer Verhandlung kam es nicht, bis Christian L. und seine Lebensgefährtin Berrit T. Im September 2017 durch einen anonymen Hinweis aufflogen und festgenommen wurden. Im April und im Juli hatte die eingeschaltete Familiengerichtsbarkeit bis zur Ebene des Oberlandesgerichts zweimal entschieden, der kurzzeitig vom Jugendamt Breisgau-Hochschwarzwald in Obhut genommene Junge müsse bei seiner Mutter bleiben. Ihren Beteuerungen glaubte man, der Junge wurde nicht mal angehört, geschweige denn untersucht. Es gab lediglich erneut die Auflage, Christian L. dürfe keinen Kontakt zu dem Jungen haben, der ihn „Papa“ nannte. Trotz zahlreicher Warnungen auch von Gutachtern wurde geprüft, ob der 39 jährige sich von dem Jungen fernhielt. Und die Justiz operierte isoliert und bündelte den Fall nicht. So kam es zu zahlreichen Vergewaltigungen des Schulkindes, während die Mühlen der Justiz irgendwie mahlten, aber nichts gegen den Kinderschänder ausrichteten. Deswegen gibt es jetzt eine Strafanzeige des Deutschen Kindervereins gegen Richter und Behördenmitarbeiter. (uh)

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